Sparkassen Zeitung

Economy

Geld ist eine Frage des Vertrauens

Ausgabe #2/2019 • Die Zukunft des Zahlens
Stephan Scoppetta

SCHEINE, MÜNZEN, KARTEN, APPS – EINKAUFEN IST HEUTZUTAGE WIRKLICH EINFACH. DIE GESCHÄFTE UNSERER VORFAHREN WAREN DA DEUTLICH KOMPLIZIERTER: SIE ZAHLTEN UMSTÄNDLICH MIT MUSCHELN, STEINEN ODER EDELMETALLEN. DOCH EINES IST SICHER, GELD IST DER GRUNDSTOCK UNSERER ZIVILISATION.

In unserem Leben hat fast alles seinen Preis. Eine Tafel Schokolade? Etwa einen Euro. Ein Buch? Rund 15 Euro. Ein Tesla Modell X? Ab 92.000 Euro. Das Bild „Salvator Mundi“ von Leonardo da Vinci? 450,3 Millionen Euro. Im Grunde ist es eine einfache Formel: Wer etwas kaufen will, braucht Geld und bekommt dafür eine Ware oder eine Dienstleistung. Geld, wie immer es aussieht, hat viele Vorteile: Es ist ein Wert- und Preismaßstab und eine Recheneinheit, indem es der Bewertung und dem Vergleich der Güter und Leistungen dient. Geld ist aber auch ein Wertaufbewahrungsmittel, das erbrachte Leistungen speichern kann. Geld, das sei, schrieb der amerikanische Autor Lewis H. Lapham, „einer der Grundstoffe, mit denen die Menschheit die Architektur der Zivilisation errichtet“. Doch Geld hat im Laufe der Geschichte unterschiedlich ausgesehen und ist auch heute noch einem stetigen Wandel unterworfen.

ZAHLEN MIT ZÄHNEN ODER SCHNECKENHÄUSERN

Vor mehr als 20.000 Jahren zahlten unsere Vorfahren in Westeuropa vermutlich mit kleinen Steinbeilen. Die BewohnerInnen der Fidschi-Inseln verwendeten die Zähne von Pottwalen, die Menschen auf der Südsee-Insel Yap meterhohe und tonnenschwere Steinscheiben als Geld. Im alten Ägypten zahlte man mit Getreide, in Nordamerika mit „Wampums“ genannten Gürteln aus Muscheln und Gehäusen von Meeresschnecken. Vor rund 4.000 Jahren kam in Afrika und Indien Kaurigeld auf: Reich war also, wer viele Gehäuse von Kaurischnecken besaß. In manchen Regionen Europas und des Nahen Ostens zahlten die Menschen schließlich mit Gold und Silber. Weil es die wertvollen Edelmetallstücke in verschiedenen Größen gab, konnte man mit ihnen sowohl teure als auch billige Waren kaufen. Vor rund

2.700 Jahren kamen die Menschen in Lydien, im Westen der heutigen Türkei, auf eine neue Idee: Sie schlugen Goldklumpen flach und prägten sie mit dem Stempel ihres Königs – eine Art Versicherung, dass das Edelmetall echt ist. Diese Goldscheiben gelten als erste Münzen der Welt. Die Idee setzte sich durch, wenige Jahrhunderte später zahlten Menschen im ganzen Mittelmeerraum mit Münzen. Kaufen und Verkaufen wurde so viel einfacher. Doch das Münzgeld hatte auch einen Nachteil: Ständig mussten die Händler schwere Geldsäcke schleppen, wenn sie Geschäfte machen wollten. Ab dem 10. Jahrhundert gaben Kaufleute in China ihre Münzen deshalb lieber bei der Regierung ab. Dafür bekamen sie eine Quittung aus Papier, mit der sie Waren bezahlten: Banknoten! Weitere 600 Jahre dauerte es, bis das Papiergeld auch in Europa bekannt wurde.

VOM GELDSCHEIN ZUR KARTE

Banknoten haben viele Vorteile: Sie wiegen wenig, man kann sie verhältnismäßig leicht herstellen und den Scheinen unterschiedliche Werte geben. Allerdings funktionieren sie nur, weil Menschen sie als reines Tauschmittel akzeptieren. Im Gegensatz zu einer Goldmünze etwa hat ein Geldschein ja keinen Wert an sich – es ist bloß Papier. Im Verlauf der Geschichte machten sich Staaten das manchmal zunutze, um ihre Schulden zu bezahlen. Nach dem ersten Weltkrieg druckten die Nationalbanken so viele Banknoten, dass es zu einer Hyperinflation kam und die Banknoten komplett wertlos wurden. Heute wacht die Europäische Zentralbank darüber, dass dies nicht mehr passiert und sich zum Beispiel unser Geld jedes Jahr nur marginal entwertet. 2018 lag die österreichische Inflationsrate bei 1,92 Prozent. 1974 hatten wir in Österreich aber eine Inflationsrate von über neun Prozent.

     

 

DIE GUTE ALTE BANKOMATKARTE WIRD ZUR NEUEN DEBITKARTE

Brüssel hat in einer EU-Richtlinie entschieden, dass Bankomatkarten ab sofort in ganz Europa und so auch in Österreich „Debitkarten“ heißen sollen. Die Erste Bank hat gemeinsam mit dem Partner Mastercard das gleich zum Anlass genommen, der guten alten Bankomatkarte ein Upgrade zu verpassen. Ab sofort wird die neue Debitkarte neben den üblichen Funktionen wie Bargeldbehebung, Kontoauszüge und Bezahlung im Shop nun auch internettauglich gemacht.

KEINE KREDITKARTE

Zu diesem Zweck ist eine neue mehrstellige Kartennummer aufgedruckt, plus Ablaufdatum und Sicherheitszahl, mit der man im Internet einkaufen kann. Das Prinzip ist ähnlich einer Kreditkarte, aber bei der neuen Debitkarte erfolgt die Abbuchung sofort, so wie auch jetzt schon mit der Maestro Bankomatkarte, und nicht erst Wochen später wie bei einer Kreditkarte. Auch wird die neue Bankkarte leichter in digitale beziehungsweise mobile Zahlungslösungen (so genannte „Wallets“) eingebunden werden können.

KARTENTAUSCH BIS 2020

Ab sofort werden sämtliche 1,8 Millionen Bankomatkarten der Erste Bank Schritt für Schritt getauscht. Bis 2020 sollte dieser Prozess abgeschlossen sein. Für die KundInnen wird sich dabei wenig ändern. PIN-Code, Kontokonditionen und Kartenlimits der KundInnen bleiben unangetastet, nur bietet die neue Debitkarte in Zukunft einige praktische Extras, die die KundInnen sicher zu schätzen wissen. Die Erste Bank setzt bei diesem Wandel auf den Systempartner Mastercard, so wie bei den Kreditkarten.

DER HANDEL PROFITIERT

Für den Handel bringt diese Umstellung klare Vorteile. Alle Transaktionen, die nicht über Kreditkarten, sondern über Debitkarten abgewickelt werden, sind mit geringeren Kartengebühren für die HändlerInnen belastet. Das gilt online wie auch stationär, wenn zum Beispiel kontaktlos mit dem Handy bezahlt wird. Derzeit kauft rund die Hälfte der ÖsterreicherInnen im Internet mit Rechnung ein, die zweitbeliebteste Zahlungsmethode ist PayPal und etwa 35 Prozent nutzen beim Onlineshoppen Kreditkarten. Mit der neuen Debitkarte wird nun eine wichtige Lücke geschlossen und denjenigen, die keine Kreditkarte haben, eine sichere und unkomplizierte Möglichkeit des digitalen Einkaufens geboten.

 

 

GELD PER MAUSKLICK

In Zukunft könnten Münzen und Geldscheine komplett aus unserem Alltag verschwinden. Einerseits werden Bankkarten und Zahlungssysteme wie Apple Pay immer beliebter, auf der anderen Seite entwickeln sich komplett neue Systeme. Ein Beispiel dafür sind so genannte Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum oder Ripple. Das sind Zahlungsmittel, die nur digital existieren. Sie werden nicht geprägt oder gedruckt, von Zentralbanken oder Staaten ausgegeben und kontrolliert, sondern nach komplizierten Regeln von Computernetzwerken errechnet. Ob sich aber solche Systeme durchsetzen werden, ist fraglich. Grund: Geld ist eine Vereinbarung zwischen Menschen. Wer für seine Waren Geld annimmt, gibt quasi einen Kredit und vertraut darauf, dass er oder sie zu gegebener Zeit das Geld gegen einen konkreten Nutzen eintauschen kann. „Kredit“ wiederum leitet sich aus dem lateinischen „credere“ für „glauben“ oder „vertrauen“ ab. Jeder Form des Geldes liegt demzufolge eine Absicherung dieses Vertrauens zugrunde. Das Konzept des Vertrauens ist die Essenz des Geldes. Etwa kann die jüngst so populäre Ansicht, Geld könne aus dem Nichts geschaffen werden, als ebenso falsch entlarvt werden wie das monetaristische Diktum Milton Friedmans, Geldschwemme müsse zwangsläufig in Inflation münden – Inflation kann es nur geben, wenn das Vertrauen in das Geld verloren geht. Der große Vorteil des Geldes ist, dass es Freiräume schafft und beweglich macht, und deshalb wird es immer eine Form von Geld geben. Doch wie dieses Geld der Zukunft in 100 oder 200 Jahren aussehen wird, wissen wir heute nicht.

APPLE PAY JETZT BEI ERSTE BANK UND SPARKASSEN

KundInnen von Erste Bank und Sparkasse können ab sofort mit Apple Pay in Geschäften mit dem iPhone oder der Apple Watch bezahlen. Es funktioniert so wie mit einer Kredit- oder Bankomatkarte. Dazu muss man lediglich das Gerät an das Kassenterminal halten. Bevor man die Funktion nutzen kann, ist eine Kredit- oder Debitkarte ins Wallet am iPhone hinzufügen. Apple Pay kann in allen Geschäften, die mit NFC-fähigen Bankomatkassen ausgestattet sind, genutzt werden. Dazu zählen große heimische Lebensmittelketten, Tankstellen und auch Mode- und Technologiehändler. Im Ausland oder in Online-Shops ist die Nutzung von Apple Pay jederzeit möglich.

ERSTE BANK UND SPARKASSEN FIRST MOVER

Bei den österreichischen Banken ist die Sparkassengruppe das erste heimische Institut, das die Kooperation mit Apple unter Dach und Fach brachte. Diesen Vorteil will man nun aktiv nutzen und auch in der Werbung damit Gas geben. Im Zentrum der neuen Werbekampagne steht der Gedanke „Bezahlen wie nie zuvor“. Im Kreativkonzept wird das „Wow“-Erlebnis durch die Verwandlung der anfänglich normalen Szenerie des Mädchens im Shop in eine futuristisch anmutende Astronauten- oder Mond-ähnliche Szenerie dargestellt. Man macht durch dieses neuartige Bezahl-Erlebnis quasi einen Schritt in die Zukunft. Erste Bank und Sparkassen setzen auch hier wieder neue Maßstäbe in Österreich.

 

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Was zählt, sind die Menschen