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Bestseller Bargeld: Die Große Liebe der ÖsterreicherInnen

Bei der NFC-Funktion werden die Potenziale gravierend sichtbar. Nur 8 Prozent der Befragten bezahlen mehrmals in der Woche kontaktlos, weitere 8 Prozent mindestens einmal in der Woche. Etwa 25 Prozent nutzen diese Möglichkeit seltener und mehr als ei

„Nur Bares ist Wahres“. Dieser alte Kaufmannsspruch scheint in Österreich nur langsam seine Bedeutung zu verlieren: Der Barkauf dominiert weiterhin die Bezahlstruktur der privaten Haushalte. Während etwa in Skandinavien die Barzahlung gezielt eingedämmt wird, bleibt hierzulande das Bargeld der KonsumentInnen Präferenz.

Es ist noch gar nicht lange her: Zu Jahresbeginn 2016 entbrannte eine heftige Diskussion über die mögliche Abschaffung nennenswerter Barzahlungen in der EU. Der publizistische Boulevard sowie ÖVP und Teile der Opposition stiegen auf die Barrikaden und die Politik beeilte sich bald, den ÖsterreicherInnen die Ängste zu nehmen. Der Finanzminister ist dagegen. Staatssekretär Harald Mahrer wurde deutlich: „Die Einschränkung der Bargeldzahlung hat in Europa mittlerweile Methode. Daher braucht das Recht auf Bargeld eine Verankerung in der Verfassung.“

Auslöser für die Bargeldsorgen waren unter anderem die Finanzminister von Deutschland und Frankreich, die den Cash-Fluss einschränken wollen, um so besser gegen Terrorismus und Kriminalität vorgehen zu können. John Cryan, Chef der Deutschen Bank, meinte beim World Economic Forum in Davos, in zehn Jahren werde es kein Bargeld mehr geben. Sein Hauptargument: Bargeld spiele eine Schlüsselrolle bei illegalen Geschäften.

30 MILLIARDEN BARGELD SIND IN ÖSTERREICH IM UMLAUF
Das wollen die ÖsterreicherInnen so nicht auf sich sitzen lassen. ExpertInnen schätzen den Bargeldumlauf hierzulande auf knapp 30 Milliarden Euro. Österreich gilt mittlerweile als Fixstarter unter jenen Ländern, die sich gegen Bargeldbeschränkungen, in welcher Form auch immer, stemmen. In Schweden hingegen – so hat die Technische Hochschule in Stockholm ermittelt – werden bereits 80 Prozent der Zahlvorgänge elektronisch vorgenommen.

An Möglichkeiten für bargeldloses Zahlen mangelt es den ÖsterreicherInnenn jedoch keineswegs. Mehr als 9 Millionen Karten, mit denen man bargeldlos bezahlen kann, sind vorhanden. Davon immerhin 3,3 Millionen klassische Kreditkarten. Die Nutzung der Kreditkarte ist deutlich ansteigend: Laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) kam es im Vorjahr zu 129 Millionen Zahlungen, etwa um 10 Prozent mehr als ein Jahr davor. Aber auch die Bargeldbehebungen mit Kreditkarten werden beliebter. 2015 waren es 4,3 Millionen solcher Transaktionen, fast das Doppelte des Jahres 2013. Doch es fällt auf, dass das Transaktionsvolumen im Kreditkartenbereich, also die Höhe der Beträge insgesamt, nicht so dynamisch wächst. Im Vorjahr waren es etwa 12 Milliarden Euro, rund 4 Prozent mehr als 2014, die über die Bezahlung „mit Karte“ abgewickelt wurden. Fazit: Die Nutzung der Kreditkarte wird in der Frequenz intensiver, der Betrag je Zahlvorgang ist jedoch leicht sinkend und liegt bei durchschnittlich 90 Euro. Auf Expansionskurs befindet sich hingegen das Zahlen mit der Bankomatkarte am POS.

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„DIE EINSCHRÄNKUNG DER BARGELDZ AHLUNG HAT IN
EUROPA MITTLERWEILE METHODE.“

Harald Mahrer, Staatssekretär

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93 PORZENT DER ÖSTERREICHERINNEN BESITZEN EINE BANKKARTE
Die Nationalbank weiß über das Zahlungsverhalten am besten Bescheid. Aus ihrer jüngsten „Zahlungsmittelumfrage“ geht generell hervor, dass für die bargeldlose Bezahlung noch einige Luft nach oben besteht. Immerhin 93 Prozent der ÖsterreicherInnen besitzen nach eigenen Angaben eine Zahlungskarte. Gut 30 Prozent haben eine Kreditkarte, mehr als 30 Prozent eine NFC-fähige Bankomatkarte, 18 Prozent nennen eine Kundenkarte mit Bezahlfunktion ihr Eigen, aber nur 15 Prozent nutzen dafür – auf Anfrage – Mobiltelefone und Internet. Detail am Rande: Mehr als 85 Prozent der ausgegebenen Bankomatkarten haben bereits NFC-Funktion, aber viele KonsumentInnen wissen das gar nicht.

Die Kreditkarte ist weiterhin das Instrument vor allem für einkommenskräftigere KonsumentInnen mit deutlich höherem Bildungsgrad, also ein eher „elitäres“ Phänomen, ergeben einschlägige Analysen.

Die Barvorliebe ist nach der Erhebung der OeNB nach wie vor offensichtlich: „Lebensmitteleinkäufe für den täglichen Bedarf begleichen etwa drei Viertel der Bevölkerung entweder ausschließlich oder hauptsächlich in bar“, heißt es in der Analyse. Beim größeren Wochenendeinkauf sind es noch immer 40 Prozent, die mit Scheinen und Münzen zahlen. In der Gastronomie erhöht sich diese Quote auf satte 80 Prozent. Beim Kauf von Schuhen und Bekleidung zückt man schon öfter die Karte, doch beispielsweise beim Friseur ist die Barvorliebe extrem ausgeprägt.

Bei der NFC-Funktion werden die Potenziale gravierend sichtbar. Nur 8 Prozent der Befragten bezahlen mehrmals in der Woche kontaktlos, weitere 8 Prozent mindestens einmal in der Woche. Etwa 25 Prozent nutzen diese Möglichkeit seltener und mehr als ein Drittel ist sich gar nicht sicher, ob es über diese Möglichkeit technisch überhaupt verfügt.

Ein weiterer Aspekt wird in Sachen „Barvorliebe“ noch unterschätzt, doch KonsumentenschützerInnen beginnen sich mit dem Thema zu beschäftigen: Die Nullzinspolitik der EZB führt dazu, dass quer durch Europa einige Banken bereits über Negativzinsen auf Bankguthaben nachdenken oder sie teilweise bereits – nicht jedoch in Österreich – eingeführt haben. Das wird, sollte es Schule machen, nicht wenige SparerInnen dazu bringen Geld abzuheben, um Kostenbelastungen durch Negativzinsen zu entgehen. Das wiederum würde die Barzahlung – entgegen allen Bestrebungen im Euro-Raum – neuerlich beflügeln.

 

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