Sparkassen Zeitung

Economy

Gesund und glücklich?

Ausgabe #4 September/2021 • GESUND UND FIT
Stephan Scoppetta

GELD IST DER MOTOR UNSERER WIRTSCHAFT, ABER AUCH DER GRUNDSTOFF FÜR GLÜCK UND GESUNDHEIT. DAS PROBLEM: GELD IST NICHT GERECHT VERTEILT. WAS LÄSST SICH FÜR EINE GERECHTERE WELT TUN? WIE KANN MAN SELBST MEHR WOHLSTAND SCHAFFEN, GLÜCKLICHER WERDEN UND TROTZDEM GUTES TUN?

Laut dem im Juni 2021 veröffentlichten Capgemini-Vermögensreport leben in Österreich 163.300 Dollar-MillionärInnen. Sogar in der Corona-Krise legte die Zahl der MillionärInnen um 8.000 Personen zu. Alle gemeinsam verfügen heute über ein Vermögen von 451 Millionen Euro. Ohne Neid könnte man nun sagen, dass Geld nicht glücklich macht und es auf Werte wie Familie oder Freunde ankommt. Aber das stimmt nur bedingt, denn Geld macht tatsächlich glücklicher sowie gesünder und mittlerweile haben Glücksforscher herausgefunden, dass, je mehr Geld man hat, desto glücklicher man ist.

MEHR GELD BEDEUTET MEHR WOHLBEFINDEN

Während Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman und Ökonom Angus Deaton von der Princeton University 2010 für maximales Glück und Wohlbefinden auf einen Wert von 75.000 US-Dollar Jahresgehalt kamen, weil der Grenznutzen abnahm, so widerspricht nun der Psychologe Matthew Killingsworth von der University of Pennsylvania mit einer neuen Studie. Dafür wurden mehr als 33.000 erwerbstätige Erwachsene in den USA befragt und 1,7 Millionen Einzeldaten ausgewertet und das Ergebnis war, dass nicht nur die allgemeine Lebenszufriedenheit, sondern auch das tägliche emotionale Wohlempfinden mit wachsendem Haushaltseinkommen stieg und das weit über eine Summe von 80.000 US-Dollar hinaus. Als einen der Gründe nennt er, dass reiche Menschen das Gefühl hätten, mehr Kontrolle über ihr Leben zu haben. Er gibt auch keinen oberen Grenzwert an. Doch laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahr 2020 geht es nicht nur darum, was man sich mit viel Geld kaufen kann, sondern Erlebnisse machen glücklicher als Güter, weil sie sich weniger abnutzen. Zudem mache es auch glücklich, wenn man Geld nicht nur für sich, sondern auch für andere ausgeben kann. Aber das sind natürlich nur Statistiken, denn im Einzelfall gibt es kreuzunglückliche MillionärInnen genauso wie Menschen mit geringerem Einkommen und hohem Wohlbefinden.

REICHTUM MACHT GESUND Wohlhabende Menschen fühlen sich nicht nur wohler, sondern sind auch gesünder und leben länger. Ein Forscherteam um Paola Zaninotto vom University College London hat die Lebenserwartung von mehr als 25.000 Menschen in den USA und in England untersucht. In der Langzeitstudie analysierten die WissenschaftlerInnen sozioökonomische Faktoren, die zu einem langen und gesunden Leben beitragen. Das Ergebnis der Studie war eindeutig: Wer wohlhabend ist, hat im Durchschnitt neun gesunde Lebensjahre mehr als jemand, der arm ist. Reiche 50-jährige Männer in beiden Ländern, die sich an der Studie beteiligten, lebten durchschnittlich 31 weitere gesunde Jahre, arme Männer dagegen nur 22 bis 23 Jahre. Ähnlich der Effekt für Frauen: Wohlhabende lebten 33 weitere gesunde Jahre, arme nur 24 bis 25 Jahre.

AUCH EINE STUDIE DER STADT WIEN BELEGT, DASS SOZIAL BENACHTEILIGTERE GRUPPEN ÖFTER VON DIABETES, HERZ-KREISLAUFERKRANKUNGEN, KREBS UND DEPRESSIONEN BETROFFEN SIND. URSACHE DAFÜR: JE NIEDRIGER DIE SOZIALE POSITION, DESTO MEHR IST MAN CHRONISCHEM STRESS AUSGESETZT.

LEIDER MACHT ARMUT KRANK

Besonders die Pandemie trifft arme Menschen härter und das zeigt auch die aktuelle Studie „Gesundheitliche und sozioökonomische Belastung durch die Covid-19-Pandemie in Wien (2021)“, die von Moritz Oberndorfer von der MedUni Wien und seinen KollegInnen durchgeführt wurde. Befragt wurden rund 1.000 Personen aus Wien während eines harten Lockdowns. Laut den Ergebnissen haben sich bei einem Viertel die psychische und bei 14 Prozent die körperliche Gesundheit verschlechtert. Besonders Menschen in den untersten 20 Prozent der Einkommensverteilung hatten eine doppelt so hohe Chance, dass sich aufgrund der Pandemie die selbst eingeschätzte psychische Gesundheit verschlechtert – verglichen mit den obersten 20 Prozent. Rund sechs Prozent der Befragten zeigten Symptome einer akuten Belastungsstörung.

PANDEMIE MACHT UNGLEICHHEIT SICHTBARER

Der Zusammenhang zwischen sozialem Status und Gesundheit wurde schon in der Vergangenheit in zahlreichen Studien bestätigt. Laut Oberndorfer sind Ungleichheiten durch die Pandemie nur sichtbarer geworden, aber gegeben hat es diese schon vorher. Auch eine Studie der Stadt Wien belegt, dass sozial benachteiligtere Gruppen öfter von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Depressionen betroffen sind. Ursache dafür: Je niedriger die soziale Position, desto mehr ist man chronischem Stress ausgesetzt. Der chronische Stress löst Prozesse im Körper aus, die langfristig dem Körper schaden, weil sie etwa das Immunsystem schwächen – wodurch man anfälliger für Krankheiten ist.

FRAUEN BESONDERS GEFÄHRDET

Laut Statistik Austria gab es im Jahr 2020 in Österreich 1.529.000 Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdete – das entspricht 17,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Dabei teilt sich diese Gruppe wie folgt auf: 350.000 Kinder und Jugendliche sowie 642.000 Frauen und 537.000 Männer ab 18 Jahren sind von Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung betroffen. Das Risiko von Kindern und Jugendlichen für Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung beträgt 22 Prozent und liegt damit über dem Schnitt der Gesamtbevölkerung von 17,5 Prozent. Auch Frauen ab 18 Jahren sind mit einer Risikoquote von 17 Prozent häufiger armuts- oder ausgrenzungsgefährdet als Männer (15 Prozent). Es sind die Unterbrechungen im Berufsleben und geringere Arbeitszeiten, die Benachteiligungen von Frauen beim Erwerbseinkommen verursachen. Nicht zuletzt führt das auch dazu, dass Frauen bei den Pensionen und Ersatzleistungen für Arbeitslose aufgrund der engen Koppelung an das Erwerbseinkommen wesentlich schlechter gestellt sind als Männer. Es sind also Kinder, Frauen im Alter, AlleinerzieherInnen, Langzeitarbeitslose und Menschen mit chronischer Erkrankung, die in Österreich ein besonders hohes Risiko haben, in die Armut abzurutschen.

BILDUNG ALS SCHLÜSSEL

Die Ursache von Armut wird häufig auch in einem engen Zusammenhang mit einem Mangel an Bildung gesehen. Eine geringe Bildung verschlechtert die Chancen auf einen guten Ausbildungsplatz und einen auskömmlich bezahlten Arbeitsplatz. Studien in Österreich belegen aber, dass auch Bildung von Einkommen abhängt. Je weniger die Eltern eines Kindes verdienen, desto eher wechseln die Kinder nicht in die AHS-Unterstufe, auch wenn sie laut Volksschulzeugnis die AHS-Reife hätten. Das setzt sich fort über die Oberstufe bis hin zum Studium. Gerade in einer Wissensgesellschaft, in der wir mittlerweile leben, wird Bildung zum Karriere-Motor.

ERSTE BANK UND SPARKASSENGRUPPE SIND AKTIV

Um die Armut und den Bildungsnotstand in Österreich zu bekämpfen, braucht es nicht nur staatliche Instrumente, sondern auch die Zivilgesellschaft und private Unternehmen sind hier gefordert ihren Beitrag zu leisten. Erste Bank und Sparkassen haben im Rahmen ihres Kerngeschäfts wirkungsvolle Möglichkeiten, ihrem Gründungsgedanken und sozialen Auftrag gerecht zu werden. Insbesondere im Zusammenspiel mit nationalen und internationalen Institutionen lassen sich diese Möglichkeiten bedeutend hebeln. So erlauben Garantieprogramme des Europäischen Investitionsfonds (EIF), der als Partner der Sparkassengruppe agiert, die Vergabe von maßgeschneiderten Finanzierungen für soziale und ökologisch nachhaltige Zwecke.

Davon profitieren nicht nur Spendenorganisationen, die ihre Aktivitäten damit noch wirkungsvoller gestalten und ausbauen können. Auch sozial und ökologisch orientierten GründerInnen (Social Entrepreneurs) wird der Zugang zu Fremdkapital erleichtert. Von Langzeitarbeitslosigkeit betroffene Menschen können dank Kooperation zwischen Instituten aus dem Sparkassensektor, dem Arbeitsministerium und einer Garantie des EIF den Sprung in die Selbständigkeit wagen. Schwerpunkte wie leistbares Wohnen oder der Zugang zum Arbeitsmarkt können damit besonders wirkungsvoll vom Sparkassensektor begleitet werden. Hilfe zur Selbsthilfe leisten auch die österreichweiten Niederlassungen der Zweite Sparkasse. Die engagierten ehrenamtlichen MitarbeiterInnen versorgen KundInnen dabei nicht nur mit Konto und Betreuung, sie bieten darüber hinaus Finanzbildungsworkshops an und stärken damit das Wissen sowie das Gespür für ein gesundes Geldleben.

Mehr Informationen unter: www.sparkasse.at

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