Sparkassen Zeitung

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Der neue Bankprüfverband

Ausgabe # Juli/2022 • FINANZIELLE GESUNDHEIT
Kai Schubert und Gerhard Margetich

DER SPARKASSEN-PRÜFUNGSVERBAND HAT GEMEINSAM MIT DEN RAIFFEISEN REVISIONSVERBÄNDEN UND DEM ÖSTERREICHISCHEN GENOSSENSCHAFTSVERBAND DEN VERBAND DER DEZENTRALEN BANKPRÜFUNGSVERBÄNDE ÖSTERREICHS (KURZ „BANKPRÜFERVERBAND“) GEGRÜNDET. DER NEUE VERBAND SOLL EINERSEITS ALS GEMEINSAME INTERESSENSVERTRETUNGSPLATTFORM DIENEN UND ANDERERSEITS SYNERGIEN IM BEREICH DER AUS- UND FORTBILDUNG VON BANKPRÜFER:INNEN IM SPARKASSENSEKTOR, IM VOLKSBANKENSEKTOR UND IM RAIFFEISENSEKTOR HEBEN.

Die Idee eines gemeinsamen Interessensvertretungsverbandes entstand bereits vor rund zehn Jahren, als sich der Sparkassen- Prüfungsverband, der Österreichische Genossenschaftsverband und der Österreichische Raiffeisenverband in Brüssel gut abgestimmt für regulatorische Rahmenbedingungen einsetzten, die den Fortbestand der Genossenschaftsverbände und der Sparkassen-Prüfungsverbände in Österreich, Deutschland und Italien sichergestellt haben. Seit einigen Jahren hat man in der Bankprüferbranche wie in vielen anderen Wirtschaftsbereichen einen akuten Fachkräftemangel festgestellt, von dem auch der Genossenschafts- und der Sparkassen-Prüfungsverband betroffen sind. Um dieses Problem gemeinsam zu lösen, will man nun unter den Prüfungsverbänden verstärkt zusammenarbeiten. Das erste große Projekt ist bereits auf Schiene: Ab der zweiten Jahreshälfte 2022 wird es zertifizierte Bankprüfungsmanager: innen geben, die bei Sparkassen die Prüfung der Bank koordinieren und abwickeln sollen.

Die Gründung des Verbandes erfolgte im Rahmen der Gründungsgeneralversammlung am 1. Dezember 2021. Statt eines feierlichen Aktes aller Verbände in einer großen Runde musste man sich aber bedingt durch den damaligen Lockdown mit einer sehr kleinen Runde begnügen. Gerhard Margetich, Vorstandsvorsitzender des Sparkassen- Prüfungsverbands und einer der „Gründungsväter“ des Bankprüferverbands, hat für den Sparkassen-Prüfungsverband gemeinsam mit den Vertreter:innen der Raiffeisenverbände und des Österreichischen Genossenschaftsverbandes den Bankprüferverband in einer sehr kleinen Runde zur Welt gebracht.

Was macht die Ausbildung zu zertifizierten Bankprüfungsmanager: innen für junge Talente so interessant?

Junge Universitätsabsolvent:innen suchen heutzutage Jobs, die ihnen interessante Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten ermöglichen und Aufstiegschancen bieten. Um noch besser zu zeigen, dass gerade beim Sparkassen-Prüfungsverband und in Genossenschaftsrevisionsverbänden beides gegeben ist, hat man sich entschieden, sektorübergreifend den zertifizierten Bankprüfungsmanager, die zertifizierte Bankprüfungsmanagerin zu schaffen. Wer dieses Zertifikat erwirbt, kann somit sektorübergreifend die eigene Kompetenz mit einem Zertifikat belegen. Die zertifizierten Bankprüfungsmanager: innen werden in allen wesentlichen Bereichen der Bank über fundierte betriebswirtschaftliche und rechtliche Kenntnisse verfügen. Im Rahmen der Ausbildung wird auch auf Managementfähigkeiten wie Teamführungskompetenz geachtet. Die erworbenen Kompetenzen lassen sich nicht nur in besonderem Ausmaß in der Revision einsetzen. Auch für Banken jedweder Größe sind zertifizierte Bankprüfungsmanager:innen interessante Kandidat:innen – sowohl auf Experten- als auch auf Führungskräfteebene.

Wie sieht das Kompetenzprofil der zertifizierten Bankprüfungsmanager:innen aus?

Für den Antritt zur Zertifizierung sind die folgenden sieben Kompetenzen erforderlich:

  • Prüfungsmethodik inklusive Nachhaltigkeitsprüfung
  • (Bank-)Rechnungslegung
  • Aufsichtsrecht
  • Bankbetrieb/Banksteuerung/Risikomanagement
  • Kreditprüfungskenntnisse
  • Treasuryprüfungskenntnisse
  • Soft Skills (Kommunikation, Führung)

Ein wesentlicher Aspekt der Ausbildung wird auch im Bereich Digital Audit liegen. Dadurch soll eine hohe Kompetenz im Umgang mit und im Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie im Rahmen der Abschlussprüfung sichergestellt werden. Digital Audit fließt als integrierte Kompetenz bereits jetzt in alle Fachbereiche ein.

Für den Sparkassen-Prüfungsverband hat der Ausbildungsbeauftragte, Gregor Seisser, an der Entstehung des Kompetenzprofils federführend mitgearbeitet; das Personalentwicklungs- Know-how des Sparkassen-Prüfungsverbands ist hier in besonderem Maß eingeflossen. Die Mitarbeiter:innen des Sparkassen-Prüfungsverbands verfügen bereits über gutes Know-how in den oben genannten Kompetenzfeldern; ergänzende Weiterbildung ist nur in wenigen Teilbereichen notwendig. Es ist daher davon auszugehen, dass die ersten Kandidat:innen bereits in wenigen Monaten mit dem Zertifizierungsprozess starten können.

Wie ist der neue Verband organisiert?

Oberstes Organ des Verbandes ist die Generalversammlung, in welcher die acht Landesrevisionsverbände und der Österreichische Raiffeisenverband gemeinsam 50 Prozent der Stimmrechte haben. Die übrigen 50 Prozent verteilen sich auf den Österreichischen Genossenschaftsverband und den Sparkassen-Prüfungsverband. Der Vorstand als Leitungsorgan besteht aus Präsident Gerhard Margetich (Vorstandsvorsitzender des Sparkassen-Prüfungsverbandes), Vizepräsident Robert Makowitz (Revisionsvorstand des Österreichischen Genossenschaftsverbandes) und Michael Laminger als Vorstandsmitglied. Für Raiffeisen war es im Zuge der Gründung des Verbandes wichtig als größter Sektor ein Zeichen des Vertrauens zu setzen. So haben sich die Raiffeisenverbände entschlossen, ein zustehendes weiteres Vorstandsmandat derzeit nicht zu besetzen und auch auf das Amt des Präsidenten, der Präsidentin zu verzichten. Für alle Beteiligten stand im Zuge der Verbandsgründung im Vordergrund, dass sich der Verband auf Basis dieses gemeinsamen Vertrauens rasch und gut im Sinne aller Verbandsmitglieder entwickeln soll.

Welches Arbeitsprogramm hat sich der neue Bankprüferverband für 2022 vorgenommen?

Im Jahr 2022 wird der neue Verband insbesondere mit der Umsetzung der organisatorischen und operativen Voraussetzungen für die Tätigkeit des Vereins und der Festlegung der inhaltlichen Ausrichtung und Zielsetzungen beschäftigt sein. Weiters gilt es den Verein bei den relevanten Stakeholdern, insbesondere im öffentlichen Bereich, bekannt zu machen. Die Umsetzung der Ausbildung zu zertifizierten Bankprüfungsmanager:innen soll im zweiten Halbjahr abgeschlossen sein. Dabei wird es auch notwendig sein, nachzudenken, wie man insbesondere junge Frauen zur Absolvierung der zertifizierten Bankprüfungsmanagerin motiviert. Die Zusatzausbildung soll helfen, im Rahmen der Führungskräfteauswahl von Prüfungsverbänden mehr weibliche Kandidatinnen zur Auswahl zu haben. Mit mehr weiblichen Kandidatinnen wird es mittel- bis langfristig auch mehr weibliche Führungskräfte in Bankprüfungsverbänden geben. Wie weit die Kooperation beim Thema Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten gehen wird, wird in den nächsten Wochen und Monaten auf Basis der europäischen Gesetzgebung noch entschieden. Insgesamt sollen die zertifizierten Bankprüfungsmanager:innen und die Tätigkeit des Vereins sicherstellen, dass die vom dezentralen Verband geprüften Banken auch weiterhin als besonders gut geprüft und sicher gelten.

Wie werden die Sparkassen von der Gründung des neuen Verbandes profitieren?

Die Bankprüfung der Genossenschaftsverbände und des Sparkassen-Prüfungsverbandes weisen bereits heute eine hohe Qualität auf. Aber wer gut ist, darf nicht aufhören bessern zu werden! Diesem Motto verpflichtet, will man durch hohe Prüfungsqualität die Sparkassen auch weiterhin bei ihrer immer schwieriger werdenden Tätigkeit unterstützen. Der neue Verband soll dabei gewährleisten, dass jeder von den Stärken anderer Verbände lernen kann; die weiterhin steigenden Anforderungen an Sparkassen und den Sparkassen-Prüfungsverband sowie die damit verbundene Ausweitung der bestehenden Prüfungsaufgaben erfordern es noch besser und effizienter zu werden. Die Sparkassen werden daher in besonderem Ausmaß vom neuen Bankprüferverband profitieren.

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