Sparkassen Zeitung

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„Nachhaltige Investments werden immer beliebter“

Ausgabe #4/2018 • Daten
Milan Frühbauer
Heinz Bednar, CEO Erste Asset Management: „Derzeit  geht
nur ein extrem niedriger Prozentsatz von der Sparquote
in die dritte Säule der Pensionsvorsorge.
Das sollte sich rasch ändern.“

Vor zehn Jahren wurde die Erste Asset Management (Erste AM) gegründet. In dieser Gesellschaft sind für die Sparkassengruppe die Kapitalanlagegesellschaft Erste-Sparinvest, die seit über 50 Jahren im Bereich Investmentfonds aktiv ist, die Erste Immobilien KAG und die Fondsgesellschaften der Erste Group in Zentral- und Osteuropa (CEE) sowie die Vermögensverwaltung unter einem Dach zusammengefasst. Vorstandsvorsitzender Heinz Bednar sprach mit uns über Trends im Veranlagungsgeschäft, Chancen auf den Finanzmärkten und nachhaltiges Investment. 

Die Marktführerschaft der KAG der Sparkassen in Österreich ist weiterhin aufrecht?

Heinz Bednar: Gemeinsam mit allen unseren Partnern, den Sparkassen und den Kunden-Betreuerinnen und -Betreuern haben wir es zum führenden Asset Manager in unserer Region geschafft. Unsere Marktführerschaft ist das Ergebnis von mehr als fünf Jahrzehnten harter Arbeit und stetiger Verbesserung. Das Ziel ist, unsere führende Position in einem sich schnell verändernden Umfeld auszubauen. Das gilt für den Bestand insgesamt sowie für das Retail-Geschäft. Zu Jahresbeginn lag das Fondsvolumen in Österreich bei 34 Milliarden Euro. Gut 55 Prozent davon entfallen auf institutionelle Kunden wie Pensionskassen oder Versicherungen, 45 Prozent halten Privatanlegerinnen und -anleger. Die Erste AM Gruppe verwaltet aktuell Gelder – Investmentfonds und Vermögensverwaltung – in Höhe von insgesamt 61,8 Milliarden Euro. Rund 45 Milliarden Euro in Österreich, bereits rund zehn Milliarden Euro in Tschechien und knapp vier Milliarden Euro in Ungarn.

Die Entwicklung in den CEE-Märkten ist überwiegend dynamisch, in Tschechien konnte zum Beispiel allein im Retail ein Mittelzufluss von 127 Millionen Euro verzeichnet werden. Die Tschechische Republik ist mittlerweile ein sehr ausgereifter Fondsmarkt, in dem etwa die Fonds-Sparpläne eine große Rolle spielen. Das CEE-Engagement der Sparkassengruppe hat sich auch in unserem Bereich sehr erfolgreich entwickelt, nimmt man als Stichtag den 31. Juli 2018.

ERSTE-SPARINVEST hat in den vergangenen Jahren auf die nachhaltigen Fonds hingewiesen. Wie reagieren da die Anleger, und gibt es auch andere Trends?

Bednar: Sehr positiv, das Volumen nachhaltiger Fonds legt Jahr für Jahr kontinuierlich zu. Nachhaltigkeit geht eben nicht zulasten der Performance, das bestätigen zahlreiche Studien und die Wertentwicklung unserer Nachhaltigkeits-Fonds. Bei uns sind schon mehr als fünf Milliarden Euro in diesem Bereich veranlagt. Wir haben ein Team, das sich ausschließlich mit nachhaltiger Veranlagung beschäftig. Unser Investment-Prozess setzt sich aus positiven Kriterien, Ausschluss-Kriterien und Engagement-Kriterien zusammen. Faktoren wie Umweltfreundlichkeit, soziale und gute Unternehmensführung sind sehr wichtig.

Ein weiterer Trend ist bei der Veranlagung unverkennbar: In Österreich, Tschechien und in Ungarn steigt die Nachfrage nach offenen Immobilienfonds deutlich an. Wir führen das auf die solide Wertentwicklung der Vergangenheit und auf das hohe Sicherheitsbedürfnis unserer Anlegerinnen und Anleger zurück. Sowohl bei den Privatanlegern als auch bei Institutionellen wächst die Nachfrage nach nachhaltigen Immobilienveranlagungen.

Die Erste AM ist auch Vermögensverwalter für die gehobene Klientel. Wie hat diese auf ein Jahrzehnt der Niedrigzinsen reagiert?

Bednar: Mit einem klaren Bekenntnis zu höherverzinslichen Anlageformen im Wertpapierbereich. Der Trend ging von Euro-Staatsanleihen eindeutig in Richtung gemischte Fonds und naturgemäß auch mehr in Aktien. Bei den Anleihen gewannen Fonds, die in hochverzinsliche Unternehmensanleihen oder Schwellenländern – auch Emerging Markets – investieren, an Bedeutung. Besonders nachgefragt ist auch unser neu aufgelegter Anleihenmischfonds, der flexibel in die verschiedenen Anleihen- und Geldmarktinstrumente investieren kann und an keine Vorgaben gebunden ist.

Um die sogenannte dritte Säule der Eigenvorsorge ist es in Österreich nicht sehr gut bestellt. Eine soeben veröffentlichte Analyse der FMA zeigt, dass die prämiengestützte Zukunftsvorsorge derzeit mit sinkenden Neuabschlüssen und geringeren Volumina an Zuflüssen gleichsam ein Schattendasein führt.

Bednar: Hier sollte meiner Meinung nach ein Neustart erfolgen. Ziel der Eigenvorsorge ist die Einkommenslücke, die man bei Pensionsantritt hat, zu verkleinern. Das jetzige Produkt sieht eine verpflichtende Garantie auf die einbezahlten Beträge vor.

Dieser Punkt beeinflusst maßgeblich die Veranlagungsstrategie des Produkts, da nicht die Wertsteigerung, sondern der Werterhalt im Vordergrund steht. Zusätzlich kostet eine Garantie Geld und bremst damit von vornherein die mögliche Wertentwicklung. Viele Experten forderten bereits bei der Einführung der PZV eine Produktvariante ohne Garantie, aber die politische Entscheidung fiel eben anders aus.

Was sollte geschehen? Der amtierende Finanzminister hat ja bereits angedeutet, dass im Zuge der Steuerreform 2020 dieser Bereich neu geordnet werden soll.

Bednar: Die neue Bundesregierung bringt Bewegung in Kapitalmarktfragen. Wer ein Garantieprodukt haben will, der soll es weiter bekommen. Aber für einen Zeitraum von beispielsweise 30 Jahren ist die Garantie nicht notwendig und kostet Performance. Ich bin da durchaus optimistisch, dass hier etwas Vernünftiges kommen soll.

Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass man fiskalisch einen bestimmten Betrag für die jährliche Dotierung der Eigenvorsorge steuerfrei stellt und dem Einzelnen in diesem Rahmen diverse Dispositionsmöglichkeiten einräumt. Dann sind wir in der Produktkreativität gefordert. Und im langfristigen Vermögensaufbau sind wir erfahren und professionell aufgestellt. Derzeit geht in Österreich im internationalen Vergleich nur ein extrem niedriger Prozentsatz von der Sparquote oder privaten Geldvermögensbildung in diese dritte Säule. Das sollte sich rasch ändern.

Zu guter Letzt: Wie sind Sie von der Datenschutzgrundverordnung und dem immer mehr an Brisanz gewinnenden Themenkreis Big Data betroffen?

Bednar: Wir waren sehr intensiv mit der DSGVO befasst und haben diese in mehreren Bereichen und über mehrere Länder hinweg erfolgreich implementiert. Wir mussten gewährleisten, dass in unseren elektronischen Medien, zum Beispiel auf Website und Blog, die Regeln hinsichtlich des Datenschutzes eingehalten werden.

Im Retail-Geschäft sind Erste Bank und Sparkassen direkt mit dem Kunden oder der Kundin in Kontakt, wir stellen nur die Produkte zur Verfügung. Als KAG kennen wir den einzelnen Privatanleger oder jene Menschen, für die Vermögensverwaltung gemanagt wird, nicht. Das sind jeweils Vertragspartner der einzelnen Bankinstitute. Ich halte das übrigens in Österreich für eine gute Regelung.

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