Sparkassen Zeitung

5 Fragen an

Fünf Fragen an Caroline Peters

Ausgabe #1/2020 • Female Edition

CAROLINE PETERS, DIE NEUE BUHLSCHAFT DER SALZBURGER FESTSPIELE, ÜBER STARKE FRAUEN, BENACHTEILIGUNG UND IHREN UMGANG MIT GELD.

1. SIE HABEN IN IHRER KARRIERE SCHON ZAHLREICHE VIELSCHICHTIGE FRAUENFIGUREN VERKÖRPERT. WAS BEDEUTET FÜR SIE DER BEGRIFF DER „STARKEN FRAU“?
Er ist für mich zweischneidig. Eigentlich ist es ein bewundernder Blick auf Frauen, die mit Selbstbewusstsein und Eigenliebe so leben wollen, wie sie es für richtig halten. Andererseits ist es oft ein verschleierndes Synonym für „schwierig“. Denn Frauen, die lässig und entspannt eigene Wünsche und eigenen Willen äußern, gelten oft als „schwierig“.

2. WELCHE FRAUEN HABEN SIE IN IHREM LEBEN BEEINFLUSST?
Ich wurde in meiner Jugend sehr durch das Kino geprägt. Um starke Frauenfiguren war das Kino nie verlegen und es war keine Besonderheit, wenn eine Frau den Plot geführt hat. Die einprägsamsten Frauenbilder kamen von Meryl Streep in „Jenseits von Afrika“, Ingrid Bergmann, Katherine Hepburn, Bette Davis, Romy Schneider und Catherine Deneuve. Aber auch von Linda Hamilton in „Terminator“ oder Jennifer Beals als Tänzerin, die in „Flashdance“ ihr Geld als Schweißerin verdient und selbstverständlich nur Herrenfahrräder fährt. Sehr beeindruckende Frauen waren auch meine beiden Großmütter, die für lange Zeit große Familien allein regieren mussten, da die Männer im Krieg geblieben waren.

3. WURDEN SIE IM LAUF IHRER KARRIERE JE ANDERS BEHANDELT, WEIL SIE EINE FRAU SIND?
Das ist eine Frage, die ich ungern, aber doch mit „Ja“ beantworten muss. Bezahlung ist immer wieder ein Thema, aber auch das Recht auf Gestaltungsfreiheit. Eine Frau, die sich gestalterisch einmischt, wird gern als „anstrengend“ eingestuft und ausgesondert. Der männliche Kollege, der exakt dasselbe macht, gilt als kreativ, einfallsreich und gut vorbereitet.

4. DIE BUHLSCHAFT IST DER TRAUM VIELER SCHAUSPIELERINNEN. WAS ZEICHNET SIE AUS?
Diese Rolle bekommt fantastisch viel Aufmerksamkeit, es ist enorm. Ich glaube, sie zeichnet sich durch den unbedingten Wunsch aus, das Leben als Fest, auch als Fest des Augenblicks, zu genießen und zu leben. Außerdem hat die Buhlschaft keinerlei Sehnsucht nach Tod und Melancholie.

5. DER MAMMON SPIELT IN „JEDERMANN“ EINE WICHTIGE ROLLE. WELCHE BEDEUTUNG HAT GELD IN IHREM LEBEN?
Ich habe finanziell immer im Moment gelebt, was ich mit zunehmender Reife für unsinnig halte. Jetzt versuche ich, haushalten zu lernen und in die Zukunft zu blicken. Das hätte man mir schon in der Schule beibringen können, auch wenn ich es als Teenager für spießig und lächerlich gehalten hätte.

INFO: Caroline Peters ist seit 2003 festes Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters, wo sie aktuell in „Medea“ und „Schwarzwasser“ auf der Bühne steht. Außerdem war die gebürtige Mainzerin unter anderem in der TV-Krimiserie „Mord mit Aussicht“ sowie der Kinokomödie „Womit haben wir das verdient?“ zu sehen. Diesen Sommer verkörpert die Nestroy-Preisträgerin die neue Buhlschaft in „Jedermann“ der Salzburger Festspiele.

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