Sparkassen Zeitung

Economy

Jobmotor Digitalisierung

Ausgabe #4/2016 • Open for Business
Stephan Scoppetta

Die Angst vor der Digitalisierung geht um: Sie sei der große Jobkiller und Arbeitsplatzvernichter in den nächsten Jahren. Oft wird aber vergessen, dass sich durch die Digitalisierung viele neue Berufsfelder auftun. Wer heute die Weichen stellt, gehört zu den GewinnerInnen von morgen.

Dietmar Kotras, General Manager CSC Österreich:
„77 Prozent der heimischen Unternehmen
gehen davon aus, dass sich der Wettbewerb im
Zuge der Digitalisierung bereits verändert hat.
Nun gilt es die Chancen zu nutzen und die Risiken
zu managen.“

Die Digitalisierung lässt in der Arbeitswelt keinen Stein auf dem anderen. Die Anforderungsprofile an MitarbeiterInnen werden sich stark verändern: Bestimmte Formen der Arbeit werden bald überflüssig sein, Routinetätigkeiten, vor allem in der industriellen Produktion oder in der Verwaltung, werden zukünftig wegfallen. Was jedoch nicht heißt, dass es
insgesamt weniger Jobs geben wird. Denn durch die Digitalisierung werden neue Berufsbilder mit großem Zukunftspotenzial entstehen. „77 Prozent der heimischen
Unternehmen gehen davon aus, dass sich der Wettbewerb im Zuge der Digitalisierung bereits verändert hat. Nun gilt es die Chancen zu nutzen und die Risiken zu managen“, sagt
Dietmar Kotras, General Manager der auf Technologie-Consulting spezialisierten CSC Österreich.

CHANCEN FÜR DIE ZUKUNFT
Die Telekommunikations- und IT-Branche boomt. Computer-SpezialistInnen werden in Zukunft ebenso nachgefragt sein wie Fachkräfte in den Bereichen Robotics oder Mechatronik.
Komplexere Dienstleistungen und innovative Serviceangebote sind gesucht. Aber auch bestehende Berufsprofile werden sich verändern und weiterentwickeln. Gerade komplexe und kreative Aufgaben können nicht von Computern und Robotern erledigt werden. Gewinner der Digitalisierung werden auch die Berufe im Gesundheitswesen sein. Das heißt: Auch in Zukunft
braucht es Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Was für qualifizierte, gut ausgebildete ArbeitnehmerInnen hervorragende Jobchancen garantiert. Wichtig ist jedoch, rechtzeitig auf diesen Wandel zu reagieren, denn ohne Digitalkompetenz kommt man im Berufsleben künftig nicht mehr aus. Und die UnternehmerInnen müssen durch laufende Weiterbildungsmaßnahmen dafür sorgen, dass die MitarbeiterInnen immer auf dem aktuellen Stand der digitalen Entwicklung sind. Doch gerade im Erwerb dieses technischen Know-hows sehen 42 Prozent der von CSC befragten heimischen Unternehmen die größte Hürde für die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten.

INFORMATIONS- UND KOMMUNIKATIONSTECHNOLOGIEN (IKT)
IKT nehmen eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung der Digitalisierung ein. Bis 2020 will die Branche 40.000 neue Arbeitsplätze schaffen. „Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 28 Prozent des österreichischen Wirtschaftswachstums in der Vergangenheit direkt auf den Einsatz und die Verwendung von IK-Technologien zurückgehen. Über 15.000 Unternehmen sind im IKT-Bereich tätig und sichern dabei mehr als 100.000 Arbeitsplätze“, heißt es von der Wirtschaftskammer. Alleine in Österreich gibt es schon heute einen Mangel an mehr als 3.000 IKT-Fachkräften. Die Zukunft gehört Berufen wie Software-EntwicklerIn, System-AdministratorIn, WirtschaftsinformatikerIn, IT-AnwendungsberaterIn, ProgrammiererIn, NachrichtentechnikerIn, EDV-SystemtechnikerIn, KommunikationstechnikerIn, IT-ManagerIn, QualitätsmanagerIn oder AnalystIn.

MECHATRONIKERIN
Mechatronik ist die Schnittstelle zwischen Mechanik, Elektronik und Informatik. MechatronikerInnen sorgen dafür, dass die verschiedenen technischen Systeme perfekt zusammenarbeiten und alles störungsfrei funktioniert. Speziell bei der Optimierung von Produkten und Fertigungsprozessen gilt Mechatronik als einer der wichtigsten Innovationstreiber.
Egal, ob man eine Lehre absolviert hat oder AbgängerIn einer Universität ist, als MechatronikerIn hat man beste Karrierechancen in den unterschiedlichsten Branchen. Die Spezialisierungsmöglichkeiten reichen von der Kunststoff- oder Umwelttechnik und Elektromaschinentechnik über Maschinen-, Werkzeug- und Anlagenbau, Automatisierungstechnik, Schienenfahrzeugbau, die Automobilbranche, Luft- und Raumfahrzeugbau, Feinmechanik, Optik bis hin zur Medizinischen Technik, Orthopädie und Zahntechnik. Für Technikaffine bieten sich hier gut bezahlte Jobs mit Zukunftspotenzial.

GESUNDHEITSBERUFE
Digitale Technologien und E-Health-Konzepte werden oft als Innovationsmotor für ein modernes Gesundheitswesen genannt. Doch der Faktor Mensch ist und bleibt hier wichtig. Die Digitalisierung wird die Nachfrage nach akademischen und Assistenz-Berufen im Gesundheitswesen weiter anheizen. ÄrztInnen, Krankenschwestern  und -pfleger, AltenpflegerInnen, Hebammen und Geburtshelfer sind nicht durch Roboter oder Computer zu ersetzen. Doch in Zukunft zählt neben den sozialen Kompetenzen auch technisches Wissen zu den Voraussetzungen in Pflege- und Gesundheitsberufen. Die Abläufe in Gesundheitseinrichtungen werden bereits mittels moderner Informationsund Kommunikationstechnik optimiert. Ein weiteres Ziel ist, dass ÄrztInnen, Krankenhauspersonal und viele andere Beschäftigte in Gesundheitsberufen bald miteinander vernetzt sind.

BREITBANDAUSBAU ALS TURBO
Einen wesentlichen Bestandteil der Digitalisierung stellt der Ausbau der digitalen Infrastruktur und die Unterstützung des Ausbaus von Hochgeschwindigkeitsnetzen dar. Technologien wie Social Media, mobile Apps, Big Data, Cloud, aber auch ein verändertes Kundenverhalten stehen heute im Mittelpunkt der digitalen Transformation. Die Breitband-Milliarde des Infrastrukturministeriums, die sich derzeit in der Ausschreibungsphase befindet, könnte laut einer Studie des Wifo zusätzlich bis zu 1,2 Milliarden Euro an verbundener Wertschöpfung bringen und 14.700 Beschäftigte auslasten.

Neben Industrie und Produktion bietet das schnelle Internet auch eine Chance für den Handel. Doch dieser scheint die Digitalisierung etwas zu verschlafen. „Nur 30 Prozent der Handelsunternehmen sehen derzeit in der Nutzung von digitalen Vertriebskanälen für die Kundenbetreuung eine Chance“, erklärt CSC-Geschäftsführer Dietmar Kotras. „60 Prozent nehmen sich die Erstellung einer digitalen Agenda erst in den nächsten zwölf Monaten vor. Damit hat der Handel im Vergleich zu anderen Branchen noch massiven Aufholbedarf.“ Doch ob es um die Wartung und Aktualisierung der Website geht, um den Social-Media-Auftritt, einen Online-Shop, das Kassensystem oder die Warenwirtschaft, ExpertInnen für Digitales werden künftig ein fixer Bestandteil der Unternehmen sein.

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