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Economy

Häuser im Grünen sind zum großen Wohntraum geworden

Ausgabe #1 März/2021 • LUST AUFS LAND
Stephan Scoppetta

MICHAEL PISECKY, GESCHÄFTSFÜHRER S REAL, ÜBER DEN TREND ZUM LANDLEBEN, HOMEOFFICE UND STEIGENDE IMMOBILIENPREISE.

Trotz Wirtschaftskrise steigen die Preise für Wohnimmobilien auch weiterhin. Wie lässt sich dieser ungebrochene Aufwärtstrend erklären?

Michael Pisecky: Derzeit ist unglaublich viel Geld im Umlauf, und von den Zentralbanken wird weiter Geld in den Markt gepumpt. Noch nie war Geld über niedrige Kreditzinsen so günstig zu haben wie heute. Ein großer Teil dieses Geldes fließt in den Immobilienmarkt, und das treibt die Preise – trotz sinkender Renditen. Aufgrund der aktuellen Situation fokussieren sich die Investorinnen und Investoren verstärkt auf den Wohnimmobilien-Markt. Gleichzeitig verfügen viele Haushalte über ausreichende Mittel, um den eigenen Wohntraum oder den Wohntraum der Kinder realisieren zu können. In der Pandemie hat Wohnen einen neuen Stellenwert bekommen.

In den Städten sind die Preise in den letzten Jahren stark gestiegen, nun ziehen die Preise auch am Land und am Speckgürtel großer Ballungszentren an. Gibt es hier auch einen Zusammenhang mit der Pandemie?

Pisecky: Besonders Häuser im Grünen sind für viele aufgrund der Lockdowns zum großen Wohntraum geworden. Das Wachstum der Bevölkerung in den Städten hat sich deutlich verlangsamt, und der Zuzug im Umland der Ballungszentren legt nun deutlich zu. Einfamilienhäuser und Grundstücke sowie Wohnungen im Umland der Städte sind sehr gefragt, und das macht sich nun auch in den steigenden Preisen bemerkbar.

War dieser Trend zum Landleben schon vor der Covid-19-Krise absehbar?

Pisecky: Schon seit 2015 steigt die Nachfrage nach Immobilien in den Speckgürteln großer Ballungszentren wie Wien, Linz, Graz, Salzburg oder Innsbruck. Was aber auffällt ist, dass sich mit der Pandemie das Einzugsgebiet deutlich ausgeweitet hat. Homeoffice und die Digitalisierung, aber auch die deutlich gestiegenen Preise lassen auch Regionen, die weiter entfernt von Ballungsräumen liegen, für Kundinnen und Kunden deutlich attraktiver erscheinen.

Welche ländlichen Regionen sind heute besonders gefragt?

Pisecky: Es gibt viele Regionen, die von diesem Trend profitieren. Zentrale Faktoren dafür sind eine gute Anbindung an das Straßennetz und den öffentlichen Verkehr. Wichtig ist auch, dass ein hoher Freizeitwert gegeben ist. Die Menschen suchen heute wieder die Nähe zur Natur und Ruhe. Gleichzeitig müssen die Immobilien aber eine gute Ausstattung bieten und auch technisch auf dem neuesten Stand sein. Regionen ohne gute Internetanbindung haben es dadurch eher schwer, aber auch hier werden in den nächsten Jahren die letzten Lücken in Österreich geschlossen.

Ist nicht zu erwarten, dass durch die aktuell sehr hohe Arbeitslosigkeit und den durch die Pandemie bedingten wirtschaftlichen Einbruch die Immobilienpreise in den nächsten Jahren sinken werden?

Pisecky: Derzeit ist sehr viel Geld bei den Österreicherinnen und Österreichern vorhanden. Die Sparquote steigt, und zwei Drittel der Einkommen in Österreich sind von der Krise nicht betroffen. Gleichzeitig sind 2020 die Freizeitausgaben so gering wie schon lange nicht gewesen. Wohnen ist wichtig und daher wird gekauft und saniert. Wir rechnen also weiterhin mit stabilen Preisen. Steigt die Inflation, sind die Immobilieneigentümerinnen und Immobilieneigentümer besonders froh, in sicheres Betongold investiert zu haben. Darüber hinaus sind die aktuellen Finanzierungszinssätze so niedrig wie noch nie.

Wo sehen Sie ein Ende des mittlerweile langanhaltenden Aufwärtstrends im Immobilienmarkt?

Pisecky: Bei Mietwohnungen pendelt sich das Niveau mittlerweile deutlich unter 1.000 Euro ein. Heute ist es schwieriger, Mieterinnen und Mieter zu finden, die sich mehr leisten können und wollen. Im vergangenen Jahr wurden zudem rund 19.000 Wohneinheiten in Wien fertiggestellt, und das wird in den nächsten Jahren uch zu weniger Bauprojekten und tendenziell sinkenden Preisen im Neubausegment führen. Auch weitere Effekte, wie der verlangsamte Zuzug besonders in Wien und die durchwachsenen wirtschaftlichen Aussichten, dämpfen derzeit die Aussicht auf steigende Renditen. Trotzdem machen Investments in Immobilien weiterhin Sinn, denn sie sind mit Sicherheit der beste Schutz gegen Inflation. Wohnen im Eigentum ist darüber hinaus eine optimale Vorsorge für das Alter und auch die eigene Familie.

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