Sparkassen Zeitung

5 Fragen an

Fünf Fragen an Andreas Jäger

Ausgabe #3 Juli/2021 • NACHHALTIGKEIT
Sandra Wobrazek

ANDREAS JÄGER. DER METEOROLOGE, MODERATOR UND BUCHAUTOR ÜBER ZEITDRUCK BEIM KLIMASCHUTZ, SEINEN NACHHALTIGEN ALLTAG UND DIE KLIMAZUKUNFT.

1. WELCHE ROLLE SPIELT NACHHALTIGKEIT FÜR DEN KLIMASCHUTZ? 
Klimaschutz ist ohne Nachhaltigkeit nicht denkbar. Denn bei einem nachhaltigen Leben hat man Klimaschutz immer dabei. Wir sind da, wo wir sind, weil wir nicht nachhaltig leben. In unserer Wirtschaft sind nur zehn Prozent im Kreislauf – 90 Prozent hingegen gehen vorne rein und hinten raus, wofür der Verkehr das beste Beispiel ist. 

2. WAS IST DAS DRÄNGENDSTE THEMA IN SACHEN KLIMASCHUTZ?
Der Zeitdruck. Nur, wenn wir alle in unseren Bereichen was tun, wird sich etwas ändern – von den Privaten über die Wirtschaft bis zum Tourismus. Es kann nicht jeder immer nur auf den anderen schauen und mit dem Finger auf ihn zeigen. Jeder muss bei sich anfangen. 

3. LEBEN WIR IN ÖSTERREICH SCHON NACHHALTIG GENUG? 
Wir haben viel zu wenig Nachhaltigkeit und sind weit weg von einem nachhaltigen Lebensstil. Wir glauben in Österreich, dass wir beim Klimaschutz gut drauf sind, aber es gibt noch viel Potenzial, um Sachen besser zu machen. Jeder Einzelne emittiert in Österreich jährlich zehn bis zwölf Tonnen CO2, darunter sind zwei Tonnen, die systemimmanent sind. Deshalb muss nicht nur der Einzelne sich ändern, das ganze System muss es tun, denn es fehlen immer noch die Rahmenbedingungen. Ich glaube, dass man die Menschen über Steuern, etwa höhere Steuern auf große Autos, zu mehr nachhaltigem Handeln bewegen kann. Die Luxussteuer ist eine gute Idee, aber wir müssten schon längst eine CO2-Steuer haben. 

4. WIE LEBEN SIE NACHHALTIGKEIT IM ALLTAG?
Mir ist wichtig, dass ich sehr viel öffentlich und wenig mit dem Auto fahre. Ich habe schon seit Jahren das Jahresticket der ÖBB und warte sehnsüchtig auf das 1-2-3-Ticket. Mit der Fortbewegung kann man viel zu Nachhaltigkeit beitragen, denn der Verkehr ist in Österreich die Achillesferse – er ist das Einzige, wo wir unsere Emissionen massiv gesteigert haben. Auch bei der Ernährung ist mir wichtig, nachhaltig zu leben. Wenn wir unseren Fleischkonsum nur halbieren würden, müsste irgendwann nicht mehr Soja, für das Urwälder gerodet werden müssen, als Futtermittel für unsere Kühe verwendet werden.

5. IST IHR BLICK IN DIE KLIMAZUKUNFT PESSIMISTISCH ODER HOFFNUNGSVOLL?
Ich bin hoffnungsvoll und glaube, dass Systeme schneller kippen können, als man glaubt. Bei den E-Autos etwa werden die Preise über die Masse runtergehen – und dann wird es plötzlich cooler sein, ein E-Auto zu fahren als eines mit Verbrennungsmotor.

INFO: Der diplomierte Meteorologe startete seine mediale Karriere 1995 beim ORF-Vorabendmagazin „Willkommen Österreich“. Von 1997 bis 2003 war Andreas Jäger Ö3-Wetteranchorman und moderiert seit 2017 die ORF-III-Sendung „Berggespräche“. Sein neues Buch „Die Alpen im Fieber“ (Verlag Bergwelten) erscheint im Oktober. 
www.andreasjaeger.at

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