Sparkassen Zeitung

Economy

Frauen die an sich glauben

Ausgabe #1/2020 • Female Edition
Herta Scheidinger

WENN FRAUEN EIN UNTERNEHMEN GRÜNDEN, NEHMEN SIE WENIGER RISIKO, DIE UNTERNEHMEN HABEN LÄNGEREN BESTAND UND SIND ERTRAGREICHER.

Der Trend zur Selbstständigkeit ist in Österreich ungebrochen, das beweist auch ein Blick auf die aktuellen Zahlen: 2019 wurden hierzulande 32.386 Unternehmen gegründet. Besonders erfreulich: Vor allem bei Frauen zeigt sich ein deutlicher Aufwärtstrend. Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank: „In den vergangenen 15 Jahren haben die Frauen bei den Unternehmensgründungen um 15 Prozentpunkte aufgeholt und heute haben wir ein fast ausgeglichenes Geschlechterverhältnis. Auffallend ist, dass Frauen später gründen, weniger Risiko eingehen, aber die von ihnen gegründeten Unternehmen länger Bestand haben und ertragreicher sind.“

GRÜNDE FÜR EINE SELBSTSTÄNDIGKEIT

Laut einer aktuellen Befragung von IMAS im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen unterscheiden sich die Motive der Geschlechter eine Firma zu gründen. „Zwar stehen die Themen Selbstbestimmung und höherer Verdienst sowohl bei Männern mit 45 Prozent als auch bei Frauen mit 31 Prozent im Vordergrund, aber Frauen denken das Thema Familie gleich mit“, so Karin Kiedler, Leiterin der Marktforschung der Erste Bank. Während für nur 13 Prozent der Männer Flexibilität und bessere Vereinbarkeit mit der Familie ein starkes Motiv ist, so sind es bei Frauen 23 Prozent. Auch beim Anlass für eine Unternehmensgründung zeigt sich, dass das Thema Familie und Kinder nach wie vor eher an den Frauen hängt: 23 Prozent der weiblichen Befragten gaben an, aus familiären Gründen ein Unternehmen auf die Beine gestellt zu haben, aber nur für 15 Prozent der Männer war das ein Anlass. Interessant ist, dass beide Geschlechter die behördlichen Hürden bei der Gründung als Herausforderung empfinden, aber Männer auch noch die finanziellen Voraussetzungen (31 Prozent) deutlich problematischer einschätzen als Frauen (21 Prozent). 15 Prozent der Frauen sehen das fachliche Know-how als Hürde (Männer: 9 Prozent).

FRAUEN BEI FINANZIERUNG ZURÜCKHALTENDER

Weibliche Gründerinnen planen nur halb so viele Finanzierungen ein wie ihre männlichen Kollegen. Meist auch deshalb, weil sie kleinere Unternehmen gründen. Schaufler: „Interessant ist aber das Faktum, dass letztendlich 29 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen eine Finanzierung haben. Daran sieht man, dass es nach der Gründung bei diesem Thema kaum einen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt.“ Den Unterschied macht jedoch die Finanzierungshöhe. Während Frauen im Schnitt nur ein Volumen von 29.861 Euro an Fremdkapital benötigen, so sind es beim männlichen Pendant 53.008 Euro. Nicht zuletzt resultiert dieser hohe Unterschied aus den unterschiedlichen Branchenschwerpunkten: Frauen sind deutlich stärker im Bereich Gewerbe und Handel vertreten, Männer vermehrt im kostenintensiven IT-Sektor. Als Aufgabe an seine Branche sieht Schaufler den Ausbau der Anschlussfinanzierungen. „Damit die Gründerinnen dann nicht nach Berlin ausweichen müssen“, so Schaufler.

ERSTE BANK GRÜNDERINNEN-OFFENSIVE

„Wir finanzieren pro Tag rund sechs Neugründungen in Österreich und täglich werden es mehr Frauen, die unsere Unterstützung suchen“, freut sich Schaufler. Das GründerCenter begleitet Jungunternehmerinnen in der Start- und Wachstumsphase in den Bereichen Gründung, Finanzierung sowie Förderung und steht bei allen anderen Bankthemen mit Rat und Tat zur Seite. „Zudem ist das GründerCenter eine Schnittstelle zu öffentlichen und privaten Förderstellen, Geldgeberinnen sowie externen Beraterinnen. Auch pflegen wir zahlreiche Kooperationen mit diversen Schulen, Fachhochschulen und Universitäten, denn dort finden heute viele Innovationen und Weiterentwicklungen statt.“ Das steigende Interesse von Frauen an Neugründungen zeigte sich auch 2019 bei i2b – Österreichs größte Businessplan Initiative. Wurden 2019 beachtliche 1.261 Businesspläne eingereicht, so stammten 47 Prozent von Frauen. Schaufler: „Das weibliche Geschlecht hat in den vergangenen Jahren deutlich mehr Selbstbewusstsein entwickelt und wir als Bank wollen diesen Trend in Zukunft aktiv unterstützen. Wir sind der festen Überzeugung, dass Vielfalt ein zentraler Wirtschaftsfaktor ist, den wir nicht nur in unserem Unternehmen leben.“

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Was zählt, sind die Menschen