Sparkassen Zeitung

Land und Märkte

Private Vorsorge nicht von aktuellen Geschehnissen abhängig machen

Ausgabe #3/2020 • RE-START
Stephan Scoppetta

MANFRED BARTALSZKY, VORSTAND DER WIENER STÄDTISCHEN UND VERANTWORTLICH FÜR DIE MARKE S VERSICHERUNG, ÜBER EIN STAATLICHES SOZIALSYSTEM AN DER BELASTUNGSGRENZE, PRIVATE VORSORGE IN CORONA-ZEITEN UND DIE NEUE NACHHALTIGE S FONDS-POLIZZE ECO.

Die Weltwirtschaft ist von der Corona-Krise schwer getroffen. Die Börsen sind eingebrochen, die Arbeitslosigkeit steigt. Ist jetzt der Zeitpunkt langfristige Vorsorgemaßnahmen zu treffen?

Manfred Bartalszky: Es ist mit Sicherheit einer der größten Fehler, die private Vorsorge von aktuellen Geschehnissen abhängig zu machen. Natürlich trifft uns derzeit die Corona-Krise hart, aber vor neun Jahren war es die Eurokrise, vor zwölf Jahren der Zusammenbruch von Lehman Brothers und vor 19 Jahren 9/11 und davor die Börsenkrise im Jahr 2000. Krisen sind zu einem ständigen Begleiter geworden. Vorsorge ist etwas sehr Langfristiges, und gerade wegen möglicher Krisen muss diese geplant werden, um auch
schlechte Phasen besonders im Alter gut zu überstehen.

Wie sich jetzt zeigt, ist unser staatliches Sozialsystem ausgezeichnet. Warum sollte man also zusätzlich privat vorsorgen?

Bartalszky: Wir haben zwar ein gut ausgebautes staatliches Sozialsystem, aber dieses weist immer mehr Lücken auf und das spüren die Österreicherinnen und Österreicher auch. So gehen laut einer IMAS-Vorsorgestudie mit österreichweit 1.000 Befragten – im Auftrag von Wiener Städtische, Erste Bank und Sparkassen – 88 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher davon aus, dass es aufgrund sinkender Sozialleistungen in Zukunft ohne private Vorsorgemaßnahmen nicht mehr gehen wird. Nachdem die Corona-Hilfsmilliarden, die wir derzeit für die zahlreichen Unterstützungsmaßnahmen brauchen, auch irgendwann wieder in die Staatskasse zurückfließen müssen, ist in Zukunft sogar von noch härteren Einschnitten – auch im Sozialsystem – auszugehen.

Wo sehen Sie hier den größten Vorsorgebedarf?

Bartalszky: Eine besondere Herausforderung ist weiterhin der demografische Wandel, durch den sich die Gesellschaftspyramide auf den Kopf stellt. Waren 2015 laut EU-Kommission nur 12 Prozent der Bevölkerung im Rentenalter, so werden es laut Prognose 2050 beachtliche 24 Prozent sein. Das bleibt nicht ohne Folgen und wird unser Gesundheits-, Pflege- und Pensionssystem an seine Grenzen führen. Reformen besonders in diesen Bereichen sind also vorprogrammiert.


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„NACHHALTIGE FONDS INVESTIEREN KEINE GELDER IN UNTERNEHMEN, DIE KINDERARBEIT TOLERIEREN ODER KEINE RÜCKSICHT AUF DIE UMWELT NEHMEN.“

Manfred Bartalszky, Vorstand der Wiener Städtischen
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Machen nicht die seit Jahren niedrigen Zinsen eine Vorsorge unmöglich?

Bartalszky: Nein, denn es gibt für jede Situation die richtigen Produkte. Zum Beispiel ist die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge, also die s Privat-Pension mit Prämien-Plus, weiterhin das zentrale Basisprodukt der Altersvorsorge. Kein Wunder, denn in Österreich gibt es kein zweites gefördertes Produkt in der privaten Vorsorgesäule mit vergleichbaren steuerlichen Vorteilen: keine Versicherungssteuer, keine Kapitalertragssteuer und auch keine Einkommensteuer bei Auszahlung des Kapitals in Rentenform. Und: Neben den steuerlichen Vorteilen bietet die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge im Jahr 2020 für jährliche Einzahlungen bis 2.957,80 Euro eine Förderung in Höhe von 4,25 Prozent oder maximal 125,71 Euro. Außerdem kann am Ende das Kapital auch für die Pflege verwendet werden.

Erst vor wenigen Wochen hat die Wiener Städtische, Team s Versicherung eine nachhaltige Fondspolizze auf den Markt gebracht. Wie hoch schätzen Sie das Kundeninteresse?

Bartalszky: Wir trennen den Müll, fahren weniger Auto, um das Klima zu schützen, und kaufen Bioprodukte, um uns gesund, aber auch umweltschonend zu ernähren. Es ist also nur naheliegend, auch bei der finanziellen Vorsorge auf das Thema Nachhaltigkeit zu achten. Eine aktuelle Umfrage der Wiener Städtischen belegt das auch: Bereits 38 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher haben dabei großes Interesse an nachhaltigen Finanzprodukten bekundet.

Welche Möglichkeiten bietet die neue s Fonds-Polizze ECO?

Bartalszky: Diese Fonds-Polizze ist die erste und bislang einzige fondsgebundene Lebensversicherung, der das österreichische Umweltzeichen verliehen wurde. Bereits ab 50 Euro monatlich, oder 10.000 Euro in Form eines Einmalerlags, können Kundinnen und Kunden gemeinsam mit Berater oder Beraterin zwischen zwei unterschiedlichen Fonds-Bündeln oder aus insgesamt 13 nachhaltigen Fonds aus der Sparkassenwelt wählen. Somit lässt sich auch für jeden Risikotyp die richtige Variante finden.

Doch warum sollte man jetzt in einen nachhaltigen und nicht in einen konventionellen Fonds investieren?

Bartalszky: Das ist einfach zu erklären. In nachhaltige Fonds zu investieren bedeutet nicht nur eine Förderung nachhaltiger Unternehmen, sondern verhindert zugleich, dass Gelder in Unternehmen fließen, die Waffen produzieren, Kinderarbeit tolerieren oder keine Rücksicht auf die Umwelt nehmen. Darüber hinaus belegen unterschiedlichste Studien, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen deutlich krisenresistenter sind, weil sie nicht nur den kurzfristigen Gewinn vor Augen haben, sondern auch langfristige Ziele verfolgen. Das macht diese Unternehmen für viele Anlegerinnen und Anleger einfach glaubwürdiger.

Experten und Expertinnen sprechen davon, dass die nächste Nachhaltigkeitswelle im Finanzbereich zu finden sein wird. Wie kommt das?

Bartalszky: Lange Zeit hat man den Umweltbeitrag von beispielsweise Versicherungen – überspitzt formuliert – auf einen sparsameren Umgang mit Druckerpapier reduziert. Das ist jedoch deutlich zu kurz gegriffen. Denn: Sämtliche Prämien, die unsere Kundinnen und Kunden Monat für Monat für ihre Versicherungen einzahlen, werden von uns am Kapitalmarkt veranlagt. Damit zählen Versicherungen zu den größten Kapitalveranlagern überhaupt. Mit unserer neuen fondsgebundenen Lebensversicherung „s FondsPolizze ECO“ investieren unsere Kunden ihre Prämien ausschließlich in Unternehmen, denen die Einhaltung gewisser ökologischer und sozialer Standards wichtig sind. So übernehmen wir alle – als Kunde und als Versicherung – Verantwortung und stiften einen nachhaltigen Nutzen für unsere Umwelt, die Gesellschaft und künftige Generationen.

Österr. Umweltzeichen
Österreichisches Umweltzeichen
Nachhaltige Finanzprodukte

      S FONDS-POLIZZE ECO      

  • Fondsauswahl aus 13 nachhaltigen Fonds mit dem Österreichischen Umweltzeichen
  • Gegen laufende Prämienzahlung oder als Einmalerlag abschließbar
  • Prämienhöhe variabel ab 50 Euro monatlich oder 10.000 Euro als Einmalerlag
  • Auszahlung als Kapital oder Rente möglich
  • Rentenoption mit Rententafelgarantie inkludiert

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