Sparkassen Zeitung

Werte

Die fleißigen Mitarbeiterinnen auf dem Dach

Ausgabe #3 Juli/2021 • NACHHALTIGKEIT
Helene Thuma

DIE BIENE IST NICHT NUR DAS SYMBOL DER SPARKASSEN, SIE IST AUCH EINE SEHR PRODUKTIVE MITARBEITERIN AM ERSTE CAMPUS.

In Wien sind Bienen gern gesehene Stadtbewohnerinnen, stehen sie doch für Nachhaltigkeit und eine intakte Natur. Über 6.000 Bienenvölker mit rund 200 Millionen Bienen sind in der Bundeshauptstadt angesiedelt und werden von 700 StadtimkerInnen betreut. Die Bienenhaltung in Wien hat eine lange Tradition. Schon im Mittelalter war sie von hoher wirtschaftlicher Bedeutung. Auch Kaiserin Maria Theresia förderte die Bienenzucht. 1769 gründete sie die weltweit erste staatliche Imkerschule im Wiener Augarten. Am 8. April 1775 erließ die Kaiserin ein Gesetz zur Förderung der Bienenzucht. Diese Maßnahmen sollten dabei helfen, Hungersnöte zu verhindern. Auch heute ist das Bewusstsein für die enorme Bedeutung der Bienen für eine intakte Umwelt in hohem Maße vorhanden und Honig erfreut sich großer Beliebtheit. 80 Prozent der Kultur- und Wildpflanzen werden durch Honigbienen bestäubt. Obwohl Bienen so klein sind, sind sie doch das drittwichtigste Nutztier nach Rind und Schwein.

PARTNERSCHAFT MIT SYMBOLCHARAKTER

Bienenstöcke sind in Wien jedoch nicht nur an Plätzen wie dem Tiergarten Schönbrunn, den Blumengärten Hirschstetten oder dem Prater angesiedelt. Honigbienen werden auch auf den Dächern der Stadt gehegt und gepflegt. Seit dem Jahr 2017 sind zwei Bienenstöcke auf dem Dach des Headquarters der Erste Group, auf dem Erste Campus, beheimatet. Eine Partnerschaft mit Symbolcharakter, denn die Biene war für viele Generationen und Kulturen ein Symbol für Leben und Wachstum. Vom Anfang an war sie auch das Symbol der Sparkassen. Bis zum heutigen Tag sieht man die Biene auf Sparkassen-Gebäuden in Zentraleuropa. Auf dem Gebäude der Erste Bank am Graben 21 in Wien kann man sie immer noch am Dachgiebel sehen, genauso wie am
Erste Campus.

Die beiden Bienenvölker umfassen im Sommer je rund 40.000 Bienen. Die Pflege der Bienenstöcke haben Imkerin Heidrun Singer und Imker Friedrich Haselsteiner übernommen, die langjährige Erfahrung in der Bienenzucht und -pflege haben. „Entgegen der weitläufigen Meinung ist die Stadt als Lebensraum für Bienen sehr gut geeignet. Das Trachtangebot ist in Wien standortabhängig äußerst vielfältig – beginnend mit den Ahornblüten über Robinien, Rosskastanien, Bienenbaum und Linde bis zu den Blühbepflanzungen der Parkanlagen. Oft finden die Bienen noch zu Allerheiligen nektarspendende Grabbepflanzungen. So ist fast ganzjährig für ein Nektar-Nahrungsangebot gesorgt“, erklärt Imkerin Heidrun Singer, und weiter: „Die Gefahr der einseitigen Ernährung, wie sie in Monokulturgebieten gegeben ist, entfällt und auch Bedrohungen durch Spritzschäden sind in der Stadt gleich null. Diese Ganzjahresvielfältigkeit finden wir auch im Honig wieder, denn Honig ist stets ein Spiegel seines Umfeldes und lässt die Einzigartigkeit seiner Herkunft wiederschmecken.“ Ideal ist ein Flugradius von etwa 500 Metern für die Nektarsuche, damit sich der Eintrag lohnt. Bei möglichen Flugdistanzen bis zu drei Kilometer vom Bienenstock entfernt wird das gesamte Sammelgut für die Rückflug-Energie benötigt.

Familie Woerle
Die Imkerin Heidrun Singer und der Imker Friedrich
Haselsteiner betreuen die Bienen auf dem Dach
des Erste Campus.
Foto: Haselsteiner/Singer

FRIEDFERTIGE BIENEN

Bei Bienenstöcken im Stadtgebiet ist auch die Sicherheit der Menschen zu beachten. Bienen müssen sich gegen ihre natürlichen Feinde verteidigen, dazu gehört manchmal auch der Mensch, aber es darf nicht sein, dass man beim Vorbeigehen schon angegriffen wird. Das gilt auch bei den Bienenstöcken der Erste Bank. „Was Bienen im Nahbereich von Menschen betrifft, ist man jedoch auf Dächern sehr sicher. Grundsätzlich achten wir aber sehr auf die Sanftmut der Bienen. Hier bestimmt die Königin den Charakter eines Bienenvolkes. Auf dem Dach des Headquarters der Erste Group sind Honigbienen der Rasse Carnica beheimatet, die als sehr sanft gilt“, so die Imkerin. In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Rasse Carnica (Apis mellifera carnica) durch Zucht und Selektion zu einer friedfertigen und fleißigen Biene, deren Honigleistung sehr hoch ist. Was auch damit zusammenhängt, dass sie größere Völker bildet. In Österreich ist die Carnica-Biene derzeit die am häufigsten gezüchtete und am stärksten verbreitete Biene.

HEISSE SOMMER KEINE GEFAHR

Da die Carnica-Biene vom südöstlichen Alpenklima geprägt wurde, kommt sie mit heißen Sommern und kalten Wintern gut zurecht. Auch die extreme Sommerhitze auf dem Dach macht Bienen nicht wirklich etwas aus, denn sie verfügen über ein ausgeklügeltes Kühlsystem. Die Temperatur in einem Bienenstock liegt idealerweise zwischen 35 und 36 Grad. Die Aufrechterhaltung dieser Temperatur innerhalb des Stocks ist für die Bienen in den Frühlings- und Sommermonaten überlebenswichtig, denn in dieser Zeit entwickelt sich der Nachwuchs und schlüpft aus den Eiern. Steigt die Temperatur in den heißen Sommermonaten im Bienenstock an, verteilen sich die Arbeiterinnen vor dem Eingang des Nestes und verwenden ihre Flügel dazu, die warme Luft aus dem Stock zu fächeln. Dabei können bis zu 7.200 Flügelschwingungen pro Minute erreicht werden. Sinkt im Winter die Temperatur im Bienenstock unter 20 Grad, sammeln sich die Arbeiterbienen um die Brut und erzeugen durch eine Vibration der Muskulatur Körperwärme.

Im Winter benötigen die Bienen auf dem Dach des Erste Campus keine Pflege, nach der Einwinterung im November werden die beiden Bienenvölker bis zum Frühling in Ruhe gelassen. „Da der Frühling heuer vom Wetter her eine Katastrophe war, mussten wir die Bienen ausnahmsweise mit Zuckerwasser füttern, denn sie haben bis April nichts gefunden. Die Bienen überwintern in einer Stärke von 15.000 bis 20.000 und wachsen bis zum Sommer rasch auf bis zu 70.000 bis 80.000 Bienen an. Eine Sommerbiene lebt etwa sechs Wochen, während die Winterbienen rund sechs Monate leben. Bei der Pflege der Bienen von Frühling bis Herbst gilt: Weniger ist mehr. Wenn alle Umstände ideal sind und man den Bienen ausreichend Platz gibt, indem man das Haus vergrößert und Magazine aufsetzt, reicht es, alle drei Wochen einmal Nachschau zu halten“, so Singer.

ERTRAGREICHE HONIGERNTE

Die Ernte des Erste-Campus-Honigs erfolgt einmalig nach Haupt-Trachtende, also Ende Juli/Anfang August. Das hat den Vorteil, dass die Bienen in Schlechtwetterphasen ihren eigenen Honig aufnehmen können. Sie sind dadurch besser ernährt, gesünder und widerstandsfähiger. Ein weiterer Vorteil ist, dass nur bestens ausgereifter Honig schlussendlich entnommen wird – alle Waben sind voll verdeckelt, also mit einer luftdichten Wachsschicht überzogen, und verdeckelter Honig ist praktisch unbegrenzt haltbar – und dies macht sich in einer hervorragenden Qualität bemerkbar. „Zur Feststellung der Qualität des Wiener Honigs wurden bei einem Test Honigproben gezogen und auf 300 Substanzen untersucht. Das Ergebnis war optimal. Stadthonig ist nicht pestizidbelastet und auch die Abgase der Autos im Stadtgebiet belasten den Honig nicht, denn Bienen filtern alle Schadstoffe heraus“, so Singer.

Im Sinne der Nachhaltigkeit werden bei der Ernte rund 25 bis 30 Kilogramm Honig als Winterfutter für die Bienen im Stock belassen. So können die Bienen auf ihren eigenen Vorräten überwintern. „Dies ist in Wien möglich, da Bienen bestens auf Blütenhonig überwintern können, eine problemlose Überwinterung auf Waldhonig ist aufgrund der Darmbelastung nicht möglich“, so Singer. Die durchschnittliche Ernte bei den beiden Bienenstöcken der Erste Bank, über die Jahre gerechnet, beträgt rund 120 Kilogramm, das ergibt etwa 1.000 abgefüllte Gläser. Die Honiggläser werden allerdings nicht verkauft, sondern hauptsächlich als exklusives und auch besonders nachhaltiges Geschenk an KundInnen gegeben, die dies sehr zu schätzen wissen, denn der Honig entsteht direkt am Dach des Erste Campus und ist nicht vergleichbar mit einem beliebigen Give-away, das manchmal schnell den Weg in die Mülltonne findet.

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