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Zeichen der Hoffnung

Ausgabe #2 Mai/2021 • RESILIENZ
Sandra Wobrazek

MITTEN IN DER CORONA-KRISE HABEN MICHAEL NIAVARANI UND GEORG HOANZL MIT DEM THEATER IM PARK IM HERZEN WIENS EINE NEUE FREILUFTBÜHNE GESCHAFFEN – UND BEWIESEN, WELCHE BEDEUTUNG TATKRAFT, OPTIMISMUS UND MUT GERADE IN SCHWIERIGEN ZEITEN HABEN.

„Luftig – lustig – schön – sicher“ lautet das Motto eines Projekts, das im Sommer 2020 nicht nur eine Novität in der sommerlichen Wiener Kulturszene war, sondern auch einen kulturellen Hoffnungsschimmer in der Corona-Krise darstellte – und dies auch in seiner heurigen, zweiten Saison wieder tut: das Theater im Park.

Kurz nach dem Beginn der Covid-19-Pandemie und der Verkündung des ersten Lockdowns im März 2020 hatten Georg Hoanzl, Inhaber der gleichnamigen Künstleragentur, und Schauspieler und Regisseur Michael Niavarani eine Idee: ein Open-Air-Theater mitten in Wien, im weitläufigen  Privatgarten der Fürstlich Schwarzenberg`schen Familienstiftung. Bereits 2017, nachdem Michael Niavaranis Globe Wien abgebrannt war, suchte er mit Georg Hoanzl nach einem Ausweichquartier und sie entdeckten den pittoresken Park, der damals jedoch keine passende Option war.

BELEBTE KULTURBRANCHE

Nachdem im ersten Lockdown dann sämtliche Kulturveranstaltungen abgesagt wurden, beschlossen die beiden Kulturschaffenden, mit Zustimmung der Familie Schwarzenberg in eben jenem Park ein Sommertheater zu eröffnen. Das Besondere dabei: Der Garten, nur einen Steinwurf vom Belvedere entfernt, ist sonst nicht für die Öffentlichkeit zugänglich und wurde erstmals für die Kultur, ihre Akteurinnen und Akteure und das Publikum geöffnet.

Ihr Konzept gab den beiden Kulturschaffenden recht: Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen, wie einem breiteren Reihenabstand, Abstelltischen zwischen den Sitzgruppen und dem Verzicht auf Pausen, fanden von Juli bis September 2020 insgesamt 106 Vorstellungen statt, die von mehr als 93.000 Menschen besucht wurden. Das Programm deckte zahlreiche Kunstsparten ab – von Kabarett und Comedy über Klassik, Pop, Wienerlied und Jazz bis Theater und Lesungen, bot Kunstschaffenden in Zeiten abgesagter Veranstaltungen eine künstlerische Heimat und belebte die sommerliche Wiener Kulturszene.

INS TUN KOMMEN

Ein Erfolg, der allerdings auch mit zahlreichen Herausforderungen und Hürden einherging, wurde das Projekt doch innerhalb kurzer Zeit aus dem Boden gestampft – und war aufgrund der Pandemie mit zahlreichen Sicherheitsauflagen verbunden. „Die größte Herausforderung“, sagt Georg Hoanzl, „war damals und ist es heute noch, mit der Ungewissheit umzugehen, wie sich die Pandemie weiterentwickelt, wann es welche Öffnungsschritte gibt. Als wir das Projekt im Frühling 2020 begonnen haben, war gar nicht klar, ob und wann im Sommer überhaupt gespielt werden darf. Die Angst, dass wir gar nicht starten können oder mittendrin aufhören müssen, war ständig da – und so ist es leider heuer wieder.“

Hoanzl betont, dass es ihm in solch unsicheren Zeiten dennoch lieber ist, neue Projekte zu entwickeln als in der Passivität zu verharren. Die Herausforderung dabei: mit dem, was man unternehmerisch macht, in den Freiräumen, die noch bleiben, etwas Schönes zu entwickeln. „Man darf nicht im Unglück verharren und es einfach akzeptieren, wenn man nicht spielen kann. Unsere Aufgabe war es, zu schauen, was stattdessen möglich ist.“

JONAS KAUFMANN BIS KLAUS ECKEL

Familie Woerle
Michael Niavarani und Georg Hoanzl starten heuer in die
zweite Theater-im-Park-Saison
Foto: Stefan Gergely

Lange hielt das zwei Hektar große Areal des Theaters im Park seine Schönheit hinter dicken Steinmauern verborgen.Die Anlage dominieren alte, dichte Platanen, die tagsüber Schatten spenden und am Abend den Platz in einen beinahe mystischen Ort verwandeln, wie ihn einst William Shakespeare für seinen Sommernachtstraum nicht besser hätte erdenken können: Gegenüber der Bühne liegt eine barocke Grotte, wo schon vor Jahrhunderten, damals war die Gegend rund um die Prinz-Eugen-Straße noch Wiener Vorstadt, ein Freilufttheater geplant war.

Auch diesen Sommer soll, dank eines großzügigen Platzierungskonzepts, wieder für ein unbeschwertes Theatererlebnis gesorgt werden. Das wird auch von Sponsoren wie Erste Bank, deren Werbeslogan #glaubandich von den beiden Theaterinhabern als „äußerst passend“ beschrieben wird, sowie Wien Energie und Wiener Städtische unterstützt. Dank dieser Unterstützung hat sich das Team des Theater im Park für 2021 noch mehr vornehmen können: So bietet die neue Saison von Mai bis September ein Wiedersehen mit Künstlerinnen und Künstlern wie Jonas Kaufmann, Maria Happel, Maya Hakvoort, Konstantin Wecker, Ernst Molden und Nino aus Wien. Auch die österreichisch-deutsche Kabarettszene soll den Hunger des Publikums auf Kultur stillen: Geplant sind etwa Auftritte von Harald Schmidt, Stermann & Grissemann, Lisa Eckhart, Viktor Gernot, Erwin Steinhauer, Gerhard Polt und Theater-im-Park-„Hausherr“ Michael Niavarani. Ihr Theater-im-Park-Debüt geben unter anderem Birgit Minichmayr, Angelika Kirchschlager, Lukas Resetarits, Franui & Nikolaus Habjan, Solisten der Wiener Philharmoniker und die Wiener Sängerknaben. Außerdem wird das Theater im Park heuer exklusiver Spiel-ort der neuen Simpl-Revue „Krone der Erschöpfung“.

EINEN FREIRAUM SCHAFFEN

„Der Wunsch des Teams ist es, den Menschen mit Kultur besondere Momente zu ermöglichen“, sagt Georg Hoanzl. Dieser Mission folgte Michael Niavarani übrigens schon früh: Sein erstes großes Engagement führte den jungen Schauspieler ins nur 30 Zuschauer fassende Graumann Theater von Michael A. Mohapp. Georg Hoanzl: „Kulturelle Freiräume zu schaffen ist schon seit Jahrzehnten Kern der kulturellen Arbeit von Michael Niavarani und mir. Und mit dem Theater im Park haben wir einen neuen Freiraum geschaffen.“

Welche Bedeutung Kultur als Ort der Entspannung und des Glücks gerade in Krisenzeiten haben kann, zeigte sich an den Reaktionen des Publikums. Georg Hoanzl sagt, dass er noch nie zuvor solch einen Zuspruch erhalten habe – vom Publikum ebenso wie von den Künstlerinnen und Künstlern: „Die gemeinsame Freude war richtiggehend erleb- und spürbar. Und wenn ich auch heuer wieder sehe, dass sich dieser Park zu einem wunderschönen Open-Air-Theater transformiert, geht mir das Herz auf.“

Sein aktuell größter Wunsch für die Kulturbranche ist ein globaler: „Dass wir die physische und psychische Bedrohung, die die Pandemie für uns als Menschheit darstellt, überwinden. Aber auch, dass wir die verbindende Kraft, die wir als Weltgemeinschaft im medizinischen und wissenschaftlichen Bereich gewonnen haben, auch bei Themen wie dem Klimaschutz einsetzen können. Damit die kulturellen ebenso wie die ökologischen Freiräume wieder erblühen.“

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Was zählt, sind die Menschen