Sparkassen Zeitung

5 Fragen an

Fünf Fragen an Alexandra Gruber

Ausgabe #3/2020 • RE-START
Sandra Wobrazek

ALEXANDRA GRUBER, OBFRAU „DIE TAFELN“ – VERBAND DER ÖSTERREICHISCHEN TAFELN, ÜBER HILFSBEREITSCHAFT, LEBENSMITTELBEDARF UND DEN NEUSTART NACH DER KRISE.

1. WIE HAT SICH DIE CORONA-KRISE AUF DIE TAFELN AUSGEWIRKT?
Abgesehen vom Wegfall vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer mussten wir die Organisationen großteils auf neue Beine stellen. Es gibt Tafeln, die direkt Essen ausgeben, andere, wie etwa die Wiener Tafel, versorgen primär soziale Einrichtungen. Da war schnell klar, dass das zu viel Nähe ist, denn Tafeln leben vom engen Kontakt. Auch jetzt noch ändern sich ständig die Rahmenbedingungen – und man muss sich permanent neu erfinden.

2. WIE HABEN UNTERNEHMEN SIE UNTERSTÜTZT?
Durch die Krise hatten viele Unternehmen Waren übrig, die wir österreichweit verteilt haben. Caterer haben mit ihren Mitarbeitenden Fertigmenüs für armutsbetroffene Menschen gekocht. Vor allem aus der Produktion, dem Großhandel und der Landwirtschaft haben wir mehr Zuspruch als früher. Die Krise hat zum Teil für eine schlechtere Planbarkeit von Waren im Handel gesorgt – das merken wir am Ende der Kette.

3. HAT SICH DIE HILFSBEREITSCHAFT DER ÖSTERREICHER_INNEN VERGRÖSSERT?
Wir haben eine große Welle der Hilfsbereitschaft erlebt: von Privatspenden über Unternehmen, die uns finanziell helfen, bis zu ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die gesagt haben: „Wir sind jung und möchten etwas tun.“ Denn bei den meisten Tafeln liegt das Alter der Ehrenamtlichen über 60 Jahren – und da sind durch die Corona-Krise viele ausgefallen.

4. WIE KÖNNEN DIE TAFELN IN KRISENZEITEN HOFFNUNG GEBEN?
Wir verzeichnen mehr Zulauf. Anfangs hatten wir weniger, weil viele armutsbetroffene Menschen zu Risikogruppen gehören. Viele Tafeln haben deshalb auf Hauszustellungen umgestellt. Mittlerweile kommen aber mehr Gäste als früher und auch von sozialen Einrichtungen werden mehr Waren abgenommen. Bei der Wiener Tafel etwa rufen viele Menschen an und fragen, wo sie günstig oder gratis Lebensmittel bekommen können.

5. IHR WUNSCH FÜR DIE PHASE DES NEUSTARTS?
Wir brauchen weiterhin finanzielle Hilfe, denn alle Tafeln leben primär von Spenden. Auch von der öffentlichen Hand wünschen wir uns mehr Unterstützung – sei es durch Lagerstrukturen, Entgegenkommen bei der Miete oder Transportleistungen. Denn bei den Tafeln ist für alle Unterstützerinnen und Unterstützer und für jede Idee Platz.

INFO: In Kooperation mit Industrie, Handel und Landwirtschaft retteten die österreichischen Tafeln (Braunauer Tafel, Die Oberösterreichische Tafel, Flachgauer Tafel, Le+O der Caritas Österreich, Pannonische Tafel, Tafel Süd, Rotes Kreuz Niederösterreich, Rotes Kreuz Tirol, Wiener Tafel) 2019 mit mehr als 3.800 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern mehr als 5.500 Tonnen noch genusstaugliche Lebensmittel. So konnten rund 90.000 von Armut betroffene Menschen, direkt und in Zusammenarbeit mit anderen gemeinnützigen Organisationen, versorgt werden. dietafeln.at

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