Sparkassen Zeitung

5 Fragen an

5 Fragen an Michael Landau, Präsident der Caritas Österreich

Ausgabe #5 November/2020 • SPARSAMKEIT

MICHAEL LANDAU, PRÄSIDENT DER CARITAS ÖSTERREICH, ÜBER SPARSAMKEIT UND REDUKTION IN KRISENZEITEN SOWIE DIE BEDEUTUNG VON ACHTSAMKEIT.

1. WIRTSCHAFTLICHE KRISEN ZWINGEN SOZIAL SCHWACHE BESONDERS ZUR REDUKTION. WIE ERLEBT DIESEN UMSTAND DIE CARITAS DERZEIT? 
Die Corona-Krise ist ein absoluter Stresstest für den sozialen Zusammenhalt in unserem Land. Wir sehen an den unterschiedlichsten Stellen: Der Druck steigt. Für viele Menschen ist die Gesundheitskrise zu einer sozialen Krise geworden. Jobverlust und Kurzarbeit setzen sehr vielen Menschen stark zu. Und viele von ihnen wenden sich erstmals an die Caritas. Ein Impfstoff kann genügen, um die gesundheitlichen Folgen von Corona in den Griff zu bekommen. Um die sozialen Folgen wirksam zu bekämpfen, wird es aber eine Vielzahl an Maßnahmen brauchen.

2. WAS BEDEUTET SPARSAMKEIT FÜR DAS UNTERNEHMEN CARITAS?
Als Hilfsorganisation sind wir nicht nur den Menschen verpflichtet, denen wir in unserer Arbeit möglichst wirksam und im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe zur Seite stehen. Wir sind auch den Spenderinnen und Spendern und Fördergeberinnen und Fördergebern im Wort, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln sorgsam und verantwortet umzugehen. Es gibt gute soziale Gründe, wirtschaftlichem Denken Raum zu geben – und gute wirtschaftliche Gründe, auf das Soziale in einer Gesellschaft zu achten. 

3. WARUM SOLLTEN WIR ALS GESELLSCHAFT SPARSAMER LEBEN? 
Worum es jetzt gehen muss ist: Zusammenhalt und Zuversicht. Was hat unser Land groß gemacht? Die Fähigkeit, zusammenzustehen und auf die Schwächsten nicht zu vergessen. Ich bin unsicher, ob „sparsam“ das richtige Wort ist. Gerade auch, wenn ich weiß, dass viele Menschen gar nicht anders können, als sparsam zu leben – weil das Geld fehlt, um den Kühlschrank zu füllen und den Heizkörper warm zu halten. Wichtiger als „Sparsamkeit“ wäre mir, dass wir gerade jetzt „achtsamer“ miteinander und mit unserer Umwelt umgehen. Wir werden diese Pandemie, aber auch andere große Aufgaben wie die Klimakrise, nur gemeinsam überwinden. Dabei kommt es auf jede und jeden Einzelnen an. Eine zukunftstaugliche Gesellschaft muss eine solidarische Gesellschaft sein. 

4. INWIEFERN KANN REDUKTION EINEN POSITIVEN EFFEKT HABEN?
Ich glaube, wir können und sollen uns von Zeit zu Zeit die Frage stellen: Lebe ich heute schon so, wie ich am Ende meines Lebens gelebt haben möchte? Das eigene Tun entlang dieser Frage immer wieder auszurichten, kann jeder und jedem Einzelnen helfen. Es täte uns aber insgesamt auch als Gesellschaft gut, diese Frage wachzuhalten.

5. WIE ÄUSSERN SICH REDUKTION UND SPARSAMKEIT IN IHREM LEBEN?
Im Versuch, ein gutes und gelingendes Leben zu führen. In dem Wissen, dass mein Tun und Lassen auch Auswirkungen auf das Leben anderer Menschen und auf unsere Umwelt haben. Und in der Überzeugung, dass es meine und unsere Aufgabe ist, diese Welt ein Stück heller, freundlicher und gerechter zurückzulassen, als wir sie vorgefunden haben. Gelingt mir das immer? Vermutlich nicht. Es ist mit Arbeit verbunden. Aber ich bin überzeugt: Es ist die Mühe wert.

INFO: Michael Landau wurde 1960 in Wien geboren. Der Biochemiker und katholische Priester ist seit 2013 Präsident der Caritas Österreich und seit Mai 2020 auch Präsident der Caritas Europa. Für sein Engagement wurde er unter anderem mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. 

www.caritas.at

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