Sparkassen Zeitung

Economy

Mehr als eine Ausstellung: Erste Financial Life Park

Anita Traverso

Für die Sparkassen hat die Vermittlung von Finanzwissen schon lange Tradition. Jährlich wird mehr als 37.000 SchülerInnen österreichweit der verantwortungsvolle Umgang mit Geld durch ReferentInnen der Sparkassen näher gebracht. Die Erste Group hat dieses Thema weiterentwickelt und etwas in Europa Einzigartiges geschaffen – den Erste Financial Life Park (FliP). Seit dem Probebetrieb Mitte Mai haben 1.000 SchülerInnen an Touren teilgenommen, Ende Oktober erfolgte der große Start. Den Leiter des „FLiP“, Philip List, haben wir in einem Interview dazu befragt.

Sparkassenzeitung: Herr List, was ist der Erste Financial Life Park und was macht ihn so einzigartig in Europa?
Philip List: Der Erste Financial Life Park, oder kurz FLiP, ist ein Ort, an dem wir auf einzigartige Art und Weise Finanzwissen vermitteln. Einzigartig macht uns die Kombination aus digitaler, multimedialer und persönlicher Vermittlung. Weltweit gibt es noch zwei ähnliche Einrichtungen in Mexiko und in Turin. Primäre Zielgruppe sind Jugendliche ab zehn Jahren. Wir konzentrieren uns jetzt einmal auf Schulklassen und Gruppen, im nächsten Jahr wollen wir dann an Samstagen die Türen auch für Familien öffnen.

Was kann man sich unter digital, multimedial und persönlich vorstellen?
List: Digitale und multimediale Vermittlung im FLiP bedeutet, dass wir den Besuchern sogenannte Wallets – speziell konfigurierte iPads – zur Verfügung stellen, die mit den Objekten in den einzelnen Stationen durch modernste Kommunikationstechnologien interagieren und so weitere Informationen anzeigen. Neben dem Einsatz von Videos ist die persönliche Kommunikation für den Lernerfolg essenziell. Unsere Vermittler begleiten die Besucher durch die Stationen, indem sie Inhalte erklären und laufend Feedback geben. Sie setzen Schwerpunkte, wo es Verständnisschwierigkeiten gibt.

Warum sprechen Sie gerade Jugendliche an, und was wird den TeilnehmerInnen im FLiP vermittelt?
List: Je früher und konsequenter man mit dieser Thematik beginnt, desto besser. Wir wollen den Kindern und Jugendlichen vermitteln, wie wichtig es ist, sich mit Geld und der finanziellen Situation zu beschäftigen, um später selbstbewusster Fragen stellen und sinnvolle finanzielle Entscheidungen treffen zu können. So unterstützen und stärken wir die finanzielle Selbstverantwortung und das Risikobewusstsein. Beides sind grundlegende Voraussetzungen für ein gesundes Geldleben. Denken Sie an die zunehmende Jugendverschuldung. Wenn wir es schaffen, die finanzielle Eigenverantwortung unserer Jugendlichen so zu stärken, dass es zu weniger falschen finanziellen Entscheidungen kommt, ist das gut für die Jugendlichen und schlussendlich gut für die Gesellschaft, für die Wirtschaft und auch für uns als Bank.

Und wie werden Sie diese Inhalte den Jugendlichen konkret vermitteln?
List: Das kann man schwer in Worte fassen, es ist auf Erlebnissen aufgebaut. Die Besucher lösen in den Stationen, durch die sie von den Vermittlern geführt werden, bestimmte Aufgaben in Teams und setzen sich so in der Diskussion spielerisch mit dem Thema Geld auseinander. In einer Station zum Beispiel wird ihnen ein Budget zugeteilt, mit dem sie in ihrer fiktiven Lebenssituation auskommen müssen. Hier erkennen sie, dass Mittel nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen und wieviel das Leben kostet. In einer anderen Station „spüren“ sie im Rahmen eines Quiz die Konsequenzen einer falschen Antwort, also einer finanziellen Fehlentscheidung, indem sich der Widerstand auf einem Ergometer, auf dem sie Rad fahren, erhöht.

Wie kann man Jugendliche im Zeitalter der „Digital Natives“ begeistern und noch zum Staunen bringen?
List: Das ist zweifellos ein hoher Anspruch, den wir, finde ich, erfolgreich gemeistert haben. Die Art und Weise, wie wir Inhalte präsentieren und vermitteln, entspricht der Lebenswirklichkeit unserer Jugendlichen. Wir holen die Jugendlichen mit den technischen Mitteln ab, mit denen sie arbeiten, und können sie auch noch überraschen. Unser multimedialer Vermittlungsansatz, bei dem auch spielerische Komponenten nicht zu kurz kommen, wirkt auf „Digital Natives“ sehr spannend. Sie staunen auch über die Erkenntnisse, die sie machen. Über die Lebenshaltungskosten zum Beispiel, die sie nicht erwartet hätten.

Und wie stellen Sie die Qualität der Inhalte und die Unabhängigkeit sicher?
List: Sämtliche Inhalte wurden von unserem wissenschaftlichen Beirat geprüft und freigegeben. Der Beirat vereint ein buntes Wissen von Experten der WU Wien, der Stanford University, der Österreichischen Schuldnerberatung, des Sparkassenrats der Zweiten Sparkasse bis hin zu einer Expertin der OECD. Bei der Erstellung der Inhalte haben wir auch mit engagierten Pädagogen zusammengearbeitet. Dieser Beirat achtet nicht nur auf das hohe Niveau unserer Inhalte, sondern auch auf unsere Unabhängigkeit, die uns sehr wichtig ist. Denn Vertrauen ist für den Erfolg des FLiP entscheidend. Wir unterstreichen die Unabhängigkeit auch durch unseren eigenständigen visuellen Auftritt.

Wie sieht die Zukunft des FliP aus, um den Anspruch, europaweit einzigartig zu sein, langfristig zu halten?
List: Die Zukunft bietet noch viele Möglichkeiten. Das FLiP will in seiner Finanz-Bildungsinitiative über die reine „Ausstellung“ hinausgehen. Wir planen Kooperationen mit unseren Tochterbanken in Zentral- und Osteuropa und werden nächstes Jahr auch Touren auf Englisch und Slowakisch anbieten, weitere Formate wie Workshops und Seminare im sogenannten „FLiP Lab“ sowie Kamingespräche mit interessanten Persönlichkeiten. Und wir denken gerade über die Entwicklung eines „FLiP2Go“-Formats nach: ein mobiler Container, durch den die Referenten der Sparkassen den Schülern sogar österreichweit die „FLiP Experience“ vermitteln können. Unser Ziel ist es, das anerkannte europäische Kompetenzzentrum zum Thema „Financial Capability“ zu werden.

Herr List, eine letzte Frage: Wie kann man sich das FLiP ansehen?
List: Die Türen des FLiP stehen allen Interessierten offen! Das Konzept basiert auf geführten Touren, daher einfach vorher auf unserer Homepage anmelden, damit wir Ihren Besuch vorbereiten. Wir hatten bereits Sparkassengruppen hier und freuen uns über alle Bundesländerschulklassen, die auf Wienwoche fahren. Die Salzburger Sparkasse hat uns zum Beispiel eine 5. Klasse vermittelt, die uns auf ihrer Wienwoche besucht hat und begeistert war. Das für mich schönste Feedback einer 15-jährigen Teilnehmerin war ihre überraschte Feststellung, dass sie während der gesamten Tour vor lauter Begeisterung kein einziges Mal an ihr Handy gedacht hat …

info@financiallifepark.at
www.financiallifepark.at
www.facebook.com/financiallifepark/

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DAS FLiP – Die wichtigsten Daten:

Der Erste Financial Life Park ist ein kostenloser,
barrierefreier und unabhängiger Erlebnisort,
der auf spielerische Weise den Umgang mit Geld vermittelt.

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Eine der Gründungsideen der Ersten oesterreichischen Spar- Casse war es, die Entwicklung der Zivilgesellschaft durch die Verbreitung finanzieller Bildung zu unterstützen. Die Vermittlung von finanzieller Bildung und die Förderung von finanzieller Eigenverantwortung waren von Anfang an eng mit dem Auftrag der Sparkassen verbunden, erklärt Andreas Treichl, CEO der Erste Group: „Es war die revolutionäre Idee der Sparkassen, allen Menschen zur Schaffung und Sicherung von Wohlstand zu verhelfen. An diesem Auftrag hat sich bis heute nichts geändert – außer den Rahmenbedingungen, die finanzielle Entscheidungen beeinflussen. Diese zu verstehen ist unserer Meinung nach essenziell. Und das wollen wir vermitteln. Unabhängig und verständlich.“ Das FLiP vermittelt Kindern und Jugendlichen die dazu finanzielle finanzielle Allgemeinbildung. Als Ort der innovativen Vermittlung von Finanzwissen erklärt das FLiP an fünf Wissens- und Spielstationen wirtschaftliche und finanzielle Zusammenhänge.

FINANZWISSEN IST WICHTIG FÜR DAS SOZIALE, ÖKONOMISCHE UND KULTURELLE LEBEN
Wir wecken das Interesse an wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenhängen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. So unterstützen und stärken wir die finanzielle Selbstverantwortung. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung im Kampf gegen die zunehmende Verschuldung junger Menschen.

DAS FLIP HAT GANZ BEWUSST EINE EIGENE CORPORATE IDENTITY
Es dient weder dem Marketing noch dem Verkauf von Produkten, sondern einzig der Vermittlung von Verständnis für wirtschaftliche und finanzielle Zusammenhänge.

WIR SIND OFFEN UND EINSEHBAR, VERSTECKEN NICHTS, SPRECHEN ALLES AN UND BEMÜHEN UNS, ALLE FRAGEN ZU BEANTWORTEN
Wir sind keine Modeerscheinung, sondern haben einen sehr stabilen Rückhalt in der Erste Group, der Erste Bank und der Erste Stiftung. Wir kommunizieren einfach und verständlich, damit uns unsere BesucherInnen – gleich welchen Alters und welcher Vorbildung – verstehen können.

DAS FLIP IST MEHR ALS EINE AUSSTELLUNG
Gemeinsam mit FLiP Experience bieten FLiP Library, FLiP Lab und FLiP Web eine Informationsplattform rund um die Themen Geld, Wirtschaft und Entrepreneurship.

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Was zählt, sind die Menschen