Sparkassen Zeitung

Economy

Tradition und Innovation sind kein Widerspruch

Stephan Scoppetta

Heimische Unternehmen sind sehr traditionell, aber viele Unternehmen haben die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt. Gleichzeitig wird Unternehmenswerten und Traditionen in einer globalisierten Welt ein immer höherer Stellenwert eingeräumt. 

Was vor 90 Jahren eine kleine Schlossereiwerkstatt war, ist heute ein Unternehmen mit über 888 Millionen Euro Umsatz und weltweit 7.000 MitarbeiterInnen. Trotz der großen Tradition des Unternehmens ist man nah dran an der Zukunft. Die Themen Digitalisierung und auch Innovation werden bei der Miba AG großgeschrieben. F. Peter Mitterbauer, CEO Miba AG: „Die Elektrifizierung der Antriebsstränge und die Digitalisierung sind derzeit unsere wichtigsten Zukunftsthemen. Unserer Unternehmensmission „Innovation in Motion – Technologies for a Cleaner Planet“ entsprechend produzieren wir Technologien, die Fahrzeuge effizienter, leistungsfähiger und damit umweltfreundlicher machen.“ Dabei macht man keine Unterschiede, ob es sich um traditionelle Antriebssysteme wie Verbrennungskraftmotoren, Hybrid- oder rein batterieelektrische Antriebssysteme handelt. Im Unternehmen werden schon seit Jahren die Chancen der Digitalisierung genutzt. Mitterbauer: „Das sowohl in internen Prozessen als auch als Chance für den Aufbau von neuen digitalen Produkten und Dienstleistungen für unsere Kunden.“ Miba ist ein Unternehmen, das eine lange Tradition aufweist, aber gleichzeitig immer am Puls von Innovationen war. 120 Millionen Euro investierte das Unternehmen in Forschung und Entwicklung. Damit lag die Forschungsquote im vergangenen Geschäftsjahr bei 4,5 Prozent – ein vergleichsweise hoher Wert. Und dabei soll es auch in Zukunft bleiben. 48 neue Patente sind zuletzt angemeldet worden. „Ein Rekordwert“, betont Konzernchef Mitterbauer. Es zeigt sich bei der Miba AG, aber auch bei vielen anderen heimischen Unternehmen, dass Tradition und Innovation kein Widerspruch sein müssen.

COMEBACK DER REGIONALITÄT

Knapp mehr als die Hälfte der heimischen Betriebe – ausgenommen Ein-Personen-Unternehmen – sind Familienunternehmen. Trotz ihres oft konservativen, risikoscheuen und beharrlichen Charakters haben Familienunternehmen in einer globalisierten Wirtschaft Erfolg. Laut Stefan Märk, Professor für Betriebswirtschaft, KMU-Management und Entrepreneurship an der Fachhochschule Salzburg, und Mario Situm, Professor für Unternehmensstrukturierung an der FH Kufstein, gibt es einen Trend zurück ins Regionale. „Familienunternehmen haben heute auch deshalb Strahlkraft, weil sie echt sind, den Mitarbeitern Werte vermitteln, die man selbst gerne in der Familie hat: Wärme und sozialen Zusammenhalt“, sagt Märk. Gerade bei der jungen Generation sei das begehrt. Bei Familienunternehmen habe man einen gesicherten Arbeitsplatz und ein geregeltes Einkommen, so Situm. Aber gerade der aktuelle Wandel sei eine der größten Herausforderungen für Familienbetriebe. Die Familien seien meist so im Unternehmen verhaftet, dass sie nötige Veränderungen übersehe; Wünsche könnten oft nicht ausgesprochen werden und klare Strategien, um flexibel zu reagieren, fehlten. Aber Märk sieht für Familienunternehmen auch ein großes Potenzial: „Sie haben die nötige Struktur für schnelle Lösungen, denn selbst beim Abendessen wird der Esstisch zum Schreibtisch.“

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"Unserer Unternehmensmission
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Innovation in Motion - technologies for
a cleaner planet -' entsprechend
produzieren wir Technologien,
die Fahrzeuge effizienter und
umweltfreunlidchner machen."

F. Peter Mitterbauer, CEO Miba AG

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KEINE ZEIT ZUM AUSRUHEN

Auch wenn wir in Österreich über 100 Weltmarktführer haben und das eine oder andere Start-up weltweit von sich reden gemacht hat, sind wir doch weit weg von der Spitze. Laut einer aktuellen Standort-Studie der Beratungsfirma Deloitte, „Radar 2018“, droht uns ein Abrutschen. „Das ist brandgefährlich“, warnt Bernhard Gröhs, Deloitte-Chef in Österreich, „wenn wir so weitermachen wie zuletzt, wird es uns in fünf Jahren schlechter gehen.“ Ihm zufolge bedarf es dringend einer Trendumkehr, in der vergangenen Dekade sei das Land bereits aus dem Spitzenfeld Europas ins Mittelmaß abgerutscht. Den Hebel gelte es bei der Kostenseite, allen voran den Lohnnebenkosten, anzusetzen, wo Gröhs das größte Potenzial für Verbesserung ortet. Handlungsbedarf sieht Gröhs auch im Bereich Innovation und Digitalisierung, wo sich das Land ausgehend von hohem Niveau weiterentwickeln sollte: „Das ist die Chance für einen hochentwickelten Standort. Da müssen wir ins absolute Spitzenfeld kommen.“

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"Wir müssen uns mittlerweile stetig
neu erfinden, um mit dem digitalen
Wandel Schritt halten zu können."

Gerhard Fabisch, Präsident des Sparkassenverbandes

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STARK VERWURZELT UND IMMER UP TO DATE

Die Digitalisierung und ein immer härterer Wettbewerb sind auch für Banken eine riesige Herausforderung. Gerhard Fabisch, Präsident des Sparkassenverbandes: „Wir müssen uns mittlerweile stetig neu erfinden, um mit dem digitalen Wandel Schritt halten zu können.“ Mit dem hochmodernen Banking „George“ ist es der Erste Bank und Sparkassengruppe gelungen, hier neue Maßstäbe zu setzen. Mittlerweile nutzen über zwei Millionen KundInnen im Inund Ausland George, und das zeigt, dass dieser innovative und vielseitige Ansatz bei der Klientel gut ankommt. Geldanlage soll auch Spaß machen, und mit dem neuen Onlinebanking der Erste Bank und Sparkassen ist das wirklich gelungen. Aber letztendlich sind es doch traditionelle Werte, die zählen. Erste Bank und Sparkassen können auf eine fast 200-jährige Tradition zurückblicken, aber auch darauf aufbauen. Fabisch: „Was im Bankwesen schon immer gezählt hat, ist das Vertrauen zwischen der Bank und ihren Kundinnen und Kunden. Wir brauchen natürlich auch die digitale Welt, aber vor einer größeren Finanzierung oder Geldanlage lässt man sich doch noch immer persönlich beraten. Besonders regionale Verankerung und Nähe sprechen auch in Zeiten der Globalisierung für uns.“

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