Sparkassen Zeitung

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Editorial

Ausgabe #1/2020 • Female Edition

Liebe Leserinnen!

Wie Sie vielleicht bemerkt haben, verwenden wir in dieser Ausgabe des Sparkassenmagazins bei personenbezogenen Bezeichnungen, die beide Geschlechter umfassen, ausschließlich die weibliche Form. Mit unserer „Female Edition“ wollen wir auf die Gleichberechtigung von Frauen aufmerksam machen und sie wieder ein Stück vorantreiben. Und das nicht nur mit interessanten Inhalten, Interviews und Statistiken, sondern auch mit der rein weiblichen Schreibweise – die gar nicht immer so leicht fällt – und natürlich SIE ALLE unabhängig von ihrem Geschlecht ansprechen soll.

Die Schreibweise spiegelt nur einen Teil der komplexen Gesamtsituation wider, in der es schwierig ist, ein grundsätzliches Umdenken bei Frauen und Männern zu erreichen. So haben nicht nur Eltern und das – meist sehr konservative – Familienbild, sondern auch das soziale, gesellschaftliche und berufliche Umfeld einen starken Einfluss auf die heranwachsende Generation und ihr Geschlechter-Verständnis. Details dazu erklären uns Politikwissenschaft-Professorin Kathrin Stainer-Hämmerle und Gender-Expertin Alexandra Kautzky-Willer.

Die gläserne Decke, an die viele Frauen stoßen, zeigt sich auch anhand der aktuellsten Zahlen und Fakten (siehe Seiten 8/9): Anfang 2019 wurden bei Österreichs 200 umsatzstärksten Unternehmen nur 8,2 Prozent Geschäftsführerpositionen und 21,4 Prozent der Aufsichtsratsposten von Frauen besetzt. Frauen arbeiten zu 47,2 Prozent (Männer: 10,7 Prozent) Teilzeit und verdienen um durchschnittlich 19,9 Prozent weniger als Männer. Dies führt leider auch zu einem entsprechenden Pensions-Gap, der übrigens in Österreich mit 39 Prozent deutlich über dem EU-Schnitt von 30 Prozent liegt.

Doch es bewegt sich etwas: Das weibliche Geschlecht schreitet voran. Nicht nur durch die Einführung einer Frauenquote, zunehmendes Selbstbewusstsein der Frauen und verschiedene Maßnahmen, die zu greifen beginnen, sondern auch dadurch, dass Vielfalt ein wissenschaftlich belegbarer Erfolgsfaktor in Wirtschaft und Politik ist. Auf welchen Gebieten Frauen rasant aufholen und auch Männer überholen (werden)? Auch das gibt es nachzulesen und auf unserer Infografik zu erkunden.

Ganz wesentlich für das Vorankommen sind sogenannte Role Models. Deshalb kommen bei uns auch viele unterschiedliche Frauen zu Wort, die es in Top-Führungspositionen geschafft haben und eine wichtige Vorbildfunktion einnehmen: Unternehmerinnen wie Microsoft-Österreich-General-Managerin Dorothee Ritz, mutige Gründerinnen, neue Vorständinnen in der Sparkassengruppe sowie die Leiterinnen von Group Diversity Management Erste Group und Human Ressources Erste Bank, die im Doppelinterview aus ihrer täglichen Praxis über unterschiedlichste und vielfach unbeachtete Aspekte im Arbeitsleben berichten.

Franz Portisch,
Generalsekretär des Österreichischen Sparkassenverbandes

Um auch internationale Entwicklungen zu beobachten, werfen wir einen Blick auf die EU-Pläne der ersten Kommissionspräsidentin und auf die erste Kommissarin für Gleichberechtigung, Helena Dalli. Als starke Frau befragen wir zudem die gebürtige Rheinländerin Caroline Peters, die neue Buhlschaft der Salzburger Festspiele, über ihre Erfahrungen und Rollenbilder im Lauf ihrer Schauspielkarriere.

Liebe Leserinnen, ich wünsche Ihnen viele neue, interessante Einblicke in die Welt der „Gleichberechtigung“ und gleichzeitig auch den Mut zur „Gleichstellung“. Jede von Ihnen, ob Frau oder Mann, kann diese in ihrem Bereich – zum Nutzen aller – wieder ein Stück vorantreiben#

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