Sparkassen Zeitung

Land und Märkte

Vier von zehn ÖsterreicherInnen sind finanziell von der Corona-Pandemie betroffen

Ausgabe #5 November/2020 • SPARSAMKEIT
Herta Scheidinger

KURZARBEIT, ARBEITSLOSIGKEIT UND EINE UNGEWISSE ZUKUNFT LÖSEN BEI VIELEN ÖSTERREICHER_INNEN MOMENTAN AUCH EINEN VERZICHT AUF KONSUM AUS. LAUT EINER REPRÄSENTATIVEN IMAS-UMFRAGE IM AUFTRAG VON ERSTE BANK UND SPARKASSEN GEBEN 38 PROZENT DER ÖSTERREICHER_INNEN AN, DASS SIE VON DER CORONA-KRISE FINANZIELL BETROFFEN SIND.

Als Folge dieser Unsicherheiten sagen 39 Prozent, dass sie seit Ausbruch der Krise weniger konsumieren und somit weniger Geld ausgeben als noch zu Beginn des Jahres. „Die Österreicherinnen und Österreicher spüren die Krise finanziell im Geldbörsel und es ist zu befürchten, dass diese Zahl noch steigen wird“, warnt
Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank.

Die Bedeutung des Sparens ist in Österreich generell wieder sehr hoch – 79 Prozent messen dem Thema eine große Bedeutung zu. Für 85 Prozent ist die finanzielle Absicherung das Sparmotiv Nummer eins. Der Sparbetrag liegt heuer bei 272 Euro – im Jahr 2010 waren es noch 165 Euro, die man monatlich zur Seite legte.

WERTPAPIERE IM ZEHN-JAHRES-TREND IMMER BELIEBTER

Dass das Sparbuch für langfristige Anlagezwecke seine Sternstunde hinter sich hat, haben 63 Prozent der befragten SparerInnen erkannt. Im Vergleich zum Jahr 2010 nutzen nur noch 72 Prozent (-11 Prozent) diese Sparform. Neben den Klassikern wie Bausparen (57 Prozent) und der Lebensversicherung (42 Prozent) reihen sich Wertpapiere mit 34 Prozent und einem Abstand von 10 Prozentpunkten vor Immobilien und Pensionsvorsorge nun auf dem vierten Platz der in Österreich meistgenutzten Veranlagungsoptionen ein. Aktien und Co. spielen in der Vorsorge und Anlage der heimischen SparerInnen eine immer größere Rolle. 61 Prozent der Befragten halten Wertpapiere für eine relevante und langfristige Alternative zum klassischen Sparen. Jede/r Fünfte (21 Prozent) beschäftigte sich demnach auch aktiv während der Coronakrise mit Aktien, Fondssparplänen oder Anleihen. Besonders stechen dabei die 15-bis-29-Jährigen hervor, von denen sich sogar 32 Prozent in den letzten sechs Monaten diesem Thema widmeten. „Der Fokus bei langfristiger Geldanlage muss weiterhin auf den Kapitalmärkten liegen, damit man seine Kaufkraft erhält. Besonders in Krisenzeiten soll man darauf nicht vergessen, weil auf einen Zinsanstieg brauchen wir noch lange nicht zu hoffen“, hält Schaufler fest. Der Aspekt der Nachhaltigkeit werde dabei für viele AnlegerInnen immer wichtiger: „Immerhin hat sich das Volumen an nachhaltig veranlagten Geldern bei uns in den letzten zehn Jahren von 2,3 auf über 14 Milliarden gesteigert.“

 


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DER FOKUS BEI LANGFRISTIGER GELDANLAGE MUSS WEITERHIN AUF DEN KAPITALMÄRKTEN
LIEGEN, DAMIT MAN SEINE KAUFKRAFT ERHÄLT.

Thomas Schaufler,
Privatkundenvorstand der Erste Bank

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BANKING WURDE DURCH CORONA DIGITALER

Die letzten Monate haben der Digitalisierung weltweit einen großen Schub verpasst. Der Großteil der Befragten hat dies zum Anlass genommen, die diversen digitalen Wege zu den BankberaterInnen oder beim Zahlen am Kartenterminal zu nutzen. Trotzdem ist die Bargeldnutzung in keinem europäischen Land so hoch wie in Österreich. 38 Prozent geben an, häufiger kontaktlos mit der Debit- oder Kreditkarte zu zahlen. Zusätzlich sagen 36 Prozent, sie würden seit März seltener Bargeld verwenden. Diese Dynamik schlägt sich auch in den Nutzungszahlen nieder. So konnte man einen Anstieg der Transaktionen mit der Debitkarte von zirka 20 Prozent im Vergleich zum Beginn des Jahres beobachten. Aktuell verzeichnen Erste Bank und Sparkasse außerdem über 300.000 KundInnen, die im Schnitt jeden zweiten Tag eine Bezahlung mit dem Handy leisten. Auch hier hat Corona das Nutzungsverhalten noch einmal klar intensiviert.

Auch der persönliche Kontakt geht zurück, 36 Prozent geben an, ihre BetreuerInnen seltener zu treffen. Die Filialen waren während des gesamten Lockdowns geöffnet und es wurde mit geteilten Teams gearbeitet, um für jeden Fall gerüstet zu sein.

GEPLANTE ANSCHAFFUNGEN WERDEN NOCH UMGESETZT

Die Vorsicht in Sachen Konsum sieht man bei den ÖsterreicherInnen lediglich bei aktuellen Neuvorhaben. Jene Kreditvorhaben, die vor Corona schon geplant waren, wurden zu hohen Anteilen auch umgesetzt. Bei den Konsumvorhaben, wie etwa dem Kauf eines neuen Autos, haben immerhin noch 57 Prozent wie geplant realisiert. Trotz Hereinbrechen der Corona-Pandemie haben 64 Prozent ihren Hausbau oder Wohnungskauf umgesetzt. 27 Prozent haben ihr Wohnvorhaben zurückgestellt, und nur 9 Prozent haben es ganz verworfen. Diejenigen, die es sich leisten können, nutzen derzeit weiterhin die niedrigen Zinsen. In Österreich stiegen die Wohnbaukredite im Neugeschäft von 5 Milliarden Euro (Q2 2019) um 7,2 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro (Q2 2020). „Im gleichen Zeitraum stiegen auch bei uns die Neukredite im Wohnbau um 9,8 Prozent auf über eine Milliarde Euro an”, berichtet Schaufler.

 

Auswirkungen von Corona auf die Zahlungsmethoden

Auswirkungen von Corona auf die Zahlungsmethoden

272 Eur pro Monat wird gespart

 

 

Wofür die ÖsterreicherInnen sparen
Wofür die ÖsterreicherInnen sparen

 

 

ZUR UMFRAGE: Erste Bank und Sparkassen beauftragten das Marktforschungsinstitut IMAS International für eine telefonische Befragung rund um die Themen finanzieller Betroffenheit und Veränderungen des Veranlagungs- und Konsumverhaltens in Zeiten der Corona-Pandemie. Die Befragung fand vom 3. bis 16. Juni 2020 statt. Insgesamt wurden 900 Personen (100 pro Bundesland) befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 15 Jahren.

 

 

 

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