Sparkassen Zeitung

Werte

Eigener Chef mit dem Mikrokredit

Ausgabe #4/2016 • Open for Business
Christian Hromatka

Mario Lazzer in seinem Restaurant „Marco Polo“ am gleichnamigen Golfplatz in Floridsdorf

Alptraum und Traum liegen manchmal nah beieinander: Nachdem Mario Lazzer seinen Job geschmissen hatte und sich selbständig machen wollte, war er zunächst ein Jahr arbeitslos. Ein eigenes Lokal war sein Traum, doch die Suche nach einem geeigneten Objekt dauerte. Und auch Konzept und Businessplan mussten her. Das alles kostet Zeit und Geld. Die Lösung brachte ein Mikrokredit, eine Finanzierungsmöglichkeit, die den Schritt in die Selbständigkeit erleichtern soll – auch ohne Eigenkapital und Sicherheiten.

„Der Schauen-wir-mal-ob-das-was-wird-Typ bin ich nicht“, erzählt Mario Lazzer, Mikrokreditnehmer der ersten Stunde. „Ich hab das ganze x-mal durchkalkuliert um sicher zu sein, dass es sich auszahlt.“ Der erfahrene Gastronom – Lazzer war bis 2007 Geschäftsführer eines großen Lokals – kratzte sein letztes Erspartes zusammen und suchte einen Partner für sein Vorhaben. Das Kapital für das Abenteuer „eigenes Restaurant“ hätte aber bei weitem nicht gereicht und mit einem Bankkredit wäre es nach einem Jahr Arbeitslosigkeit schwierig geworden. „Da waren wir in einem Kurs beim AMS, und sie haben uns von der Möglichkeit eines Mikrokredits erzählt“, erinnert sich der 42-Jährige an die Anfangsphase seiner geplanten Selbständigkeit. Pro Person konnte man damals für ein gutes Projekt maximal 12.500 Euro zu einem fairen Fixzinssatz bekommen. Lazzer und sein Kompagnon machten sich sofort daran, alle erforderlichen Unterlagen zu erarbeiten, erstellten nächtelang Finanz- und Businessplan und feilten an ihrem Konzept. Mit Erfolg.

STARTHILFE IN SCHWIERIGEN PHASEN
Der Mikrokredit ist ein Instrument für Menschen, die arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Üblicherweise ist es in so einer Phase schwierig, auf regulärem Weg einen Bankkredit zu bekommen. Daher entstand vor rund sechs Jahren die Idee des Mikrokredits in Österreich. Erste Bank und Sparkassen vergeben diese Mikrokredite gemeinsam mit dem Sozialministerium. Wer sich in einer solchen Lebensphase befindet und eine wirtschaftlich tragfähige Idee hat, kann sich auf www.dermikrokredit.at mit seinem Konzept für eine derartige Finanzierung bewerben. Bisher wurden etwa 540 Mikrokredite mit einem Volumen von rund 6,2 Millionen Euro gewährt. „Daran sieht man, wieviel man mit dieser Initiative erreichen kann. Einer Vielzahl von Gründerinnen und Gründern konnte auf diese Art der Weg in eine erfolgreiche unternehmerische Zukunft geebnet werden“, sagt Thomas Uher, Vorstandsvorsitzender der Erste Bank Oesterreich. Im Rahmen der aktuellen Mikrokreditoffensive stehen fünf Millionen Euro zur Verfügung, die durch eine Garantie des Europäischen Investmentfonds gewährt werden können. Ziel der Mikrokreditaktion ist es, Hindernisse für die Gründung aus dem Weg zu räumen und somit einen beruflichen Neuanfang zu ermöglichen. „Der Mikrokredit bietet diesen Personen eine Finanzierung ohne Eigenkapital und ermöglicht ihnen die Neugründung, Übernahme oder Erweiterung eines Kleinunternehmens und somit eine Existenzgründung“, erklärt Sozialminister Alois Stöger.

Lazzer und sein Partner haben davon profitiert. Mittlerweile haben sie elf MitarbeiterInnen und betreiben erfolgreich zwei Restaurants. „Über ein drittes verhandeln wir gerade“, sagt Lazzer stolz. Die Zusage über Mikrokredite für ihn und seinen Partner in Höhe von 25.000 Euro war der Durchbruch, damit war ihr Konzept endgültig finanzierbar. Die Anfangsinvestitionen ins Lokal waren möglich – ein neues Kassensystem musste angeschafft, die Terrasse erneuert und ein Ersteinkauf getätigt werden. „Das darf man nicht unterschätzen. Die Grundausstattung fürs Kochen, die ersten Paletten an Getränken – das geht ganz schön ins Geld“, erinnert sich der mittlerweile erfolgreiche Mikrokreditnehmer. Das gesamte erste Jahr war dennoch schwierig und kostete viel Schweiß. Zwölf bis vierzehn Stunden Arbeit täglich, und an so manchem Monatsersten konnte er sich nicht einmal ein Gehalt auszahlen. Die Schufterei hat sich aber gelohnt. Mittlerweile blickt Lazzer gelassen auf seine Anfangszeit zurück. Was er als sehr hilfreich in Erinnerung behält, ist das Expertenfeedback auf sein Gastrokonzept samt Business- und Finanzplan: Jede Bewerbung wird von externen BeraterInnen dahingehend geprüft, ob das Konzept durchdacht ist und eine gute Chance besteht, dass der Kredit zurückgezahlt werden kann.

„Das war ziemlich erleichternd und gab uns auch die Sicherheit, dass wir uns nicht irgendwo verrannt haben.“ Für Lazzer und seinen Partner war der Mikrokredit eine Chance etwas zu machen, das sonst schwer bis gar nicht finanzierbar gewesen wäre. Betrachtet man den volkswirtschaftlichen Effekt, wird schnell klar, welches Potenzial dieses Programm hat. Jeder und jede Einzelne, der oder die aus der Arbeitslosigkeit mit einer guten Idee zum Unternehmer, zur Unternehmerin wird, ist ein Arbeitsloser, eine Arbeitslose weniger, der oder die irgendwann vielleicht sogar ein oder zwei MitarbeiterInnen beschäftigt, Steuern bezahlt und einen der vielen Klein- und Mittelbetriebe in Österreich leitet, die für die heimische Wirtschaft so notwendig sind. Mario Lazzer hat es geschafft, mit Ehrgeiz, Herzblut und einem Mikrokredit. Und er ist nach fast sechs Jahren motivierter denn je, an seinem Projekt mit voller Kraft weiterzuarbeiten. Ideen für weitere Projekte gibt es schon.

SO FUNKLTIONIERT DER MIKROKREDIT
Ein Mikrokredit kann über die Webseite www.dermikrokredit.at beantragt werden. Die maximale Höhe beträgt 12.500 Euro pro Person. Eine externe Beraterkommission prüft die eingereichten Projekte daraufhin, ob es sich um eine realistische Gründungsidee handelt. Nach positiver Rückmeldung erfolgt die Abwicklung und Kreditauszahlung über die Gründercenter von Erste Bank und Sparkassen. Für Wien, Niederösterreich und das Burgenland übernimmt das die Erste Bank. In den übrigen Bundesländern nehmen folgende Sparkassen an der Mikrokreditaktion teil: Steiermärkische Sparkasse, Kärntner Sparkasse, Tiroler Sparkasse, Dornbirner Sparkasse, Salzburger Sparkasse und Sparkasse Oberösterreich.

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