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Land und Märkte

Traditionsunternehmen: Alpiner Gegenalltag

Ausgabe #3/2018 • Tourismus
Mila Frühbauer

Sie ist das größte Seilbahnunternehmen im Land Tirol, gemessen an der Zahl der "Aufstiegshilfen". Mit nicht weniger als 53 Seilbahnen und Liften erschließt die Bergbahnen Aktiengesellschaft Kitzbühel eines der attraktivsten Ski- und Wandergebiete Österreichs. Das vor genau 90 Jahren gegründete Unternehmen - wichtigster Aktionär ist die Gemeinde Kitzbühel - ist ein entscheidender touristischer Impulsgeber der Region. Nicht nur in der traditionell weltberühmten Wintersaison, auch mit dem Sommertourismus in der Region Kitz geht es bergauf. 

Josef Burger blickt mit der Bergbahnen AG Kitzbühel auf ein erfolgreiches Jahr 2017 zurück.
Geplante Investitionen in Höhe von 77 Millionen Euro sollen die Zukunft sichern.

Mit überdurchschnittlichen Leistungsergebnissen, einem ambitionierten Investitionsprogramm und einer auch sehr optimistischen Einschätzung der Sommersaison gibt sich das Management voll des Elans. Den Vorstandsvorsitzenden der Bergbahnen AG, Josef Burger, macht der Vergleich im Hinblick auf die vergangene Wintersaison sicher: „Die Branche konnte insgesamt sehr gute Ergebnisse erzielen, aber die Bergbahnen Kitzbühel liegen deutlich über den Tiroler Durchschnittswerten. Wir konnten die Beförderungserlöse um acht Prozent und die Erstzutritte um 3,1 Prozent steigern. Die langfristige Aufwärtsentwicklung ist ebenfalls recht beeindruckend: Gegenüber der Saison 2007/2008 sind die Beförderungserlöse nämlich um nicht weniger als 50 Prozent gestiegen.“

Unter TouristikexpertInnen ist unumstritten, dass der Sommer in den Bergen bei Erholungssuchenden an Attraktivität noch zulegen wird. Bei den Bergbahnen Kitzbühel sieht man das ebenso: „Die Sommersaison gewinnt an Bedeutung, das ist ein nachhaltiger Trend. Unser Unternehmen konnte in den Jahren 2010 bis 2017 die Beförderungserlöse in der Sommersaison um 80 Prozent steigern. Das Interesse an einem Sommerurlaub in der Frische der alpinen Bergwelt wird immer größer“, sagt Burger, der den sommerlichen Strukturwandel aus der Bergstation-Warte skizziert. Die pralle Sonne am Meeresstrand verliere für die UrlauberInnen an Attraktivität. Immer mehr Menschen wollten der Hitze der Stadt – gleichsam in einem „alpinen Gegenalltag“ – in den Bergen der heimischen Alpen entgehen. Dabei wünschten sie ein aktives Urlaubserlebnis in einem gemäßigten Klima, schätzten die Möglichkeit einem gesunden Lebensstil zu frönen und seien natürlich vital an einer perfekten Infrastruktur interessiert.

Die Seilbahnwirtschaft ist in der Vergangenheit ökologisch nicht immer unumstritten gewesen. Doch in Kitzbühel versucht man den Schutz der Natur mit der Funktion als Motor der regionalen Wertschöpfung optimal zu kombinieren. Diese darf man nicht unterschätzen. Dazu ein Beispiel: Der Multiplikator-Effekt der Seilbahnunternehmen liegt im Hinblick auf die Wertschöpfung bei Faktor 7. Soll heißen, dass 1.000 Euro Lohnsumme einen regionalen Wertschöpfungseffekt von 7.000 Euro auslösen. 43 Millionen Euro an Erlösen der Bergbahnen in der Wintersaison bewirken ein Ausgabenvolumen der Gäste von 170 Millionen Euro in der Region. Weitere ökonomische Impulse, die von dem bereits 1928 gegründeten Unternehmen ausgehen, sind etwa Aufträge an die regionale Bauwirtschaft. Die Instandhaltung von Berg- und Almstraßen lässt man sich jährlich rund 300.000 Euro kosten, und auch die sogenannten Dienstleistungsverträge mit der örtlichen Landwirtschaft stärken die Almbauern. „Wir haben beispielsweise rund 100 Kilometer an Weidezäunen errichtet und leisten damit wertvolle Hilfe zur Sicherung landwirtschaftlicher Strukturen“, so Burger zur Symbiose eines Verkehrsunternehmens mit der Agrarwirtschaft.

Ökologische Aspekte und der Klimawandel hängen eng zusammen. Wie reagiert ein Bergbahnbetreiber, dessen Hauptsaison noch immer im Winter stattfindet, auf den Klimawandel? Vorstandschef Burger sieht das entspannt: „Ja, es kommt zu Änderungen im Klimaverlauf. Der Schnee kommt nicht immer dann, wenn wir ihn brauchen. Daher ist die Grundbeschneiung unverzichtbar. Doch für uns gilt dabei nicht das Maximieren der Mengen, sondern das Minimieren der Zeit, die dafür gebraucht wird.“ Diese Beschneiung dauere in der Regel vier Tage. Aber es gelte das Prinzip, dass bei sonnenexponierten Liftanlagen nicht unter einer Seehöhe von 1.450 Meter beschneit wird. Die Beschneiung werde also optimiert, aber nicht quantitativ ausgeweitet, unterstreicht Burger.

Die Betriebsleistung hat im Vorjahr mehr als 52 Millionen Euro ausgemacht und verzeichnet überdurchschnittliche Zuwachsraten. Damit ist auch die Grundlage für die Investitionstätigkeit geschaffen, denn der technische Fortschritt zwischen Tal- und Bergstation ist beachtlich. Die Bergbahnen AG Kitzbühel wird bis 2020 rund 77 Millionen Euro investieren. Darunter fällt etwa auch die Modernisierung der Seilbahn auf das Kitzbüheler Horn. „Wir setzen beim Investieren auf den Ersatz von Anlagen im Hinblick auf mehr Komfort für die Gäste. Es ist nicht unser Ziel die Kapazitäten zu erhöhen, auch wenn die Modernisierung einer Anlage gelegentlich zu einem leichten Anstieg der Förderleistung führt. Derzeit liegt die Förderkapazität unseres Seilbahn- und Liftnetzes zwischen 1.400 und 1.600 Personen pro Stunde und dabei soll es im Wesentlichen bleiben“, erkärt Burger.

Auch verkehrspolitisch ist im Umfeld einiges zu tun: Neben dem Individualverkehr muss die Anbindung an den öffentlichen Verkehr komfortabler gestaltet werden. Das betrifft vor allem die Ski-Busse der Post und die ÖBB. Übrigens: Der Fluggast wird wichtiger, denn die CEE-Länder als Herkunftsmärkte gewinnen klar an Bedeutung, gerade für „Kitz“.

Die Digitalisierung erreicht auch die Bergbahnwirtschaft: Im Zuge der Digital Sales soll der Gast die Möglichkeit bekommen etwa via Handy ein Ticket zu buchen, um sich dann die Wartefrist an Ort und Stelle bei den Talstationen zu ersparen. Auch das gehört zur Seilbahn der Zukunft. Sie ist auf Qualität ausgerichtet. Da muss Kitzbühel eine Vorreiterrolle spielen …

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