Sparkassen Zeitung

Economy

Viele Wege, ein Ziel

Ausgabe #3/2018 • Tourismus
Herta Scheidinger

In keiner Branche wechseln die Trends so schnell wie im Tourismus. Immer am Puls der Zeit zu sein ist jedoch überlebenswichtig für Touristiker. Wir stellen österreichische Tourismusunternehmen vor, die ihren eigenen Weg gefunden haben, um in der Gunst der anspruchsvollen Gäste zu punkten. Mit innovativen Konzepten und großer Leidenschaft führen sie ihre Betriebe in die Zukunft. 

Alban Scheiber und sein Zwillingsbruder Attila gelten als Pioniere auf dem Gebiet der Touristik. Als ihr Vater 1961 im Ötztal, genauer gesagt in Hochgurgl, ein Hotel und einen Skilift eröffnete, ahnte noch niemand, dass daraus ein hochmodernes Skigebiet mit allerlei Attraktionen werden sollte. „Innovationen sind wichtig“, so Alban Scheiber und weiter „Stehenbleiben ist ein Rückschritt.“ Nur zu gut weiß er um die globale Vernetzung im Tourismus. Das Ötztal und sein touristisches Angebot stehen dadurch weltweit in Konkurrenz mit anderen Skigebieten. „Man kann nur mithalten, wenn man international orientiert ist“, weiß Scheiber. Dazu braucht es nicht nur moderne Liftanlagen, sondern auch individuelle Ideen, die auf die Region zugeschnitten sind. So gehört das TOP Hotel Hochgurgl zu den Zugpferden im Scheiber-Imperium. Die Brüder sind aber auch Seilbahnunternehmer, Skischulbetreiber, Eigentümer der Timmelsjoch Hochalpenstraße und haben das innovative Mountain Crosspoint mit Museum und Gastronomie errichtet. „Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber der Region und den Mitarbeitern. Viele der Hotelbetreiber im Ötztal sind Einheimische, die vor Ort sind. Wir sehen, was notwendig ist und was die Region an Tourismus verträgt. Gerade bei den Pionieren im Tourismus hat es jahrelang keine Gewinnausschüttungen gegeben. Wir investieren in neue Lifte, neue Skiflächen und natürlich in die Mitarbeiter“, so Scheiber.

Ruhe und Kraft

Seit über 90 Jahren öffnet das Hotel „Fischer am See“ im tirolerischen Heiterwang seine Türen für Gäste aus der ganzen Welt. Familie Bunte, die das Hotel betreibt, hat sich die Ruhe der malerischen Natur am Heiterwanger See zum Konzept erkoren. Die Frage nach dem Warum beantwortet Marina Bunte gerne: „Weil ich den Menschen einen Ort schenken möchte, an dem sie in eine andere Welt eintauchen können. Fernab von Alltag, Stress und Hektik.“ Ein Angebot, das bei Ruhesuchenden, Naturliebhabern, Sportlern und dem mittleren Management großen Anklang findet. „Nur wer in der Ruhe zu sich findet, kann wirklich abschalten, loslassen und sich frei fühlen“, ist Marina Bunte überzeugt. Das familiengeführte Haus folgt der Philosophie der „neuen Einfachheit“. Ein Aufenthalt im Hotel Fischer am See gibt zurück, was den meisten in der Hektik des Alltags entglitten ist: das Gefühl fürs eigene Ich.

Die Wildnis entdecken

Das Hotel Nationalpark Lodge Großglockner liegt mitten im berühmten Bergsteigerdorf Heiligenblut am Großglockner. „Wir Pichlers verstanden es immer, der Zeit einen Schritt voraus und dennoch in der Tradition verwurzelt zu sein. Mit der ‚Nationalpark Lodge Großglockner‘ starten wir eine neue Ära des naturnahen Outdoor-Urlaubs“, zeigt sich Pichler erfreut. 2016/2017 wurden sowohl in Architektur und Design als auch im Angebot für die Gäste die Weichen für die Zukunft gestellt. Ein Teil des Konzepts liegt praktisch vor der Haustür. Mit dem Programm „Into-the-Wild“ möchte man den Gästen die Schönheit der unberührten Naturlandschaft des Nationalparks Hohe Tauern auf sanfte Art näherbringen. „Wir möchten ihnen Plätze zeigen, die nur wenige kennen, und sie die Natur mit allen Sinnen spüren lassen. Um sie danach sicher in die Wohlfühlatmosphäre der Nationalpark Lodge Großglockner zurückzubringen“, erklärt Hans Pichler sein Konzept.

Kulinarisches mit Tradition

Der traditionsreiche Gasthof in Kirchdorf an der Pielach wurde 1693 das erste Mal als Einkehrgasthof urkundlich erwähnt. Seit 1957 ist er nun in Besitz von Familie Kalteis und wird von Hubert Kalteis und seiner Frau Sonja in dritter Generation geführt. Trotz der langen Geschichte des Hauses ist sich Hubert Kalteis der Notwendigkeit von Innovationen bewusst. „Nur durch Innovation und Alleinstellungsmerkmale kann man in der vielfältigen Gastro-Dschungel-Welt überleben“, so der Gastronom: „Das Einfließen der Umgebung und der Natur in unsere Küche und das ständige Weiterentwickeln von Gerichten, Interieur und Angebot ist wichtig, da wir ein sehr großes Stammgästepublikum haben, und die wollen immer wieder aufs Neue überrascht werden.“ Da es sich in den letzten Jahren aber gezeigt hat, dass die Gäste auch von immer weiter her anreisen, wurden vier Gästezimmer eingerichtet. Damit wurde eine Lücke im Angebot geschlossen.

Natur-Resort

Am Natterer See gelang die Realisierung eines für den Alpenraum einzigartigen, innovativen „Glamping“-Projekts inmitten unberührter Natur. Individuelles Naturerlebnis im Einklang mit Luxus und Abenteuer-Romantik steht hier im Mittelpunkt. Das vielfach ausgezeichnete Ferienresort hat sich in den letzten 90 Jahren mehrfach neu erfunden. Georg Giner erklärt die aktuellen Trends: „Camping liegt aktuell voll im Trend. Hauptverantwortlich dafür ist der Wandel von billig zu komfortabel. Glamping beschreibt genau diesen Prozess. Das Wort steht für ‚Glamorous Camping‘. Am Anfang dieser neuen Strategie, die wir seit 2013 umsetzen, standen ein paar Schlaffässer. Die kuschelig eingerichteten Fässer sprechen besonders junge Pärchen an, die als Stadttouristen unterwegs sind. In einem zweiten Schritt entstanden 2015 vier luxuriöse Safari-Lodgezelte und acht Wood-Lodges, letztes Jahr kamen weitere neun Lodgezelte hinzu. Die Lodges liegen auf einem eigenen weitläufigen Gelände von 1,7 Hektar, das wir unter dem Namen ‚Nature Resort‘ anbieten.“

Literatur in den Bergen

Die Sonnenburg in Oberlech am Arlberg feiert heuer ihr 80-jähriges Bestehen. Im Jahre 1938 wurde sie von Familie Hoch gekauft und hat sich mittlerweile zu einem 5-Sterne- Hotel mitten im Skigebiet von Oberlech entwickelt. Doch neben dem Sport hat das Hotel noch einiges mehr zu bieten. Seit fast vier Jahrzenten befindet sich eine der höchstgelegenen Galerien im Haus. Das Konzept hat nun im „Literaturhotel Sonnenburg“ seine Fortführung gefunden. „Wir bemühen uns, von Jahr zu Jahr erneut ein stimmiges und spannendes Literaturprogramm zu gestalten. Unserer ganzen Familie liegen Bücher am Herzen. Zu einem gelungenen Urlaub gehört unserer Meinung nach auch ein gutes Buch. Wir haben im Herbst 2016 jedes unserer Zimmer mit einer Bücherkiste ausgestattet, in der der Gast zehn ausgewählte Titel findet, die ihn zum Lesen animieren sollen. Unsere Bibliothek direkt neben der Bar ist Rückzugsbereich für die Hausgäste, Ort für Autorenlesungen und Raum für Diskussionen und Gespräche. Unsere Gäste lieben sie!“, erzählt Waltraud Hoch.

Besonderes im alten Bauernhof

Herta Scheidinger Ein ganz besonderer Rückzugsort ist der 400 Jahre alte Mesnerhof in Steinberg am Rofan. Im Jahr 2013 wurde der Wohntrakt der alten Bauern mit seinen 200 Quadratmetern für zehn Personen revitalisiert. Danach folgte das heutige Mesnerhof-Chalet, und 2017 wurde im ehemaligen Heustadl auf 500 Quadratmetern das neue Mesnerhof-Camp für bis zu 27 Personen geschaffen. „In Verbindung mit Themen, wie das Land unser Denken beeinflusst und wo das Neue entsteht, haben wir uns bei der Sanierung des Mesnerhof-Ensembles vor allem einer Frage gestellt: Welche Räume braucht die Gemeinschaft? Das ‚C‘ steht für Community und wir positionieren uns als Rückzugsort oder Community-Retreat für gemeinschaftliches Urlauben und Arbeiten – mit dem Aspekt selbstbestimmter Organisation. Dabei setzen wir als Gegenthese zu Ich-zentrierten Konzepten wie Wellness auf den bergtypischen Spin für Zusammengehörigkeit, also #AlpineTogetherness“, erklärt Georg Gasteiger.

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Was zählt, sind die Menschen