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Economy

Wieviel Glück braucht man für den Erfolg?

Ausgabe #6/2017 • Glück
Herta Scheidinger

Erfolgreiches Unternehmertum hat mit Glück nichts zu tun. Oder doch?

Die Anerkennung von Glück als Erfolgsfaktor ist in Unternehmen nicht besonders ausgeprägt. UnternehmerInnen oder ManagerInnen werden nicht gerne zugeben, einfach nur Glück gehabt zu haben, wenn sie einen Erfolg einfahren. Schaut man sich den fulminanten Aufstieg eines Start-ups oder den überraschenden Erfolg eines neuen Produkts oder einer neuen Marke an, scheint das Glück doch eine große Rolle zu spielen. Aber lässt sich der Unternehmenserfolg allein auf Glück aufbauen? Die Kunst liegt wohl darin, Glücksfälle zuzulassen, zu erkennen – und dann in den Griff zu bekommen.

App zum Glück

Christoph Schnedlitz stellt mit seinem Start-up das Glück in den Mittelpunkt. Mit seiner App hiMoment will er die Menschen glücklich machen. Das Prinzip ist schnell erklärt: Mittels der App werden einem die eigenen, persönlichen Glücksmomente vor Augen geführt. Und das in Augenblicken, in denen man Aufmunterung oder eine Stärkung des Selbstbewusstseins braucht. Wie er auf die Idee zur App kam? „Ich habe mich mit dem Thema Glück beschäftigt und bemerkt, dass es nicht nur für mich gut ist, sondern auch für die Menschen in meinem Umfeld“, sagt Christoph Schnedlitz. Die Methode hinter hiMoment hat er zwei Jahre lang analog entwickelt, bevor es an die Digitalisierung ging. Er übersiedelte von Graz nach Wien, um in der Start-up-Szene Fuß zu fassen. Das Gründerteam aus drei Leuten soll nun rasch erweitert werden. Und so funktioniert’s: Man führt einen Chat mit dem bärtigen, gut gelaunten „Glücks-Guru“ hiMo. Der fragt jeden Tag: „Was ist das Beste, das dir heute passiert ist?“ Dann schickt man ihm einen Text oder ein Foto. Das ist der erste Schritt. „Diese Übung ist gut erforscht und hat einen unglaublichen Impact auf unsere Fähigkeit, die guten Dinge wahrzunehmen, denn das ist einer der Hauptunterschiede zwischen glücklichen und unglücklichen Menschen“, erklärt Schnedlitz. Im nächsten Schritt wählt hiMo zwei Glücksmomente und fragt, welcher davon einen glücklicher macht. So können sich UserInnen intensiv mit den eigenen Glücksmomenten aus der Vergangenheit verbinden. „Wir arbeiten mit der Kraft der eigenen Geschichte“, führt Schnedlitz weiter aus: „Wir haben ein algorithmisches Mikrocoaching gebaut. Das heißt, wir schaffen es Menschen in den verschiedensten Bereichen zu coachen, ohne diesen klassischen Online-Content, den man sonst bekommt, wie Motivations- oder Coachingvideos.“ Mittlerweile hat die App bereits 5.000 UserInnen, in einem Jahr sollen es 100.000 sein.

Und wieviel Glück braucht er zu seinem Erfolg? „Es gehört natürlich auch Glück dazu. Man muss erstens das Glück haben, dass man die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt trifft. Ich glaube, jeder hat diese Chancen, aber nur wenn man dafür bereit ist, kann man sie nutzen. Das ist bei uns geglückt“, so Glücks-Experte Schnedlitz.

Das Glück des Tüchtigen

Mit Hand und Herz“ ist das Motto der Vorarlberger Teppichmanufaktur TISCA. Handgewebte Teppich-Unikate aus hochwertiger Wolle werden hier individuell gefertigt. Das Unternehmen aus Thüringen lebt Nachhaltigkeit und schafft Arbeitsplätze. Jahrzehntelange Erfahrung und bewährte Techniken sind die Erfolgsgeheimnisse.

Doch das Unternehmen musste um sein Glück und seinen Fortbestand kämpfen. „Vor gut zwanzig Jahren waren wir mit wesentlichen Änderungen des Angebots- wie auch des Kaufverhaltens im Teppichmarkt konfrontiert. Das führte bei uns zu einem dramatischen Umsatzeinbruch und machte massive Anpassungen in der Organisation wie auch des Produktionsprogramms notwendig. Innovation war und ist der Schlüssel zur Wiederbelebung unseres Unternehmens“, betont Geschäftsführer Walter Aigner. „Ohne zufriedene und loyale MitarbeiterInnen wären wir nie durch die Krise gekommen. Somit tragen die MitarbeiterInnen extrem stark zu unserem Erfolg bei. Daneben zählen Offenheit für Kundenwünsche, die kontinuierliche Pflege der Produktqualität und die Neuinterpretation alter Techniken zu den wichtigen Pfeilern unseres Unternehmenserfolgs.“

Und was bedeutet Glück für ihn persönlich? „Das bewusste Wahrnehmen der Momente, die für mich im Zusammenleben mit meinen Kindern, mit Familie und Freunden besonders erscheinen“, erklärt Aigner.

Der Vergleich zum Glück

Der Milliardär Richard Branson brachte es auf den Punkt: „Wenn Sie eine glückliche Firma haben, sind Sie unbesiegbar.“ Auf ein starkes Team setzt auch das Vergleichsportal durchblicker.at. Geschäftsführer Reinhold Baudisch: „Bereits als Gründer im Zweiergespann waren wir uns einig, dass wir ein Unternehmen haben wollen, wo sich jeder willkommen fühlt, bei dem sich jeder einbringen kann und wo jeder gerne hingeht. Das zieht sich als roter Faden durch unsere mittlerweile siebenjährige Wachstumsgeschichte und ist sicher auch ein Hauptgrund dafür, dass wir heute so gut dastehen. Es erfüllt uns mit Stolz und Dankbarkeit, dass wir das heute mit mittlerweile fünfzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern täglich erleben dürfen“, bekennt Baudisch: „Glück im Sinne von Glück haben, etwa weil man zufällig zur richtigen Zeit die richtige Idee hat, ist natürlich ein wichtiger Faktor für Erfolg. Das ist aber schwer zu beeinflussen. Viel wichtiger ist meiner Meinung nach Glück im Sinn von glücklich sein, denn wer glücklich ist, überzeugt andere leichter, sieht Chancen, wo andere Risiken sehen, und ist generell motivierter. Ich glaube, dass Glück im Sinne einer tief verwurzelten inneren Zufriedenheit der Schlüssel zum Erfolg ist, die Basis für alles andere – aber natürlich längst nicht alles, was es braucht um erfolgreich zu sein.“

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