Sparkassen Zeitung

Economy

Wir sind Weltspitze im Tourismus

Ausgabe #3/2018 • Tourismus
Stephan Scoppetta

Wir ÖsterreicherInnen wissen, dass wir in einem schönen Land leben. Aber 144,5 Millionen Übernachtungen im Jahr 2017 zeigen, dass Österreich auch eines der beliebtesten Urlaubsländer der Welt ist.

Die Zahlen beeindrucken: Im vergangenen Jahr wurden in den 15.942 Hotelbetrieben Österreichs beachtliche 144,5 Millionen Übernachtungen verzeichnet. Insgesamt beschäftigen sich in der Alpenrepublik 90.332 Betriebe mit den Themen Freizeit und Tourismus. Laut Statistik Austria beträgt die direkte und indirekte Wertschöpfung des heimischen Tourismus unglaubliche 58,8 Milliarden Euro. Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung: „Damit ist die Tourismus- und Freizeitwirtschaft für rund 16 Prozent, also fast ein Sechstel, des österreichischen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich. Zudem schaffen die über 90.000 Betriebe in allen Regionen des Landes Arbeitsplätze – nicht nur in der Hotellerie und den Freizeitbetrieben, sondern auch im zuliefernden regionalen Handwerk und Gewerbe. So leistet der Tourismus einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Absicherung der Lebensräume, auch in vielen Tälern oder entlegenen Gegenden Österreichs.“ Auch das World Economic Forum wählte Österreich aus 140 Ländern auf den sehr guten zwölften Platz bei den weltweiten Tourismusdestinationen. Bei der „Tourist Service Infrastruktur“ liegt Österreich laut World Economic Forum sogar auf Platz Eins.

Urlaubs-Spass schafft Arbeitsplätze

Der heimische Tourismus ist auch ein echter Jobmotor. Rund 719.000 Menschen sind im Tourismus beschäftigt. Es ist auch kein Wunder, dass die in Österreich ausgebildeten TouristikerInnen weltweit einen Spitzenruf genießen, denn in diesem Segment haben wir nicht nur sechs Universitätslehrgänge und eine Privatuniversität zu bieten, sondern auch mehr als 40 Fachhochschullehrgänge und 28 Schulen. Jeder zehnte Lehrling in Österreich ist im Bereich Tourismus tätig.

Lange Tradition

Keine Frage, dass der heimische Tourismus Weltspitze ist, in Österreich haben wir eine lange Tradition in diesem Wirtschaftszweig. Der Wandel vom Reisen als einem notwendigen Übel, um von A nach B zu gelangen, zum Tourismus im heutigen Sinne beginnt um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, und das sehr langsam und in kleinen Schritten. „Am Beginn steht etwas, das wir heute vielleicht als Wellnesstourismus bezeichnen würden, nämlich der Besuch von Heilbädern. Die Heilquellen wurden jedoch nicht nur von kranken Personen aufgesucht, um das Gleichgewicht der Säfte im Körper wiederherzustellen, sondern auch Gesunde genossen unterschiedliche Trinkoder Badekuren um die Gesundheit zu stärken“, weiß Marina Hilber, Tourismushistorikerin und Mitbegründerin von ‚Die HISTORIKERinnen‘. Gerade im Alpenraum gab es viele kleinere Bäder, die ein regionales, oft bäuerliches Klientel bedienten. Neben den böhmischen Kurorten Marienbad, Franzensbad und Karlsbad schafften es auch einige Bäder im heutigen Österreich überregionale Popularität zu erlangen. Dazu zählen Baden bei Wien, Bad Ischl im Salzkammergut und Bad Gastein. Dort verbrachten auch die österreichischen Kaiser ihre Kuraufenthalte und steigerten so das Prestige der Kurorte. Neben dem Kaiser tummelte sich dort auch der Adel, das gehobene Finanzund Bildungsbürgertum sowie die hohe Beamtenschaft aus allen Regionen der Monarchie. „Zusätzlich zum Kurangebot war auch der Alpinismus ein früher und starker Eckpfeiler des österreichischen Tourismus, der vor allem ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Gründung von Alpenvereinen unterstützt wurde. Bis zu den Dreißiger Jahren war aus dem ‚Deutschen und Österreichischen Alpenverein‘ (DuÖAV) eine Massenorganisation geworden“, erklärt Hilber. Unterstützendes Element, das Österreich zu einem Tourismusland aufsteigen ließ, war der Ausbau der Eisenbahnlinien. Die Reise im Zug sparte Zeit, bot je nach Portemonnaie entsprechenden Komfort und Österreich war schnell gut erschlossen.


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"Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft ist für rund 16 Prozent, also fast ein sechstel, des österreichischen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich"

Petra Stolba,
Geschäftsführerin Österreich Werbung

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Tyrolian Champion

Für die Tiroler war besonders Andreas Hofer ein echter Tourismus-Exportschlager. Historikerin Hilber: „Der Freiheitskämpfer und insgesamt der Tiroler Widerstand in den napoleonischen Kriegen wurde vor allem in England und Deutschland mit Staunen und Bewunderung rezipiert und zum Mythos stilisiert.“ Besonders in England, wo die Konkurrenz zu Frankreich eine lange Geschichte hatte, verfolgte man den Freiheitskampf gespannt. „Der englische Dichter William Wordsworth schrieb zwischen Herbst 1809 und Frühjahr 1810 vier Sonette über den Tiroler Aufstand. Er bezeichnet Hofer darin als ‚Tyrolean Champion‘ und Tirol als ‚verkaufte Tochter‘ des Habsburgerreiches“, weiß Hilber. Viele BritInnen und Deutsche, die Tirol bis dahin aufgrund der Topografie nur als gefährliche Durchreisedestination wahrgenommen hatten, wollten das wilde Bergvolk aus den Alpen kennenlernen, das einer übermächtigen napoleonischen Armee die Stirn geboten hatte. Nicht zuletzt war damit Andreas Hofer auch der Geburtshelfer des Tiroler Tourismus.


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"Der Freiheitskämpfer Andreas Hofer und insgesamt der tiroler Widerstand in den napoleonischen Kriegen wurde vor allem in England und Deutschland mit Bewunderung rezeptiert und zum Mythos stilisiert."

Marina Hilber,
Tourismushistorikerin und Mitbegründerin
von Die HISTORIKERinnen

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Ein Sommertourismusland

Es mag überraschen, aber Österreich war immer ein ausgeprägtes Sommerurlaubsland. „Bis zur modernen Erschließung der winterlichen Berge und Etablierung der nötigen Infrastrukturen hatten wir im Sommer deutlich mehr Nächtigungen und Ankünfte als im Winter“, sagt die Chefin der Österreich Werbung. Mittlerweile ist das Verhältnis ausgeglichen, wobei der Sommer bei den Ankünften immer noch vorne liegt: 2017 stehen 23,9 Millionen Ankünfte im Sommer 18,9 Millionen Ankünften im Winter gegenüber. Dafür hat der Winter bei den Umsätzen die Nase vorn. Zudem legt der Sommertourismus in Österreich kontinuierlich zu. AktivurlauberInnen wie auch Menschen auf der Suche nach sich selbst wissen die Abgeschiedenheit der Berge zu schätzen. Aber Wien bleibt mit 8,9 Millionen Nächtigungen im Sommer und 6,6 Millionen im Winter die mit Abstand wichtigste Tourismusdestination in Österreich. Übrigens neu ist auch, dass man in Österreich immer mehr die Geschichte in den Mittelpunkt rückt. Hilber: „History Marketing ist definitiv auf dem Vormarsch, weil gut erzählte Geschichte Individualität, Exklusivität, Tradition und auch Emotionen vermittelt. Doch nicht nur in der Außenwirkung kann History Marketing Positives leisten, auch nach innen erhöht das Wissen um die Geschichte des eigenen Betriebs das Zugehörigkeitsgefühl und den Zusammenhalt der Belegschaft. Zudem haben wir in Österreich mittlerweile in der Hotellerie viele Traditionshäuser, die gerade in den letzten Jahren auf große 50-, 100- oder gar 150-jährige Jubiläen blicken. Das wird nun historisch aufgearbeitet und gewinnbringend präsentiert.“

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