Sparkassen Zeitung

Land und Märkte

Jung, innovativ und nachhaltig

Ausgabe #3 Juli/2021 • NACHHALTIGKEIT
Sandra Wobrazek

SIE TRANSPORTIEREN KAFFEE MIT SEGELSCHIFFEN ODER MACHEN REGENWÜRMER TRENDY: VIER ÖSTERREICHISCHE START-UPS, DIE DIE WELT EIN WENIG NACHHALTIGER MACHEN MÖCHTEN.

DIE IDEALE KREISLAUFWIRTSCHAFT
AgroBiogel tritt mit einem Reststoff der Papierindustrie Dürreperioden entgegen.

Ausgangsbasis für das vom gleichnamigen Tullner Start-up entwickelte Flüssiggel AgroBiogel ist ein Reststoff aus Holz, wie er in großen Mengen als Nebenprodukt bei der Herstellung von Papier anfällt. „Die Papierfabriken, bei denen der Reststoff anfällt“, sagt Co-Gründer Keith Nyanhongo, „können durch die Weiterverarbeitung des Reststoffes zu einem Hydrogel sogar ihren ökologischen Fußabdruck verbessern. Dadurch ist der Herstellungsprozess von AgroBiogel ein perfektes Beispiel für Kreislaufwirtschaft.“

Hydrogele sind Polymere, die große Mengen Wasser aufnehmen und speichern können. AgroBiogel nimmt die zwanzigfache Menge seines Volumens an Wasser auf und kann dieses an seine Umgebung abgeben, wie Keith Nyanhongo sagt. „Dadurch können Gärtnerinnen und Gärtner sowie Landwirtinnen und Landwirte bis zu 40 Prozent Wasser sparen. Weitere Vorteile von AgroBiogel sind, dass Pflanzen Dürreperioden länger überleben können, und dass ein unfruchtbarer Boden, wie zum Beispiel ein Sandboden, in einen produktiven Boden umgewandelt werden kann.“ Diesen Sommer soll die Pilot-Produktion in Phase zwei bewegt und dann der „Scale-up“ gemacht werden, um in die größere Produktion zu gehen. Für ihre innovative Idee wurden die Gründer bereits ausgezeichnet: Bei der #glaubandich-Challenge waren sie Sieger der Kategorie „Climate & Environment Protection“. „Man muss in erster Linie eine Idee haben, die auch langfristig Sinn macht und ein größeres Ziel hat. In unserem Fall ist es das Entgegenwirken von hohem Wasserverbrauch, Dürreperioden und dem CO2-Ausstoß von Papierfabriken“, erklärt Keith Nyanhongo.

Die Gründer von AgroBiogel möchten die Landwirtschaft
gegen Dürreperioden stark machen.
Foto: AgroBiogel

 

Wurmkiste
In der stylischen Wurmkiste verwandeln Regenwürmer
Bioabfall zu wertvollem Humus.
Foto: Wormsystems

DER REGENWURM, DAS NEUE HAUSTIER
Wormsystems hat eine nachhaltige Wurmkiste entwickelt.

Biomüll vor dem Restmüll zu „retten“ ist die Mission des Start-ups Wormsystems, das eine Wurmkiste als praktischen Bestandteil in der Küche etablieren möchte. Die Vision: dass Biomüll als Ressource wahrgenommen wird und somit nicht mehr achtlos in der Restmülltonne landet, wie PR-Beauftragte Judith Andlinger sagt. „Im Arbeitsalltag wird diese Haltung auch gelebt und wir versuchen alle Bereiche so ressourcenschonend wie möglich zu gestalten: angefangen bei der Produktentwicklung und der Gestaltung der Arbeitsabläufe über die Zulieferer bis zur eigenen Firmen-Restmülltonne.“

Konkret handelt es sich bei der Wurmkiste um eine Kompostkiste, in der Würmer Bioabfälle geräusch- und geruchlos zu feinem Wurmhumus verarbeiten. „Jetzt sind die entscheidenden Jahre für den Klimaschutz“, sagt Andlinger. „Wir sehen uns verpflichtet als Unternehmen verschiedene Lösungen anzubieten, die dazu beitragen, dass der täglich anfallende Biomüll als Ressource genutzt wird, dadurch CO2 bindet und im natürlichen Kreislauf erhalten bleibt. Wir möchten den Kompostwurm zum Biomüll-Aufwerter Nummer eins machen, dafür entwickeln wir neue Produkte, verändern das Image des Regenwurms zum beliebten ,Haustier‘ und schaffen so mehr Bewusstsein für den natürlichen Kreislauf von Nährstoffen.“ Wer an der Rendite der Umwandlung von Biomüll in Wurmhumus interessiert ist: „Der Preis von Wurmhumus liegt mittlerweile über dem von Erdöl“, so Andlinger. „Daher nennen wir ihn auch liebevoll das neue ,schwarze Gold‘.“

 

Brigantes Kaffee
Der Fairtrade-Kaffee von Brigantes soll zukünftig nahezu
emissionsfrei transportiert werden.
Foto: Brigantes

TRANSPORT MIT RESPEKT GEGENÜBER DER NATUR
Brigantes möchte Kaffee mit dem Segelschiff transportieren.

Exakt 100 Jahre ist sie heuer alt, die Brigantes. Derzeit wird das Segelschiff, vor Sizilien liegend, noch restauriert, doch wenn es seinen alten Glanz wiedererlangt hat, soll es auf den Spuren der Seehändler von einst wandeln und Fairtrade-Kaffee nahezu emissionsfrei von Südamerika bis nach Europa transportieren.

Gegründet wurde das gleichnamige Start-up von Katharina Schaller und Daniel Kravina. „In der gesamten Nachhaltigkeitsdebatte“, sagt Kravina, „wird immer wieder auf die Produzenten geschaut. Die Transportwege hingegen werden vernachlässigt – vor allem, wenn es um die Container-Schifffahrt geht, die eine verheerende Auswirkung auf die Weltmeere und die Atmosphäre hat. Das wird jedoch übersehen, weil es fernab der öffentlichen Wahrnehmung geschieht. Wir möchten das mit unserem Projekt ändern.“ Brigantes zielt darauf ab, eine Bewusstseinsänderung über die wahren Kosten des Transports auf hoher See zu erreichen. Damit aus einer innovativen Idee ein langfristig erfolgreiches Unternehmen wird, braucht es, so der Co-Gründer, vor allem ein klares Konzept: „Es gibt viele Start-ups, die die Ökonomie als Feind sehen. Die bleiben dann oft auf der Strecke, weil sie von Förderungen und freiwilliger finanzieller Unterstützung abhängig sind. Doch sowohl die Förderungen als auch die Unterstützung haben irgendwann ein Ende.“ Schon bald möchten die GründerInnen ihr Schiff fertigstellen, damit es seiner wahren Bestimmung zugeführt werden kann: Transportschiff und zugleich aber auch nachhaltiger Botschafter zu sein.

 

Familie Woerle
Nikolaus Mautner Markhof (li.) und Arjun Ahluwalia
bieten E-Bikes im Abo-Komplettpaket an.
Foto: Bike Gorillaz

EIN E-RAD IM RUNDUM-SORGLOS-PAKET
Bike Gorillaz ermöglicht es, E-Bikes im Abo zu nutzen.

Es ist eines der jüngsten Mitglieder in der Familie nachhaltiger Start-ups made in Austria: Bike Gorillaz wurde diesen Februar von Nikolaus Mautner Markhof und Arjun Ahluwalia gegründet und ist im April auf den Markt gekommen. E-Bikes können in einem monatlichen Abo gemietet werden – für eine Laufzeit von 6, 12 oder 18 Monaten. Die Bikes gibt es, je nach Modell, ab 98 Euro, wobei die Kosten für Versicherung, laufendes Service und Verschleißteile im monatlichen Abopreis inkludiert sind. Bestellt wird online, geliefert innerhalb von 72 Stunden. Derzeit gibt es das Abo nur in Wien, für 2021 möchten die Bike Gorillaz aber ganz Österreich erobern, wie Arjun Ahluwalia sagt: „Ein E-Bike zu kaufen erfordert auch ein bisschen technisches Verständnis und einen Zeitaufwand. Wir bieten im Abo die ganze Serviceleistung mit dazu an. Man muss sich um nichts kümmern und spart Zeit und Organisation.“

Finanziert wurde das Start-up über das Gründercenter der Erste Bank. Der langjährige Unternehmer Ahluwalia betont, dass es sehr wichtig ist, dass eine Bank einem Start-up in der Phase der Kalkulation und Ideenfindung zur Seite steht. „Wenn eine Bank an dich glaubt, ist das unabhängig von der finanziellen Hilfestellung ein unglaublicher Push für das Ego eines jeden Gründers. Das Gründercenter hat vom ersten Tag an daran geglaubt, dass das, was ich mir ausgedacht habe, funktionieren kann – und mich dabei unterstützt, es in die Realität umzusetzen.“

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