Sparkassen Zeitung

Werte

Es tut gut zu süoren, dass das,w as in den Statuten mit schönen Worten definiert ist, wirklich gelebt wird.

Ausgabe # April /2022 • VISION FÜR UNSERE ZUKUNFT
Herta Scheidinger

FRANZ PORTISCH, GENERALSEKRETÄR DES ÖSTERREICHISCHEN SPARKASSENVERBANDES, IM GESPRÄCH ÜBER GESELLSCHAFTLICHE VERANTWORTUNG UND AKTUELLE HILFSPROJEKTE.

Herr Portisch, die Stiftungen spielen als Eigentümerinnen eine ganz besondere Rolle bei den Sparkassen. Wie kam es zu dieser Eigentümerstruktur?

Franz Portisch: Die ursprüngliche Konzeption der Sparkasse ist eine eigentümerlose Gesellschaft. Aus der Historie heraus, auch um Sparkassen ein breiteres Wachstum zu ermöglichen, wurde 1986 die Möglichkeit geschaffen, dass Sparkassen ihren Bankbetrieb in eine Aktiengesellschaft einbringen. So entstand die sogenannte Anteilsverwaltungssparkasse. Bei einer Novelle gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wurde die Möglichkeit geschaffen, diese Anteilsverwaltungssparkassen in Sparkassenstiftungen umzuwandeln. Derzeit haben wir mit 35 Sparkassenstiftungen und acht Anteilsverwaltungssparkassen noch beide Formen in der Gruppe.

Was ist das Besondere daran?

Portisch: Mit der Stiftung oder Anteilsverwaltungssparkasse ist eine regional verankerte gemeinnützige Institution Eigentümerin, die den überwiegenden Teil ihrer Erträge aus den Dividenden für gemeinnützige Zwecke in der Region verwendet. So steht bei der operativen Sparkasse die Versorgung der Bevölkerung mit den erforderlichen Bankdienstleistungen im Fokus, bei der Stiftungs- und Anteilsverwaltung der Sparkasse die Förderung der Region mit gemeinnützigen Tätigkeiten, aber auch die Unterstützung ihrer operativen Sparkasse. Das ist das große Alleinstellungsmerkmal der Gruppe, das man sonst in keiner anderen Struktur von Banken – weder bei den Privatbanken noch bei den Genossenschaften – findet. Schon vor mehr als 200 Jahren wurde das in den Gründungsschriften der jeweiligen Sparkasse verankert. Die Gemeinwohlorientierung der Sparkassen kommt der ganzen Region zu Gute und darauf sind wir stolz.

Die Gemeinwohlprojekte waren immer auf die Lösung von wichtigen gesellschaftlichen Problemen ausgerichtet, die nach außen hin aber meist nicht sehr plakativ waren.

Portisch: Wir definieren uns als Sparkassengruppe über die gesellschaftliche Verantwortung, die wir haben und leben. Ein gutes Beispiel ist die Kooperation mit dem Dachverband Hospiz mit vielen ehrenamtlich Tätigen, die wir seit 15 Jahren fördern. Wir blenden gerne aus, dass wir alle älter werden, wodurch der Pflegebedarf steigt, vor allem im letzten Stadium in der Hospizbetreuung und im Palliativbereich. Wir wissen, dass wir hier extrem abhängig sind von pflegenden Personen und Institutionen wie dem Dachverband Hospiz, um den Menschen ein würdiges Sterben ermöglichen zu können. Das ist in der ganzen Sparkassengruppe ein extrem wichtiges Anliegen.

Ein weiteres langjähriges Projekt ist die Schülerliga. Was steht hier im Fokus?

Portisch: Wir sind sehr froh, seit mehr als 40 Jahren ein kontinuierlicher Partner der Schülerliga zu sein. Es beteiligen sich mehr als 1.000 Schulen daran und jedes Jahr machen tausende Jugendliche und Kinder mit. Sie bekommen so die Möglichkeit den Wettbewerb im Sport kennenzulernen. Damit wird aber auch der Sinn für Gemeinschaft und Teamgeist gefördert. Es herrscht ein riesengroßer Feuereifer bei den Teilnehmern, da ist aber auch Schmerz und Trauer bei denen, die im Laufe des Wettbewerbs verlieren. Es ist wichtig zu erleben, dass man im Kollektiv erfolgreich ist, sich aber im Kollektiv auch gegenseitig stützen muss, wenn es einmal nicht so läuft.

Gibt es jetzt mit den Hilfsaktionen für die Ukraine neue wichtige Aufgaben?

Portisch: Wir haben in der letzten großen Flüchtlingskrise schon Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln können. Mit dem Erste Campus sind wir nur wenige Meter vom Hauptbahnhof entfernt, wo viele Flüchtlinge ankommen. Die Erstversorgung wird natürlich professionell von den Hilfsorganisationen gemacht, und ich habe größte Hochachtung für deren Einsatz. Wir sind sehr froh, dass wir die Hilfsorganisationen bei ihrer Arbeit unterstützen können, indem wir den Geflüchteten tagsüber Aufenthaltsräume und Verpflegung zur Verfügung stellen, wir räumliche Möglichkeiten zur Verfügung stellen können, und mit der Möglichkeit von Verpflegung die Hilfsorganisationen unterstützen. Wir wollen den Menschen, die dieses Schicksal erleiden müssen, ein wenig Hilfestellung und menschliche Wärme geben. Es tut gut zu spüren, dass das, was in den Statuten mit schönen Worten definiert ist, hier wirklich gelebt wird.

Wie können Sie hier noch unterstützen?

Portisch: Wir unterstützen auch zielgerichtet mit unseren Kontakten, die wir aus der Erste Stiftung heraus zu den diversen NGOs haben, die direkt vor Ort tätig sind. Denn an den Grenzen der Ukraine zu Rumänien, zu Ungarn und zur Slowakei ist das Leid riesengroß. Der Bedarf ist sehr hoch und ich fürchte, er wird in nächster Zeit nicht geringer werden. Da müssen wir einen längeren Atem haben, um diese Dinge entsprechend aufrechterhalten zu können. Je nachdem, wie die Situation sich entwickelt, brauchen die Menschen dauerhaft ein Dach über dem Kopf. Die Familien werden noch lange Zeit nicht zurück in die Ukraine können, wenn man das Ausmaß der Zerstörung sieht. Was wir im Moment tun können, ist die klassische Ersthilfe zu leisten, aber da kommt noch einiges an Herausforderungen auf die Betroffenen, aber auch auf uns zu.

Wer entscheidet in der Sparkassengruppe, welche Hilfestellungen wann und wie geleistet werden?

Portisch: Um beim Beispiel der Ukraine zu bleiben, hier haben wir unmittelbar nach Ausbruch des Krieges ein Ukraine-2022-Coordination-Team am Campus eingerichtet, in dem alle Aspekte der Hilfe abgedeckt sind. Im sozialen Bereich ist vor allem die Erste Stiftung dabei, ich wiederum vertrete die Sparkassengruppe. Es sind aber auch Vertreter im Team, die sich mit den Themen für die Filialen auseinandersetzen, die koordinieren, was zu tun ist, wenn die Menschen in die Filialen kommen, um ein Konto zu eröffnen. Wir haben derzeit zwei Mal in der Woche einen Jour fixe, wo diese Aspekte behandelt und abgefragt werden. Ein großes Thema war das Geldwechseln der ukrainischen Währung in Euro. Wir haben das in der Gruppe bis zu einem Gegenwert von 300 Euro pro Person gemacht. Hier muss man seitens der EZB und der Europäischen Kommission dringend zu einer Lösung kommen. Die Leute wollen ja nichts geschenkt bekommen, sie wollen ihr Geld wechseln, um auch eigenständig etwas kaufen zu können. Das ist wichtig und bringt ein kleines Stück Normalität.

Sie sind mit den Projekten immer am Puls der Zeit und greifen akute Probleme auf.

Portisch: Ja, das ist uns besonders wichtig. Wir setzen jetzt auch einen Schwerpunkt zum Thema Pflege, weil wir es als Beitrag zur gesellschaftlichen Verantwortung sehen. Wir haben ein ganz neues Projekt, das sich Alles Clara nennt. Die Pflege findet hauptsächlich zu Hause in der Familie statt. Die pflegenden Angehörigen fühlen sich oft alleingelassen und werden mit Themen konfrontiert, bei denen sie Unterstützung brauchen. Es geht meist darum, schnell eine Antwort auf gewisse Fragen zu bekommen. Darum wird sich Alles Clara mit entsprechenden Partnerorganisationen kümmern. Wir werden dieses Projekt zuerst in einem Pilotprojekt in der Sparkassengruppe umsetzen. Das ist eine ganz wichtige Initiative, bei der wir mit aktuellen Mitteln wie einer App Hilfestellungen geben, denn die Hilfe muss möglichst rasch, einfach und ohne Hürden erfolgen. Ich bin gespannt, welche Dynamik wir damit in das Thema bringen können. Hier werden die Kompetenzen in einem intensiven Austausch zusammengeführt, um etwas Wichtiges für die Gesellschaft entwickeln zu können.

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