Sparkassen Zeitung

Economy

Achtsam und nachhaltig – Landwirtschaft in Oberösterreich

Ausgabe #1 März/2021 • LUST AUFS LAND
Helene Tuma

OBERÖSTERREICHS LANDWIRTSCHAFT BLICKT AUF EINE JAHRHUNDERTE ALTE TRADITION ZURÜCK UND WIRD FAST AUSSCHLIESSLICH VON FAMILIENBETRIEBEN BEWIRTSCHAFTET. WIE WICHTIG DIE AUFGABE IST, DIE SIE ERFÜLLEN, IST NICHT ZULETZT IN DER CORONA-KRISE KLAR GEWORDEN, ALS DIE REGIONALE VERSORGUNG MIT LEBENSMITTELN ZUM THEMA WURDE.

LANDWIRTSCHAFT IN OBERÖSTERREICH

Eine nachhaltige, biologische Produktion von Lebensmitteln rückt immer mehr in den Vordergrund. Nur wer bewusste Landwirtschaft betreibt, hat zukünftig am Markt eine Chance. Für die LandwirtInnen bedeutet das eine Weiterentwicklung der Betriebe und der Strategien. „Wir können es sowohl betrieblich als auch aus privater Sicht nur begrüßen, dass gesellschaftlich ein Umdenken stattgefunden hat und Regionalität mehr wertgeschätzt wird“, erklärt Martin Greul, der gemeinsam mit seiner Frau Beatrice den Bauernhof seiner Eltern in Haid bei Ansfelden bewirtschaftet und ihn heuer auch übernehmen wird. Der Betrieb der Familie Greul, der „Grüblhof “, existiert schon seit Generationen. Im Laufe der Zeit haben sich jedoch sowohl die betriebliche Ausrichtung als auch das Hofgebäude verändert. „Im Prinzip geschehen Veränderungen mit jeder Generation – dies ist auch notwendig, um den Betrieb gesund weiterentwickeln zu können und den Anforderungen der jeweiligen Zeit Rechnung zu tragen“, so Greul. Aktuell ist der Haupt-Betriebszweig die Schweinezucht mit etwa 70 Zuchtsauen. Ein kleiner Teil der Ferkel wird selbst gemästet und in der hofeigenen Direktvermarktung werden aus ihnen beliebte Klassiker wie Speck, Blunzen und vieles mehr hergestellt. Außerdem finden 14 Mastrinder am Grüblhof ihr Zuhause. Das Futter für die Tiere wird auf den dazugehörigen Ackerflächen großteils selbst angebaut. „Die Tierwohl-Standards in Österreich sind sehr hoch. Wir möchten jedoch noch einen Schritt weitergehen und sind kurz davor, unsere Mastschweine auf ganzjährige Freilandhaltung umzustellen. Dabei übernehmen wir im Schweinebereich in Österreich eine Vorreiterrolle und sind absolut überzeugt, hier die richtige Entscheidung getroffen zu haben“, so Beatrice und Martin Greul. Ihr Ziel ist es, durch größtmögliche Transparenz das Tierwohl für die Menschen erlebbar zu machen und durch Aufklärung der Gesellschaft eine gesteigerte Wertschätzung für die bäuerliche Arbeit und die am Hof produzierten Lebensmittel zu erreichen. „Das Bewusstsein, wie die Lebensmittel produziert werden und woher das eigene Essen kommt, muss unserer Meinung nach jedoch noch wesentlich höher werden. Wir als Landwirtinnen und Landwirte müssen noch viel transparenter und offener werden und vor allem öfter nach außen hin auftreten und verstärkt Öffentlichkeitsarbeit leisten. Daher möchten wir am Grüblhof in Zukunft auch Interessierten Tür und Tor öffnen, um Bewusstsein zu schaffen und das Verständnis für die Landwirtschaft weiter zu verbessern“, so das Ehepaar Greul. Für die Zukunft möchte Greul gemeinsam mit seiner Familie die nachhaltige Bewirtschaftung des eigenen Betriebs mit dem Fokus auf Herstellung und Vermarktung qualitativ hochwertiger Produkte sicherstellen. Für den Hof soll eine Hofmarke etabliert werden, die von den KundInnen geschätzt wird. „Der Betrieb wird so wie bisher zukünftig mehrere Standbeine haben und soll weiterhin im Haupterwerb geführt werden können. Bei der strategischen Entwicklung des eigenen Betriebs liegt der klare Fokus auf der Maximierung der Wertschöpfung am Betrieb, auf Qualitätsführerschaft und Nachhaltigkeit. Zudem möchten wir betrieblich immer am Puls der Zeit bleiben und in manchen Nischen eine Vorreiterrolle einnehmen“, so Greul. Der junge Bauer ist mit seinem landwirtschaftlichen Betrieb Kunde im Geschäftskunden Center Agrar der Sparkasse Oberösterreich und schätzt die fachlich fundierte, ehrliche Beratung zu den Finanzprodukten bei betrieblichen Finanzierungen und die zusätzliche Förderberatung ebenso wie das Branchenwissen aus Referenzprojekten. „Das ist sehr wichtig, denn landwirtschaftliche Betriebe denken, im Gegensatz zu Shareholder-getriebenen Unternehmen, meist in Generationen und nicht in kurzfristiger Gewinnmaximierung“, ist Greul überzeugt.

Familie Woerle
Im Bio-Mastelterntierstall von Sabine und
Michael Ganglbauer (im Bild mit Sohn Paul) werden Hennen
gehalten, deren Eier als Bruteier verkauft werden
Fotos: Eventfoto/Maringer

 

BIOLOGISCHE WIRTSCHAFTSWEISE

„Meine Eltern haben den Hof 1986, als verlassenes und baufälliges Gebäude, vererbt bekommen. Unser Betrieb wurde von meinen Eltern über 25 Jahre verpachtet und somit nicht selbst bewirtschaftet, allerdings haben sie den Hof rundum erneuert und uns damit eine gute Ausgangsposition geschaffen. Wir wollten die Landwirtschaft wieder neu aufleben lassen und haben uns einige Jahre mit möglichen Bewirtschaftungsformen beschäftigt. Bis wir schlussendlich 2018 auf biologische Wirtschaftsweise umstellten und im August 2018 der Spatenstich für unseren neuen Bio-Mastelterntierstall erfolgte. Seither sind wir auch Mitglied bei BIO AUSTRIA“, erzählt Michael Ganglbauer die Geschichte seines Betriebs in Kremsmünster. Im Bio-Mastelterntierstall werden Hennen und Hähne gehalten. Die Eier werden als Bruteier an die Eiermacher GmbH verkauft, wo diese in der Brüterei heranreifen und nach 21 Tagen Bio-Masthühner schlüpfen. Dass regionale Produkte im Trend liegen, ist auch hier erkennbar. „Wir verkaufen zwar keine Endprodukte, dennoch können wir klar sehen, dass eine erhöhte Nachfrage nach regionalen und biologischen Produkten vorhanden ist. Deshalb möchten wir, gegen den Trend der steigenden Hofauflösungen, mit unserem Konzept der biologischen Landwirtschaft weiter durchstarten“, so Ganglbauer.

 

Silvia und Christian Felbermair
Silvia und Christian Felbermair versuchen neben der
gentechnikfreien Fütterung auch gezielt Maßnahmen
im Bereich Tierwohl umzusetzen.
Foto: Eventfoto/Maringer

MEHRERE STANDBEINE

Silvia und Christian Felbermair übernahmen den elterlichen Betrieb in Steinerkirchen/Traun im Jahr 2014 und leben seitdem mit ihren Kindern auf dem Hof. Die Aufzeichnungen über das „Fürthalergut“ führen bis ins Jahr 1704 zurück. Neben der Schweinemast und dem zugehörigen Ackerbau beschäftigt sich der Betrieb auch mit der Junghennenaufzucht. „Bereits in den 1960ern fingen die Großeltern mit Geflügelhaltung und -mast an und wir sind nach wie vor froh, mehrere Standbeine in unserem Betrieb zu haben. Seit 2016 sind wir mit unserer Schweinemast Partner der Firma gourmetfein in Kooperation. Durch diese Partnerschaft ist bei uns Regionalität garantiert und es werden auch nur in Oberösterreich geborene Ferkel gemästet. Neben der gentechnikfreien Fütterung versuchen wir auch gezielt Maßnahmen im Bereich Tierwohl umzusetzen. Unser Betrieb verzichtet außerdem auf den Einsatz von Glyphosat“, erklärt Christian Felbermair. Aufgrund der stark schwankenden Preise auf dem Schweinemarkt und des doch erst relativ kurzen Zeitraums, in dem Felbermair den Betrieb führt, war und ist es oft schwierig abzusehen, welche Investitionen sinnvoll und zielführend sind. Hier hilft das Geschäftskunden Center Agrar der Sparkasse Oberösterreich mit seinen ExpertInnen. „Vor allem bei Investitionen fühlt man sich sicherer, wenn die Beraterin oder der Berater weiß, wovon man spricht. Aber auch die Wertschätzung für die Arbeit, die verrichtet wird, ist dadurch gewährleistet und tut gut. Wir werden auf unserem Betrieb nach Möglichkeit mehrere Standbeine beibehalten, um mehr Sicherheit zu haben. Natürlich versuchen wir auch durch gezielte Investitionen den Betrieb zu erweitern, um auch für die nachfolgende Generation das ‚Bauer Sein‘ attraktiv beziehungsweise möglich zu machen“, so Felbermair.

Rupert Zittmayr
Der Schwerpunkt auf dem Hof von Jungbauer
Rupert Zittmayr ist die Gemüseproduktion. Er möchte
KäuferInnen direkt zum Bauern bringen.
Foto: Eventfoto/Maringer

 


REGIONALE SCHMANKERL

„Unser Betrieb existiert schon seit vielen Generationen. Nach und nach veränderten sich die Arbeits- und Wirtschaftsweisen. Ich habe den Betrieb 2017 von meinen Eltern gepachtet und mit dem heurigen Jahr 2021 zur Gänze übernommen. Wir sind ein kleiner familiärer Ackerbaubetrieb im Raum Enns. Meine Eltern entschieden sich vor vielen Jahren den Schwerpunkt zu verlagern und eine Gemüseproduktion zu starten. Über die Jahre wuchs dieses Standbein immer mehr und ist die Haupteinnahmequelle für unseren Betrieb geworden. Mehr und mehr versuchen wir ein breites Sortiment an Sommer- und Herbstgemüse anzubieten, das zum überwiegenden Teil direkt an unsere Kundinnen und Kunden ab Hof und am Frischemarkt in Enns verkauft wird“, erklärt Jungbauer Rupert Zittmayr. Seine Idee ist, die KäuferInnen direkt zum Bauern zu bringen. Ein Erlebnis zu schaffen, das wieder anregt nachzudenken, woher eigentlich unsere Produkte stammen und wer hinter ihnen steht. „Wir pflegen seit Jahren in unserer Direktvermarktung einen intensiven Kontakt zu unseren Kundinnen und Kunden. Dabei versuchen wir unsere Einkäuferinnen und Einkäufer mit regionaler und nachhaltig produzierter Qualität zu überzeugen. Die Nachfrage im heurigen Jahr ist gestiegen. Ein spürbares Umdenken der Gesellschaft eröffnet jetzt eine Chance für viele Betriebe, sich ein neues Standbein aufzubauen. Regionale Schmankerl erfreuen sich immer größerer Beliebtheit am Speiseteller der Konsumentinnen und Konsumenten“, so Zittmayr. Für ihn ist in der heutigen schnelllebigen Zeit ein kompetenter Ansprechpartner in Finanzfragen, der über die aktuellen Regelungen und Bestimmungen Bescheid weiß, eine wichtige Voraussetzung. „Eine Beratung mit dem nötigen Fachwissen ist ein guter Rückhalt für Entscheidungen und gibt mir Sicherheit und Klarheit bei meinen Vorhaben“, so Zittmayr und weiter: „Meine Zukunftspläne bestehen darin, unser Standbein in der Gemüseproduktion zu festigen, zu erweitern und vor allem auch ständig zu verbessern. Ich möchte versuchen, eine interessante und reale Umgebung für die Kundinnen und Kunden zu schaffen, heimische und regionale Produkte in den Vordergrund zu stellen. Das Einkaufen direkt am Bauernhof soll für sie wieder zu einem Erlebnis werden.“ 

 

Stadlbauer
Stefan Stadlbauer beschäftigt sich auf seinem Hof mit der
Rindermast. Es erfordert hohe Achtsamkeit, damit seine
Kälber und Jungrinder gesund bleiben.
Foto: Eventfoto/Maringer

HOHE ACHTSAMKEIT

Der Betrieb von Familie Stadlbauer in Steinhaus im Bezirk Wels-Land besteht etwa seit dem 16. Jahrhundert. Im Jahr 2000 wurde er von Stefan Stadlbauer übernommen. Seit 2010 führt er den Betrieb gemeinsam mit seiner Frau Beate. „Unser Vollerwerbsbetrieb beschäftigt sich mit der Rindermast. Wir kaufen unter anderem Kälber mit zirka 100 kg, die anfangs noch mit Milch zugefüttert werden. Zusätzlich kommen sogenannte Einsteller mit zirka 180 kg auf unseren Hof. Diese werden bis zu einem Idealgewicht von zirka 750 kg gemästet, bevor sie geschlachtet werden“, so Stefan Stadlbauer und weiter: „Regionalität liegt definitiv im Trend. Den Österreicherinnen und Österreichern ist es mittlerweile wichtig geworden, woher das Fleisch stammt.“ Eine große Herausforderung in der Rindermast ist von Anfang an die Gesundheit der Tiere. Vor allem kleine Kälber sind bei schlecht belüfteten und geheizten Ställen sehr anfällig für Krankheiten. „Damit unsere Kälber und Jungrinder gesund bleiben, erfordert dies eine hohe Achtsamkeit. Diese beginnt mit der richtigen Belüftung der gesamten Ställe und zusätzlicher Beheizung des Kälberstalls. Aufgrund der zu geringen Heizkapazität, die unsere aktuelle Heizanlage liefert, benötigen wir künftig eine größere und betriebsstarke Hackgutheizung. Es erfordert viel Planung und Zeit, um dieses Projekt erfolgreich verwirklichen zu können. Für die Anschaffung unserer neuen Heizanlage möchten wir weiter auf eine – wie schon bisher – gute Beratung und Kommunikation mit dem Geschäftskunden Center Agrar der Sparkasse Oberösterreich setzen und die bestmöglichen Lösungen finden“, so Stefan Stadlbauer.

 

Diesen Artikel teilen:

Was zählt, sind die Menschen