Sparkassen Zeitung

Economy

Für den Beruf brennen

Ausgabe #1/2020 • Female Edition
Helene Tuma

ERFOLGREICHE UNTERNEHMERINNEN SIND VORBILDER FÜR VIELE JUNGE FRAUEN UND ZEIGEN, DASS DER AUFSTIEG IN DIE FÜHRUNGSEBENE KEINE AUSNAHME MEHR IST. NOTWENDIG SIND DURCHHALTEVERMÖGEN, MUT, VERANTWORTUNGSBEWUSSTSEIN, KAUFMÄNNISCHE KOMPETENZ UND VOR ALLEM FREUDE AN DEM, WAS MAN TUT.

Eine jener Frauen, die erfolgreich ihren Karriereweg gehen, ist Dorothee Ritz. Als General Managerin von Microsoft Österreich hat sie in der Männerdominierten IT-Branche eine Spitzenposition erreicht. Für sie nichts Außergewöhnliches, denn sie hat sich, dank der offenen Unternehmenskultur bei Microsoft, nie als „Frau in der IT“ gefühlt. „Hier werden Frauen sehr bewusst gefördert und es gab immer so viele auf allen Führungsebenen, dass ich mich sehr wohlgefühlt habe. Natürlich ist der Anteil männlicher Branchenvertreter höher und die Zahl der weiblichen Studienanfänger in technischen Bereichen leider stark rückläufig – daher müssen wir alle gemeinsam daran arbeiten, eine Trendwende einzuleiten. Technik braucht alle Talente und 50 Prozent sind Frauen. Ihre Fähigkeiten für diesen Bereich nicht zu nutzen ist ein Luxus, den wir uns in Hinblick auf die Zukunft nicht leisten wollen und können“, erklärt Dorothee Ritz.

Dorothea Ritz,
General Managerin von Microsoft Österreich,
legt jungen Frauen ans Herz, die IT in die Ausbildung
miteinfließen zu lassen.

Ihr Weg begann 2004 bei Microsoft Deutschland, wo sie in unterschiedlichen Führungspositionen tätig war. Unter anderem war sie drei Jahre für Projektentwicklung und Projektmanagement auf internationaler Ebene verantwortlich. Im Juli 2015 wechselte sie als General Managerin nach Österreich. Als Ratschlag möchte sie jungen Frauen Folgendes mit auf den Karriereweg geben: „Das Wichtigste ist, sich Branchen und Unternehmen mit Unternehmenskulturen auszusuchen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt. Etwas, was ich jedem jungen Menschen, aber insbesondere Frauen, ans Herz legen möchte, ist, die IT in die Ausbildung miteinfließen zu lassen. In Zukunft werden bei einem großen Teil der Jobs Kenntnisse in den MINTFächern notwendig sein. Hier ist es nötig, auch Mädchen mit an Bord zu holen, denn wir werden dabei auf die weiblichen Talente unseres Landes nicht verzichten können.“

MUT ZUR SELBSTSTÄNDIGKEIT

„Wenn man für eine Idee, ein Thema oder einen Beruf brennt, muss man den Mut haben den eigenen Weg zu gehen. Dass dieser Weg nicht immer einfach ist, liegt auf der Hand“, ist Katharina Schneider überzeugt. Sie brennt für MediaShop seit 2006, als sie den mäßig erfolgreichen Teleshopping-Betrieb übernahm und in ein international erfolgreiches Omnichannel-Unternehmen verwandelte, das mittlerweile in über 40 Ländern erfolgreich tätig ist. Als besonders wesentlich erachtet sie die Art der Kommunikation. „Mir sind Menschlichkeit und Achtsamkeit besonders wichtig. Ich habe grundsätzlich die Einstellung, dass unsere Gedanken unser gesamtes Leben bestimmen. So, wie wir denken und wie wir sprechen, so beeinflussen wir nicht nur unser eigenes Leben, sondern das Leben unseres gesamten Umfeldes. Je wertschätzender, je achtsamer ich mit mir und mit meiner Umwelt umgehe, desto besser. Das heißt nicht, dass man keine unpopulären Entscheidungen treffen kann und alles eitel Wonne ist. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, aber es geht immer um die Art und Weise“, so Schneider. Das spiegelt sich im Unternehmen wider und auch deshalb ist die MediaShop GmbH bei Great Place to Work, dem unabhängigen Ranking für die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen, unter den Top Ten in Österreich. Katharina Schneider ermutigt sehr viele, vor allem junge Frauen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. „Das muss ja kein Millionenkonzern werden, es reicht schon, wenn man seine Familie ernähren kann. Selbstständigkeit bietet Freiheit, aber da gehört eben Mut dazu. Da bin ich jemand, der unterstützend wirken kann.“

Geschäftsführerin Katharina Schneider
hat MediaShop zu einem international erfolgreichen
Omnichannel-Unternehmen gemacht.

ERFOLGREICH IN EINER MÄNNERDOMÄNE

In einer ganz anderen Branche ist Ingrid Groiss erfolgreich. Die Jungwinzerin übernahm im Jahr 2010 das in Breitenwaida, Niederösterreich, befindliche elterliche Weingut. Die studierte Ökonomin und Önologin setzt auf naturnahen, behutsamen Weinbau. „Leidenschaft, Gefühl und Zielstrebigkeit. Mit diesen drei Worten würde ich mich selbst beschreiben. Obwohl mich meine Ausbildung und Berufserfahrung zuerst in eine andere Richtung geleitet haben, habe ich schnell gemerkt, wo meine wahren Wurzeln sind und wofür mein Herz schlägt. Bald kam der Entschluss die Familientradition fortzuführen. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, die eigenen Ideen bei einer Betriebsübernahme verwirklichen zu können“, erklärt Ingrid Groiss. Der Weinbau ist allerdings nach wie vor eine Männerdomäne. Starke Winzerinnen wie Birgit Eichinger oder Birgit Braunstein haben schon vor vielen Jahren gezeigt, dass man auch als vermeintlich „schwache“ Frau im Weinbau erfolgreich seinen Weg gehen kann. „Diese Vorreiterinnen haben den Weg für eine nachfolgende Generation bereits ein wenig bereitet und ich freue mich, dass es immer mehr Frauen gibt, die sich bewusst entscheiden eine Landwirtschaft oder einen Weinbaubetrieb zu führen. Natürlich gibt es aber immer noch Zweiflerinnen und Skeptikerinnen, die so etwas einer Frau nicht zutrauen oder eine männliche Hand im Hintergrund unterstellen“, so Groiss. Die Jungwinzerin hofft, dass ihr Weg auch andere Frauen motiviert, sich in eine klassische Männerdomäne vorzuwagen. „Das betrifft aber natürlich nicht nur den Weinbau. Ich wünsche mir, dass viele Frauen den Mut aufbringen, selbstbewusst und stark genug sind, den Weg zu beschreiten, der sie erfüllt und glücklich macht. Auch wenn vielleicht zu Beginn ein frauenuntypischer Karriereweg von anderen belächelt wird.“

KIND-UND-KARRIERE-ROLE-MODEL

Wie gut das Miteinander in einem Familienunternehmen funktionieren kann, wenn die nächste Generation übernimmt, zeigt Ulrike Ehrlich. Die Chefdesignerin ist seit über 20 Jahren als Frontfrau des Familienbetriebes Sportalm Kitzbühel erfolgreich. Ab 2020 führt sie das Unternehmen für Mode, Tracht und Skimode eigenständig als einzige Gesellschafterin und Geschäftsführerin und ist damit in eine neue Rolle vorgerückt, denn sie leitet neben dem kreativen Geschäft auch das Unternehmen als Ganzes. Ein Prozess, der für sie nur logisch war, hatte sie doch Zeit in diese Rolle hineinzuwachsen. Deshalb gab es auch keine Generationenkonflikte, als sie eine Führungsposition im Betrieb übernahm. „Bei uns ging das sehr gut, das dürfte an der Vater-Tochter-Konstellation liegen, die scheinbar eine sehr viel reibungsfreiere ist als Vater-Sohn. Ganz wichtig ist aber auch, dass jeder seinen eigenen Bereich hat, in dem er oder sie autonom entscheiden kann“, erklärt Ulli Ehrlich. Die erfolgreiche Unternehmerin sieht durchaus, dass sie eine Vorbildfunktion für andere Frauen einnimmt. „Ob man will oder nicht, ja, die Vorbildfunktion hat man. Bei mir als fünffache Mutter wird das Kind-und-Karriere- Role-Model oft zitiert. Aber das ist ja auch in Ordnung und schön. Jede heranwachsende junge Frau schaut, wie es die anderen gemacht haben“, so Ehrlich. Ihr Ratschlag: „Hört auf euer Herz! Nur in euch drin ist zu finden, wonach ihr sucht. Das bezieht sich nicht nur auf das private Glück, sondern sehr wohl auch auf die Berufswahl.“

Ulli Ehrlich ist seit über 20 Jahren
die Frontfrau von Sportalm Kitzbühel. Ab 2020 führt sie das Unternehmen
als einzige Gesellschafterin und Geschäftsführerin.

POSITIVE ENTWICKLUNG

Seit 1985 ist Birgit Freudenthaler im Familienbetrieb Sija Schmuck in Enns tätig. 2001 übernahm sie das Familienunternehmen und leitet es nun in dritter Generation. Sija Schmuck ist mit einer Exportquote von 90 Prozent international ausgerichtet, neben den USA sind Frankreich, Japan und Spanien wichtige Absatzmärkte für den handgefertigten Modeschmuck. Geschäftsführerin Birgit Freudenthaler wurde deshalb mit dem Unternehmerinnen-Award 2020 in der Kategorie „Export“ ausgezeichnet. „Als exportorientiertes Unternehmen wissen wir, wie umkämpft der Markt ist und dass man sich nur durch Kundenorientierung und höchste Qualität in der Fertigung vom Mitbewerb abheben kann. Gerade deshalb stellt dieser Award unsere Leistung noch mehr in den Vordergrund und zeigt, dass auch kleine, familiengeführte Unternehmen international erfolgreich sein können“, erklärt Freudenthaler. Wie sieht sie als erfolgreiche Unternehmerin die Karrierechancen junger Frauen? „Es findet sicherlich eine positive Entwicklung statt. Netzwerke wie ‚Frau in der Wirtschaft‘ unterstützen ambitionierte Frauen bei der Verwirklichung ihrer Ideen und geben ihnen eine Plattform, sich einer großen Öffentlichkeit zu präsentieren. Zudem braucht es gerade Auszeichnungen wie den Unternehmerinnen-Award, der auf die starke Rolle der Unternehmerin in Österreich aufmerksam macht.“ Trotz ihres Erfolges würde Birgit Freudenthaler nicht dazu raten, die Entscheidung Unternehmerin zu werden unüberlegt oder spontan zu treffen. „Denn der Job verlangt Durchhaltevermögen, Mut, Verantwortungsbewusstsein, kaufmännische Kompetenz und vor allem Freude am Tun.“

Freudenthaler
Sija-Schmuck-Geschäftsführerin Birgit Freudenthaler wurde
mit dem Unternehmerinnen-Award 2020 in der Kategorie „Export“ ausgezeichnet

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