Sparkassen Zeitung

Economy

Mit Engagement gut durch die Krise

Ausgabe #3/2020 • RE-START
Helene Tuma

VIELE UNTERNEHMEN WURDEN DURCH DIE CORONA-KRISE UND DEN DAMIT VERBUNDENEN LOCKDOWN SCHWER GETROFFEN. MIT NEUEN IDEEN, PERSÖNLICHEM EINSATZ UND SOZIALER VERANTWORTUNG IST ES EINIGEN GELUNGEN, DIE KRISE AUCH ALS CHANCE WAHRZUNEHMEN, IHR GESCHÄFTSMODELL ZU ÜBERDENKEN UND SICH NEU AUFZUSTELLEN.

Mit der Entwicklung des SAFEDI-Clips
hat die Heron Gruppe aus Dornbirn zur
Sicherheit der Angestellten beigetragen.

Eines dieser Unternehmen, das sich während der Corona-Krise durch persönliches Engagement und Erfindergeist hervortat, ist die Heron Gruppe aus Dornbirn. Der Ursprung des familiengeführten Unternehmens liegt in der Entwicklung und dem Bau von maßgeschneiderten Montageautomaten. Daraus erwuchsen im Laufe der Jahre vier selbständig agierende Tochtergesellschaften: Heron CNC Technik, Robotunits, Servus Intralogistics und seit April die neu gegründete SAFEDI Distance Control GmbH. Wie viele andere hatte das Unternehmen mit Umsatzeinbußen zu kämpfen, da es im Investitionsgüter-Bereich tätig ist. „Wir konzentrieren uns in dieser Zeit darauf, die sich in der Entwicklung befindlichen Innovationen weiter voranzutreiben“, erklärt Mehrheitseigentümer und Geschäftsführer Christian Beer. Um den laufenden Betrieb auch im Fall von Infektionen mit Covid-19 aufrecht erhalten zu können, wurde im Unternehmen ein neues Produkt entwickelt: SAFEDI. „Uns ist aufgefallen, dass unsere Mitarbeitenden sich in Gesprächen immer näherkommen. Ein Jahrhunderte altes Verhaltensmuster, das sich auf die Schnelle nicht ändern lässt. Und besonders der Gesichtsbereich ist anfällig für Infektionen“, weiß Beer. So entstand die Frage, wie man das Risiko reduzieren und gleichzeitig die Infektionskette im Ernstfall nachvollziehbar machen kann. „Wir haben sämtliches Know-how in unserem Unternehmen in einem Team gebündelt, und mit SAFEDI innerhalb kürzester Zeit ein Tool entwickelt, das alle Anforderungen zum Schutz des Betriebs erfüllt: eine einzigartig genaue Analyse der Nahkontakte und Nachvollziehbarkeit der Infektionskette, Schutz des Gesicht sowie Abstandswarnung“, erklärt Beer.

SAFEDI ist ein münzgroßer Clip, der am Oberkörper unter dem Gesicht getragen wird und ein optisches sowie optional akustisches Signal auslöst, sobald zwei SAFEDIs sich zu nahe kommen. Im Fall einer Infektion wird die jeweilige anonyme SAFEDI-ID im gesicherten Portal eingegeben und jene SAFEDIs werden benachrichtigt, die gemäß Kontakttagebuch eng mit der infizierten Person in Kontakt waren.

ERFOLG MIT ONLINESHOP

Investitionen in den Online-Bereich haben sich für das südsteirische Weingut Krispel bezahlt gemacht. „In den vergangenen Jahren haben wir in den Onlineshop sehr viel Geld investiert und das ist uns heuer zu Gute gekommen, weil wir da schon professionell aufgestellt waren. Wir hatten zur Zeit des Lockdowns die Newsletter bis August schon fertig und haben dann einfach ein bisschen straffere Aktionen gesetzt. Die neuen Gebietsweine, die in den Verkauf gekommen sind, die 2019er, konnten von den Leuten nicht verkostet werden aufgrund der Pandemie. Also haben wir ein Sonderpaket gemacht, das die Kundinnen und Kunden zu Hause verkosten konnten. Von dort weg ist die Kurve extrem nach oben gegangen. Mittlerweile hat sich der Umsatz des Onlineshops verzwölffacht“, erzählt Stefan Krispel, Geschäftsführer und Inhaber des Weinguts. Um die Online-Bestellungen abzuwickeln, wurde kurzerhand der 400 Quadratmeter große Shop- und Verkostungsbereich zum Online-Logistik-Zentrum umfunktioniert. KundInnen wussten besonders die persönliche Anmutung der Webseite und die Kontaktmöglichkeit zu schätzen. Darauf reagiert Stefan Krispel nun und möchte die Homepage noch einmal umgestalten. „Wir planen zum Beispiel ein Kundengewinnungsprogramm, bei dem man Trauben oder Beeren sammeln kann, wenn man uns an Freunde weiterempfiehlt. Wir werden auch noch zusätzlich eine Servicehotline einrichten, um das Persönliche und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr in den Vordergrund zu stellen“, so Krispel: „Wir werden unseren Betrieb noch breiter aufstellen. Bei uns gibt es ja von der Gastronomie über Fremdenzimmer bis zum Lebensmittel-Einzelhandel ziemlich jede Sparte. Wir werden viele verschiedene Kanäle nutzen und keinen Kanal unterschätzen.“

GEMEINSAM ALS TEAM

Als Einmannbetrieb wurde 1979 die Firma Kausl Energiesysteme & Baddesign gegründet. An den Standorten Weiten und Langenlois sind heute 45 MitarbeiterInnen beschäftigt. Für Geschäftsführer Rene Kausl stehen umweltbewusstes Denken und das Wohl seiner MitarbeiterInnen an erster Stelle, ist das Unternehmen doch fest in der Region verankert. Von der Corona-Zeit war das Unternehmen nicht unmittelbar betroffen, da die Bau- und Installationsbranche grundsätzlich weiterlief. Weil man aber nicht wusste, wie die Corona-Krise weitergeht, welche Auswirkungen sie auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kundinnen und Kunden und Familienmitglieder haben würde, entschloss man sich einen reduzierten Basisbetrieb an beiden Standorten aufrecht zu erhalten. Einige Mitarbeitende übersiedelten ins Home-Office, Besprechungen erfolgten mit Video-Calls. „Führungskräfte tragen gerade in der Krise eine enorme Verantwortung für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und müssen trotz schwieriger Entscheidungen sehr viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit ihnen haben. Viele sind nicht nur verunsichert, sondern haben auch Ängste, zum Beispiel vor Ansteckung oder Arbeitsplatzverlust. Außerdem haben diese ebenso Familie und müssen trotz der Krise diversen Zahlungen et cetera nachkommen. Deshalb haben wir auch klar kommuniziert: Keiner braucht um seinen Arbeitsplatz fürchten, wir werden gemeinsam als Team – als Kausl-Familie – die Krise überstehen. Durch regelmäßige Online-Meetings, bei denen alle Mitarbeitenden anwesend waren, konnten solche Dinge besprochen und alle Unklarheiten und Fragen beseitigt werden“, erklärt Kausl: „Die Corona-Krise hat alle vor Herausforderungen gestellt. Wir sind aber der Meinung, dass gerade solche Herausforderungen die Chance für Veränderungen und ein gewisses Umdenken bieten.“ Das Motto des Unternehmens lautet: „Die Zukunft gehört denen, die sie verändern“. Daher laufen im Unternehmen auch kontinuierliche Verbesserungsprozesse, um niemals stehenzubleiben, sich der Konkurrenz anzupassen und die sich stetig ändernden Kundenwünsche zu erfüllen. 

Für die Firma Kausl Energiesysteme & Baddesign waren Kündigungen
auch während der Corona-Zeit keine Option.
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GESCHÄFTSMODELL REFLEKTIERT

cubudo ist eine junge, dynamische Unternehmensberatung und strategischer und operativer Partner der Industrie. Während des Lockdowns wurde das gesamte Team des Wiener Unternehmens gebeten, im Home-Office zu arbeiten. Der täglich fehlende persönliche Kontakt wurde durch regelmäßige Online-Besprechungen und eine offene und transparente Kommunikation im Team ausgeglichen. „Wir haben natürlich mit einigen Projektverzögerungen oder verschobenen Folgeaufträgen rechnen müssen. Also haben wir die erste Phase der Corona-Krise genutzt, um unser Geschäftsmodell hinsichtlich Langlebigkeit und Zukunfts fähigkeit zu reflektieren. Wir haben uns rasch dazu entschieden das Tempo zu erhöhen, aktiv Chancen zu nutzen und zusätzlich neue Geschäftsfelder zu verfolgen, ohne den ursprünglichen Unternehmenszweck und die Strategie aus den Augen zu verlieren“, erklärt Romana Buchner, General Manager von cubudo. BeraterInnen, deren Projekte gerade „on hold“ waren, haben intern die Unternehmensentwicklung vorangetrieben, durch Aneignen von Wissen hinsichtlich neuer Technologien, Verfassen mehrerer Fachartikel, Erstellen von Schulungsunterlagen und den Aufbau eines internen Wissensmanagements. „Unsere Hands-on-Mentalität ermöglicht uns dort anzupacken, wo es nötig ist. Aus der Krise habe ich gelernt, dass das Vertrauen zu den Mitarbeitenden und Kundinnen und Kunden das ist, was wirklich zählt. Offene Kommunikation und Verlässlichkeit sind auch in schwierigen Zeiten die Basis für Erfolg, so wie in guten Zeiten“, sagt Buchner.

cubudo hat die Corona-Krise genutzt, um das Geschäftsmodell
hinsichtlich Zukunftsfähigkeit zu reflektieren.
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PERSONALISIERTE HOMEPAGE

Besonders traf die Corona-Krise die Firma Sport Lehner in Pregarten, Oberösterreich. Am 28. Februar fand die Neueröffnung des Fahrradgeschäfts nach einem großen Umbau statt, zwei Wochen später erfolgte der Lockdown. „Das war für uns schon ein Schock. Keiner wusste, wie lange das dauert oder wie heftig das ausfallen kann“, erinnert sich Walter Lehner, der das Geschäft gemeinsam mit seinem Bruder Christian führt. Die Rettung für den Betrieb war der Onlineshop. „Das Online-Geschäft ging überirdisch gut. Wir haben mit dem Onlineshop und unserer Webseite versucht, nach außen hin viel präsenter zu sein und den Leuten zu zeigen, dass wir noch da sind. Wir haben auch die Homepage personalisiert, damit man sieht, wer bei uns arbeitet und wie wir arbeiten. Auch eine telefonische OnlineBeratung wurde angeboten und ich habe einen PDF-Bogen zum Ausfüllen online gestellt, mit dem uns Kundinnen und Kunden mitteilen konnten, für welches Produkt sie sich interessieren. Aus jeder Anfrage ist ein Geschäft geworden“, erzählt Lehner. Auch eine kontaktlose Reparaturannahme wurde eingerichtet, da die Werkstatt arbeiten durfte. „So haben die Kundinnen und Kunden gesehen, wir sind da für sie und sie können uns die Fahrräder jederzeit bringen. Das hat super funktioniert und ist bei den Leuten gut angekommen“, erklärt Lehner: „Ich glaube, dass es in dieser Zeit jetzt ein Umdenken gegeben hat und die Leute mehr Wert auf das Persönliche und Regionale legen.“

Walter und Christian Lehner konnten ihr Fahrradgeschäft
mit dem Onlineshop durch die Krise führen.
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Was zählt, sind die Menschen